Das Cashkonto ist als Verrechnungskonto das Bindeglied zwischen meinem alltäglichen Geldkreislauf und meinem Wertpapierdepot. Hier wird mein monatlicher Sparbetrag eingezahlt und bei einer lukrativen Gelegenheit investiert. Kein Geld, welches einmal auf das Cashkonto geflossen ist, findet wieder den Weg zurück in den Geldkreislauf. Niemals!

 

Mit meinem Finanzsetup bin ich so aufgestellt, dass ich nicht darauf angewiesen bin, dort etwas entnehmen zu müssen Alle vorhersehbaren und unvorhersehbaren Ausgaben können anderweitig sorgenfrei bestritten werden. Wie mein persönliches Finanzsetup aufgebaut ist, erfährst du in meiner ersten Artikelserie.

 

Eine hohe Verzinsung für Liquidität ist natürlich wünschenswert. Doch obwohl mein Verrechnungskonto schon seit langer Zeit kaum verzinst wird, hat es einen sehr essentiellen Stellenwert für meinen Vermögensaufbau. Es ist das Herzstück!

 

Aber warum ist das so? Schließlich liegt das Geld dort nutzlos herum, liefert keine Erträge und schmälert damit die Performance meines Gesamtportfolios. Der bewusste und strategische Umgang mit dem Cashkonto hat jedoch viele Vorteile und sorgt langfristig trotz Minizinsen für die Rendite. Damit möchte ich mich in diesem Beitrag gerne beschäftigen.

 

 

Auf das richtige Timing kommt es an

 

Viele Privatanleger sind der Ansicht, dass man sein Geld direkt investieren sollte, sobald es zur Verfügung steht. Sie folgen Studienergebnissen, wonach man langfristig zuviel Rendite verpassen würde, wenn man auf die richtige Gelegenheit wartet. Dies mag für einige Wachtumsaktien, wie zum Beispiel die FANG-Unternehmen auch zutreffend sein.

 

Aber gerade Unternehmen mit langjähriger Dividendenhistorie, bei denen das Wachstum sich bereits etwas entschleunigt hat und Teile der Gewinne in Form von Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden, kennt der Kurs nicht nur die Richtung nach oben. Viele Preise sieht man im Laufe der Zeit immer mal wieder.

 

Im Einkauf liegt der Gewinn. Natürlich weiß ich, dass es nicht möglich ist, immer den absolut perfekten Einstiegszeitpunkt zu treffen. Aber ich kann die Wahrscheinlichkeit der Perfektion näher zu kommen, stark erhöhen. Am Ende des Artikels findest du einen Link mit weiteren Informationen zum Thema richtige Kauf- und Verkaufszeitpunkte.

 

 

Mit dem Cashkonto zum richtigen Zeitpunkt handlungsfähig sein

 

Ich habe mich davon gelöst, mein Geld auf dem Verrechnungskonto als Geldanlage zu betrachten. Stattdessen habe ich den Vorteil der jederzeitigen Verfügbarkeit dieser Mittel sehr zu schätzen gelernt. Mein Cashkonto steht so gut wie niemals bei Null. Eine gewisse Liquidität ist dort immer verfügbar.

 

Meine Cashquote beträgt aktuell 21 Prozent meines Gesamtvermögens. Dieser Anteil steht sofort für interessante Investitionen zur Verfügung.

 

 

Aufbauphase

 

In steigenden Märkten benötige ich weniger Cash, da die Unternehmen hier oft zwar günstig, aber seltener extrem günstig zu haben sind. Diese Phasen nutze ich, um meine monatlichen Sparraten auf dem Cashkonto zu sammeln und eine möglichst hohe Cashquote zu erreichen. Aktienkäufe finden hier seltener statt.

 

Cashquote in Prozent

 

Hier sieht man sehr schön die Entwicklung meiner Cashquote in den vergangenen anderthalb Jahren. Da auch parallel mein Vermögen weiter anwächst, bin ich mit der Entwicklung besonders auch in diesem Jahr sehr zufrieden. Die Ursache liegt hier in den verminderten Aktienkäufen und der Erhöhung meiner monatlichen Sparrate.

 

In den letzten Monaten wurden lediglich Wachstumswerte zugekauft und keine Dividendentitel. Der Sprung im aktuellen Monat begründet sich in der Kündigung meines Bausparvertrages, dessen Wert nach der Auflösung auch zu den liquiden Mitteln gezählt wird.

 

Kaufen, wenn die Kanonen donnern

 

Bei Immobilien ist eine Zwangsversteigerung oft eine gute Gelegenheit um ein Objekt deutlich unter dem fairen Wert zu erwerben. Man nutzt hier eine Situation, in der der Eigentümer die Immobilie zum Beispiel aus finanziellen oder privaten Gründen veräußern muss. Der innere Wert des Objektes ist davon aber nicht betroffen. Eine Krisenphase an der Börse ist damit durchaus vergleichbar.

 

Fallen die Märkte oder befinden wir uns in Krisenzeiten, sinken die Kurse weil die meisten Anleger ihre Aktien auf den Markt werfen. Die Masse verkauft ihre Anteile nicht immer auf Grund rationaler und objektiver Kriterien. Oft sind innere Gründe wie Angst und Panik für einen Verkauf ausschlaggebend. Manche haben vielleicht auch auf Pump investiert und die Bank fordert nun ihr Geld zurück. Dadurch fallen die Kurse, obwohl der innere Wert der Investition völlig in Ordnung ist.

