Die regelmäßigen Blogbesucher unter Euch wissen, dass ich sehr häufig betone, mich würden kurzfristige oder saisonale Ereignisse, die die Aktienmärkte in die ein oder andere Richtung lenken, nicht interessieren. Wahlen, Koalitionsgespräche, Sell-in-may-Weisheiten, Jahresendrallye oder andere mediale Berichterstattungen werden von mir vollständig ignoriert. Warum ich das mache und vor allem warum es mir auch gelingt mich davon nicht beeinflussen zu lassen, möchte ich Euch gerne in dem heutigen Artikel näher erläutern. Hierzu stelle ich Euch einen Aspekt aus dem Wirken der Börsenlegende André Kostolany vor.

 

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Das Ei des Kostolany

 

Mit dem berühmten „Ei des Kostolany“ hat der gebürtige Ungar ein antizyklisches Konzept visualisiert, welches bereits eine Vielzahl der Fragen beantwortet, die sich ein Anleger stellen sollte, wenn er überlegt und strukturiert agieren möchte.

 

„Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird; ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden.“ André Kostolany

 

Er geht davon aus, dass sich die die einzelnen Phasen eines Marktes in feststehender Reihenfolge immer und immer wieder wiederholen. Ich folge dieser Grundannahme und verschaffe mir den riesengroßen Vorteil, dass sich mit dieser Vorgehensweise eine ganze Menge Emotionen ausschalten kann, die mir somit nicht mehr gefährlich werden können. Bei der aktiven Geldanlage kaufe ich als antizyklischer Investor meine Aktien, wenn die Preise günstig sind und verkaufe sie wieder zu höheren Preisen.

 

Das Ei des Kostolany

Quelle: https://www.wallstreet-online.de/diskussion/1182957-1-10/ei-andre-kostolany

 

 

Wie Ihr der Darstellung entnehmen könnt, befinden sich die Märkte immer entweder in einem langfristigen Aufwärts-, Abwärtstrend oder in der Phase eines Stimmungsumschwungs. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Für jede Phase gibt es eine Handlungsempfehlung: Kaufen, Verkaufen oder Abwarten.

 

 

Phase 1: Korrektur im Aufwärtstrend

 

Die Menschen haben in der vorherigen Phase ihre Aktien in Panik zu absoluten Tiefstpreisen auf den Markt geworfen und die allgemeine Stimmungslage ist schlecht. Trotz dieses Umfeldes beginnen die Preise zu steigen. Je früher man sich hier mit Aktien eindeckt, umso günstigere Preise kann man erzielen. Das ist die Phase, in der ich aktiv werde und meine Bargeldreserven konsequent in Aktien investiere. Es ist nicht ungewöhnlich, dass mein gesamtes Bargeld, welches ich für Investitionen vorhalte, investiert wird und manchmal sogar Fremdkapital als Hebel zum Einsatz kommt. Letzteres kann ich jedoch nur sehr erfahrenen Anlegern empfehlen.

 

Man sollte jedoch nicht blind zugreifen, sondern erst nach einer sorgfältigen Unternehmensanalyse. Denn zu diesem Zeitpunkt kann man zwar hohe Qualität zum Schnäppchenpreis bekommen, doch nicht alle Unternehmen werden diese Phase überleben. Die Gefahr von Firmenpleiten ist jederzeit gegeben. Mit sogenannten Pennystocks haben risikoaffine Anleger hohe Chancen ihr Geld zu vermehren. Dazu zähle ich mich jedoch nicht.

 

„Wer viel Geld hat, kann spekulieren, wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren, wer kein Geld hat, muß spekulieren. André Kostolany

 

 

Phase 2: Stimmungsumschwung im Aufwärtstrend

 

Im besten Fall habe ich mich nun vollständig mit günstigen Aktien eingedeckt. Diese Phase ist dann eine sehr entspannte. Wie eingangs erwähnt, muss ich nur die allermeiste mediale Berichterstattung ignorieren und brauche sonst nichts weiter zu tun. Ich achte lediglich darauf, wann der Übergang in die nachfolgende Phase erfolgt.

 

Falls ich es verpasst habe in Phase 1 Aktien zu kaufen, kann ich das nun mit Bedacht nachholen. Ich werde nicht mehr ganz so hohe Gewinne einfahren können, dafür habe ich eine höhere Sicherheit, dass der Tiefpunkt bereits erreicht wurde und wir uns tatsächlich im Aufwärtstrend befinden.

