Als langfristig orientierter Investor muss ich mir nicht laufend Gedanken machen, wann ich eine Aktie verkaufe und auch mal meine Gewinne mitnehme. Je weniger Bewegung ich in meinem Depot habe, umso mehr Zeit und Gebühren spare ich.

 

Es gibt zahlreiche Studien, wonach Privatanleger, die seltener agieren, eine höhere Rendite erzielen. Neulich habe ich von einer Untersuchung gehört, wonach Depots, die nach dem Tod des Inhabers sogar in Vergessenheit geraten sind, vergleichsweise tolle Renditen erzielen. Kaum zu glauben.

 

 

Wann ist ein guter Zeitpunkt um Gewinne mitzunehmen?

 

Trotzdem kann es ab und an Phasen geben, wo ich mir Gedanken über den Verkauf einer Aktie machen muss. Ich finde, dass es meistens viel schwieriger ist, eine Entscheidung über einen Verkauf bzw. über eine Gewinnmitnahme zu treffen als eine kaufenswerte Aktie auszusuchen. Im heutigen Artikel möchte ich gerne zeigen, wie ich Anhaltspunkte für die richtige Verkaufsentscheidung und den richtigen Zeitpunkt finde, um Gewinne mitzunehmen.

 

Hierzu habe ich mir die Drillisch-Aktie zur Veranschaulichung ausgesucht. Hier ist mir die Entscheidung zu verkaufen besonders schwer gefallen, da Drillisch lange Zeit die beste Entwicklung in meinem Depot aufwies.

 

 

Chart_Drillisch

Drillisch-Aktie vom 01.01.2014 – 21.10.2018

Hier seht ihr den Chart der Drillisch-Aktie. Im September 2014 bin ich zu einem Preis von 28,55 Euro in die Aktie (grüner Kreis) eingestiegen. Den Dividenden-Alarm, den ich seit 2015 verwende um meine Strategie zu verbessern, gab es damals noch gar nicht.

 

 

Verkaufen, obwohl alles bestens läuft?

 

Im Mai 2017 kam eine Ankündigung, dass Drillisch von United Internet übernommen werden wird. Der Aktienkurs stieg in der Folge und der Dividenden-Alarm aktivierte ein Verkaufssignal für die Drillisch-Aktie, welches bis Mitte September 2018 andauern sollte. Das Signal dauerte eineinhalb Jahre an. Diesen Zeitraum habe ich in der Grafik mit der roten Linie gekennzeichnet.

 

Die Drillisch-Aktie war bis dahin lange Zeit meine mit Abstand beste Position im Depot. Die Geschäfte liefen blendend, die Dividendenrendite auf meinen Einstandskurs betrug stattliche 6 Prozent und die Übernahme von United Internet sorgte für eine zusätzliche Kursrally. Es gab überhaupt keine Anhaltspunkte, die einen Verkauf rechtfertigen würden.

 

Ein Signal des Dividenden-Alarms sollte niemals per se zu einem Kauf- oder Verkauf führen, sondern immer nur Anlass sein, sich näher mit einer Aktie zu beschäftigen. Zum damaligen Zeitpunkt gab es jedoch nur dieses Verkaufssignal und ansonsten keine weiteren Anhaltspunkte, die für einen Verkauf sprachen. Ich beschloss das Signal zu ignorieren, beschäftigte mich nicht weiter damit und hielt weiter an der Drillisch-Aktie fest.

 

Erst als ich am 22.März diesen Jahres von einer für mich völlig überraschenden Dividendensenkung auf dem falschen Fuß erwischt wurde, beschäftigte ich mich wieder intensiv mit dem Unternehmen.

 

Grundsätzlich fallen mir nach einem Verkaufssignal vier Gründe ein, eine Aktie zu verkaufen:

  1. Der Aktienkurs übersteigt den fairen Wert des Unternehmens deutlich.
  2. Der faire Wert des Unternehmens fällt deutlich unter den Aktienkurs.
  3. Ich kann die Zukunftsaussichten nicht mehr einschätzen.
  4. Es gibt ein vergleichbares Unternehmen aus derselben Branche mit deutlich höherer Dividendenrendite und besseren Aussichten.

 

 

Meine Gedanken zu einem Verkauf der Drillisch-Position hatte ich damals im April-Newsletter geäußert. Am Ende dieser Prüfung kam ich zu dem Schluss, dass ich meine Gewinne nach der Kürzung der Dividende und dem damit verbundenen Kursrücksetzer von 10 Prozent mitnehmen möchte.

 

In diesem Fall konnte ich die zukünftigen Aussichten durch die Übernahme und Eingliederung in United Internet nicht mehr vernünftig einschätzen. Meine Kompetenzen über die wirtschaftlichen Zusammenhänge dieser Übernahme waren in diesem Fall einfach ihre Grenzen gestoßen. Das musste ich mir ehrlich eingestehen und ich verkaufte die Aktie zu einem Kurs von 59,90 Euro (grüner Kreis).

 

Damit konnte ich einen Kursgewinn von 110 Prozent in 3 1/2 Jahren realisieren. Inklusive Dividenden betrug mein Gewinn sogar 157 Prozent vor Steuern.

 

Im August diesen Jahres erlosch dann das Verkaufssignal nach langer Zeit. Anschließend fiel die Aktie weiter bis auf 37 Euro. Heute befindet sich der Aktienkurs bei ca. 40 Euro. War man dem Verkaufssignal gefolgt, konnte man sich den Verlust sparen.

 

 

Fazit:

 

Es ist vom Kopf her nicht leicht, sich mit dem Verkauf einer Aktie zu beschäftigen, obwohl es keine offensichtlichen Anzeichen für das vorübergehende Ende eines ansteigenden Kursverlaufes gibt. Die Kürzung der Dividende in Kombination mit dem Verkaufssignal des Dividenden-Alarm hat bei mir zur Entscheidung geführt, meine Drillisch-Aktien zu verkaufen.

 

Wer dem Verkaufssignal gefolgt ist, hätte im schlechtesten Fall rund 57 Euro für seine Drillisch-Aktie bekommen. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels (05.11.2018) liegt die Aktie bei rund 40 Euro. Man hätte sich also rund 30 Prozent Kursrückgang ersparen können. Im schlechtesten Fall. Wahrscheinlich wäre aber ein noch höherer Verkaufskurs gewesen.

 

Bei Aktivierung eines Signals ist keine Eile nötig, auch wenn ein eineinhalb Jahre andauerndes Signal sicherlich nicht die Regel ist.

 

Wie so oft, hätte es sich nicht gelohnt an einem Hochpunkt der Bewertung an einer Aktie festzuhalten. Allein hätte ich vermutlich nicht erkannt, dass der Zenit überschritten sein könnte. Der Dividenden-Alarm sorgt aber nicht dafür, dass ich den bestmöglichen aller Zeitpunkte für eine Gewinnmitnahme treffen kann.

 

Denn ein Signal rechtfertigt für sich genommen keine Kauf– oder Verkaufsentscheidung. Es ist zwingend erforderlich, dass man sich die Aktie vor einer Handlung genauer anschaut. In meinem Fall war jedoch die Kombination aus Dividenden-Alarm* UND dem Beobachten der aktuellen Entwicklungen während eines Signals ein Volltreffer!

 

Hat euch der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich über ein Like bei Facebook. Wie schaut es bei euch aus? Betreibt ihr konsequent Buy & Hold oder verkauft ihr ab und an eine Aktie? An welchen Kriterien findet ihr Halt bei eurer Entscheidung? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Bild: © panthermedia.net /Olivier Le Moal

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Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

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