 

Genau in solchen Situationen muss ich da sein! Dank meines nun prall gefüllten Cashkontos, das ich mir in guten Zeiten aufgebaut habe, bin ich jederzeit handlungsfähig und in der Lage viele Qualitätsunternehmen sehr günstig einzusammeln.

 

Bei einer aktiven Anlagestrategie wäre es absolut katastrophal in solchen Phasen sagen zu müssen: „Ich würde gerne, aber ich habe kein Geld!“

 

Wer dann bereits zu 100 Prozent investiert ist, profitiert zwar maximal von wieder steigenden Märkten hat aber keine Möglichkeiten mehr zu reagieren, wenn der Markt erneut fällt und sich noch günstigere Gelegenheiten ergeben. Er muss tatenlos zuschauen und versuchen die Verluste zu verkraften. Qualitätstitel zum Schnäppchenpreis sammeln dann die anderen ein. In diesen Phasen wird das große Geld an der Börse verdient und genau dann benötigt man die Liquidität.

 

Die übrige Zeit, auch wenn es Jahre sind, in denen die liquiden Mittel nur herumliegen und keine Rendite abwerfen, werden in diesen Momenten um ein Vielfaches wettgemacht. Kursrückgänge einzelner Aktien um fünf oder 10 Prozent interessieren mich in steigenden Märkten eher weniger. In diesen Krisenphasen wird die Performance erzielt! Hier sind Preisrabatte auf Qualitätsaktien von 30, 40, 50 oder auch 60 Prozent möglich. Und das auf eine Vielzahl von hochwertigen Titeln.

 

Es macht für mich keinen Sinn, mal hier, mal da eine Dividendenaktie mit zehn Prozent Abschlag zu kaufen. Es kostet viel Disziplin mit dem Cash strategisch umzugehen. Aber das Warten lohnt sich. Selbst wenn ich eine, zwei oder drei Dividendenzahlungen verpasse, bringt der spätere günstige Einstiegspreis eine Ersparnis, die oft viele Jahresdividenden bedeuten.

 

 

Eine Cashreserve kann Zittrige in Hartgesottene verwandeln

 

Nicht jeder ist dafür geeignet fallende Kurse auszusitzen und sich über Monate, vielleicht über Jahre, nur rote Zahlen in seinem Depot anzusehen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Spaß macht das nicht. Doch wenn ich in solchen Phasen eine gewisse Cashquote habe, fällt mir das deutlich leichter. Ich habe bei mir selbst beobachtet, dass ich mich manchmal über fallende Kurse sogar freue und es kaum erwarten kann, bis der Markt tief genug gesunken ist, um auf Einkaufstour zu gehen. Diesen psychologischen Vorteil habe ich anfangs stark unterschätzt. Ich nehme mir damit einen nicht unerheblichen Druck. Weniger Druck führt zu weniger Fehlern.

 

 

In verschiedenen Facebookgruppen ist mir aufgefallen, dass sogar bei kleineren Kursrückgängen sofort solch bange Nachfragen an andere Mitglieder erfolgen. Offenbar benötigen die Verfasser dieser Posts die Meinungen der Mitglieder um sich zu beruhigen.

 

Oft dauert es auch nicht lange, bis der erste unvermittelt „Nachkaufen“ in die Kommentare ruft. Nicht jeder Kursrückgang muss einem Sorgen bereiten, aber auch nicht jeder ist eine Nachkaufgelegenheit! Es ist legitim auch mal einfach nichts zu tun. Denn wenn kurz darauf die Aktie um weitere 10 Prozent nachgibt und dann kein Geld zum Investieren mehr übrig ist, wäre das nicht nur psychologisch extrem bitter.

 

Nicht zuletzt, weil liquide Mittel Ängste entschärfen können, gehe ich vorsichtig und verantwortungsbewusst damit um. Sie sind wertvoller als man glaubt.

 

 

Fazit:

 

Handlungsfähigkeit zum richtigen Zeitpunkt bringt langfristig die Rendite. In Krisenzeiten ist eine hohe Cashquote sehr wertvoll. Hier bekomme ich deutlich mehr Aktien zu einem günstigeren Preis. Eine hohe Cashreserve lässt mich in Krisenzeiten beim Anblick vieler roter Depotwerte besser schlafen.

 

Ich muss jedoch darauf achten, mein Pulver nicht zu früh und nicht zu spät zu verschießen. Den richtigen Zeitpunkt für einen massiven Einstieg in möglichst viele Qualitätstitel mit 30, 40, 50 oder 60 Prozent Rabatt zu treffen, ist ohne Hilfe nicht leicht.

 

Wenn du wissen möchtest, wie du möglichst günstige Kaufzeitpunkte erkennen und somit hohe Renditen erwirtschaften kannst, lege ich dir diesen praxisorientierten Beitrag zur Dividenden-Alarm Strategie ans Herz. Sie funktioniert allerdings nur in Verbindung mit einem disziplinierten Umgang mit dem Cashkonto. Wer dazu nicht in der Lage ist, fährt unter Umständen mit regelmäßigen Käufen und dem Verzicht auf Market-Timing-Versuche besser.

 

In dieser Niedrigzinsphase habe ich die kurzfristige Verfügbarkeit von Cash sehr zu schätzen gelernt. Diese Eigenschaft der Liquidität ist mir wichtiger als eine anständige Verzinsung dieses Kapitals. Doch mittlerweile habe ich einen Weg gefunden, wie ich beides erreichen kann: Kurzfristige Verfügbarkeit und eine anständige Verzinsung. Darum wird es im nächsten Artikel gehen.

 

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Bild: www.pixabay.de

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