 

 

Phase 3: Übertreibung im Aufwärtstrend

 

Die Kurse sind nun auf dem Weg zu einer Überbewertung. Das bedeutet, dass die Unternehmenszahlen und -aussichten den Aktienkurs nicht mehr rechtfertigen. Vielleicht habt ihr schon einmal die Formulierung: „Die Kurse laufen den Zahlen davon“, gehört. Die Stimmung an den Märkten ist durchweg positiv und sogar schlechte Nachrichten haben kaum noch negative Auswirkungen auf die Börse. Der Zyklus erreicht hier seinen Höhepunkt. Wenn plötzlich alle Welt in Aktien investieren möchte und sogar die eigene Putzfrau von nichts anderem mehr spricht oder der Taxifahrer „todsichere“ Empfehlungen ausspricht, dann ist es Zeit seine Anteile langsam zu veräußern. Denn dann herrscht eine allgemeine Euphorie, die durch die zuvor stark gestiegenen Kurse ausgelöst wurde. Jetzt dauert es nicht mehr lange bis zum zweiten Wendepunkt in diesem Zyklus.

 

Für mich ist es nun an der Zeit, meine Aktienpositionen zu überprüfen. Ich bin zwar grundsätzlich Buy and Hold-Anleger und möchte meine Aktien über mehrere Zyklen halten, jedoch nutze ich diese Phase um ab und an einzelne Aktien zu verkaufen und meine Gewinne zu realisieren. Auch wenn es Fachleute gibt, die der Ansicht sind, dass es Phasen gibt, in denen man überhaupt keine Aktien haben sollte, senke ich meine Aktienquote zwar merklich ab, reduziere sie aber niemals vollständig.

 

Die durch die Verkäufe freigewordenen Barmittel werden nun auf dem Tagesgeldkonto geparkt oder auf weniger risikoreichere Geldanlagen verteilt.

 

 

Phase 4: Korrektur im Abwärtstrend

 

Die Kurse beginnen jetzt zu bröckeln. Viele erfahrene Anleger steigen aus dem Aktienmarkt aus und der Anteil der Aktien in den Händen von unerfahrenen Investoren oder Spekulanten steigt immer weiter an. In der Regel haben die Putzfrauen und Taxifahrer im Bereich der Phase 3 ihre Anteile gekauft und befinden sich nun schon wieder im Minus. Bei Anfängern ist auf Grund der fehlenden Erfahrungen eine hohe Nervosität vorhanden und die Hoffnung, dass die Kurse sich wieder erholen wird stetig geringer, je länger diese Phase andauert.

 

Selbst gute Nachrichten haben kaum noch einen positiven Einfluss auf die Aktienkurse. Oftmals fallen die Kurse in dieser Phase umso heftiger, je länger zuvor die Phase 3 angedauert hat.

 

Durch meine monatliche Sparrate füllt sich mein Cashkonto von ganz allein und federt die Verluste meiner verbliebenen Aktien in diesen Zeiten etwas ab. In dieser Phase muss ich wieder nur abwarten. Ich nutze die Zeit, um mich mit anderen Dingen als mit der Börse zu beschäftigen. Von der medialen Berichterstattung lasse ich mich nicht beeinflussen.

 

 

Phase 5: Stimmungsumschwung im Abwärtstrend

 

Die Kurse fallen nun schon ein ganze Weile und vermiesen den Anlegern so richtig die Stimmung. Überall hört und liest man nur noch von der „Krise“. Die allgemeine Lage ist mies und positive Nachrichten gibt es so gut wie gar nicht mehr. Falls doch, werden sie einfach nicht mehr wahrgenommen. Immer mehr Anleger verkaufen ihre Aktien – oft sogar um Schulden, die nun eingefordert werden, bezahlen zu können.

 

Mein eigenes Verhalten ist immer noch dasselbe, wie in Phase 4: Ich mache einfach gar nichts. Mein Verrechnungskonto füllt sich automatisch weiter. Das macht die Aktienverluste etwas erträglicher.

 

 

Phase 6: Übertreibung im Abwärtstrend

 

Die letzte Phase des Abwärtstrends. Die katastrophale Stimmung und die schlechte wirtschaftliche Lage drücken die Aktien weit unter ihren realistischen Wert. Die Medien erwecken den Eindruck als wenn es kaum noch Aussichten gibt, dass die Märkte jemals wieder steigen können.

 

Das Pendel hat den Mittelpunkt überschritten und schlägt in die negative Richtung aus. Wer noch investiert ist, verkauft jetzt mit horrenden Verlusten.

 

Auf der anderen Seite denkt der erfahrene Investor schon wieder über das Kaufen nach. Denn er weiß, dass irgendwann die Kurse ihre Talsohle erreichen und nicht mehr weiter fallen. Genau dann ist der Zeitpunkt gekommen, um wieder zu investieren. Doch man muss nun vorsichtig sein, denn die Märkte befinden sich vermutlich in einer Wirtschaftskrise. Zu dieser Zeit ist die Gefahr am größten, dass man durch Insolvenzen der Unternehmen, von denen man Anteile kauft, sein Kapital komplett verliert. Man muss sich immer bewusst machen, dass die größten Chancen auch meistens mit dem größten Risiko behaftet sind. Durch eine besonders sorgfältige Unternehmensauswahl bzw. dadurch, dass man sich nur wirklich hochwertige Unternehmen aussucht, kann man dieses Risiko minimieren.

 

„Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ André Kostolany

 

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Fazit:

 

Dieses Grundgerüst von André Kostolany kann Euch als Leitfaden sehr hilfreiche Anhaltspunkte geben, wie ihr Euch als langfristig orientierte Investoren in den einzelnen Marktphasen verhalten könntet. Ohne Euch durch Emotionen vom Weg abbringen zu lassen, könnt Ihr Eure Strategie wie mit einer Checkliste verfolgen. Das Wissen über das zyklische Verhalten der Kapitalmärkte und eine durchdachte Strategie werden auf lange Sicht zum Erfolg führen.

 

Die Kunst besteht jedoch darin, eine starke Überzeugung zu bilden, sowie Eure Meinung entgegen der Mehrheitsmeinung der anderen Anleger bzw. der Medien zu behalten und Euch nicht verunsichern zu lassen. Es geht darum, dann zu kaufen, wenn alle die Börse verteufeln und die Anteile dann zu verkaufen, wenn jeder das Gefühl hat, besser kann es nicht mehr werden.

 

Ihr müsst jedoch zwingend beachten, dass es hier nicht um tägliche oder anders kurzfristige Schwankungen einzelner Aktien geht. Stattdessen beschreibt das Ei des Kostolany Zeiträume von Monaten und Jahren! Ein kompletter Börsenzyklus, der alle sechs Phasen beinhaltet, kann durchaus mehr als ein Jahrzehnt andauern.

 

Wer dieses Prinzip einmal verstanden hat, muss nun nur noch die zweite elementare Frage des zyklischen Handelns beantworten können: Woher weiß ich, in welcher Phase ich mich befinde?

 

Wie Ihr diese Frage beantworten könnt, erfahrt Ihr im nächsten Beitrag. In einem Gastbeitrag wird es darüber hinaus darum gehen, wie Ihr ganz einfach die richtigen Zeitpunkte zum Ein- oder Ausstieg treffen könnt.

 

 

Bild: © panthermedia.net /Olivier26

Buchtipp

 

Wenn Ihr lernen möchtet antizyklisch zu investieren, kann ich Euch den zum Blogartikel passenden Buchtipp von André Kostolany ans Herz legen. Das Buch vertieft u.a. die Aspekte, die mein Beitrag nur oberflächlich anreißen kann:

Die Kunst, über Geld nachzudenken

André Kostolany

 


Die Kunst ueber Geld nachzudenken

 

 

 

 

 

 

 

Niemand beherrschte »die Kunst, über Geld nachzudenken« so perfekt wie Börsenguru André Kostolany. Millionen Anleger verehren den Meister des Aktiengeschäfts, dessen Bücher allesamt zu Bestsellern wurden. Hier erklärt er die grundlegenden Geheimnisse und Tricks der Spekulanten – und nennt die wichtigsten Einflussfaktoren für das Börsengeschehen.

In seinem letzten Buch setzt er sich mit den Zyklen der Märkte und der Börsenpsychologie auseinander. Für die Kurzfristigkeit der Marktentwicklungen prägte er den berühmten Begriff der „zittrigen Hände“ für die Verursacher der überkauften Märkte. Im Gegensatz dazu schreibt er den „Hartgesottenen“ die Ursache für überverkaufte Märkte zu, die in dieser Phase den Großteil der Aktien halten. Nach Kostolany lassen sich sämtliche Marktbewegungen in Zyklen einordnen. Dies macht die Unberechenbarkeit der Börsen berechenbar.

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Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

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