Zwischen aktivem und passiven Investieren gibt es erhebliche Unterschiede. Sie liegen in den grundsätzlichen Annahmen des Anlegers und in der Art, wie man über den Gesamtmarkt nachdenkt. Sie liegen in unterschiedlichen Voraussetzungen in Bezug auf das Anlagevolumen, den Lernwillen und die Risikobereitschaft. Und sie liegen in der Zielsetzung und in der Strategie, die ein Anleger verfolgt. Mit diesem Artikel möchte ich mich eindeutig für aktives Investieren positionieren.

 

Beim passiven Investieren geht es darum, einen Aktienkorb aus einem Index, mehreren Indizes oder einen Index selbst auszuwählen. Beim aktiven Investment stehen mir zwei Parameter zur Verfügung, um mein Ziel, zum Beispiel eine bessere Rendite gegenüber dem Gesamtmarkt zu erzielen, erreichen zu können:

 

a) Durch die gezielte Auswahl einzelner Unternehmen, Branchen oder Regionen, die ich dem Gesamtmarkt vorziehen möchte

und/oder

b) über das Timing meiner Kauf- und Verkaufsentscheidung.

 

Der zweite Punkt ist jedoch deutlich schwieriger umzusetzen als der erste. Viele Experten sind sogar der Ansicht, dass es nicht möglich ist, über das Timing auf Dauer eine Outperformance zu erzielen. Hier findest Du einen interessanten Podcast, worin diese Ansicht vertreten wird.

 

Meine Meinung ist jedoch, dass schon das strategische Heraushalten von Cash aus dem Markt eine Timing-Entscheidung darstellt. Auf Grund meiner Annahme, dass die Aktien derzeit zu teuer sind um sinnvolle Investitionen zu tätigen, entscheide ich mich so gezielt aktuell nicht zu investieren. Durch Variieren meiner Cashquote kann ich  meine Rendite weiter optimieren.

 

Der passive Investor kann sich nach der Auswahl seines Produktes entspannt zurücklehnen und seine durchschnittlichen ca. 7-8 Prozent vor Steuern jährlich kassieren. Er kann auch einem Fondsmanagement den Auftrag erteilen, eine Auswahl vorzunehmen und Ein- und Ausstieg zu timen, wenn er bereit ist, dafür höhere Gebühren zu zahlen.

 

 

Welche 3 Gründe sprechen für aktives Investieren?

 

1.Der Lerneffekt

 

Beim aktiven Investieren steht mir das gesamte Portfolio aller Aktien der Welt in beliebiger Zusammenstellung zur Verfügung. Aus dieser Palette einzelne Investments auszusuchen, zu analysieren und letztlich zu kaufen bedeutet, dass ich mich mit wirtschaftlichen Zusammenhängen und Kennzahlen beschäftigen kann. Ich lerne verschiedene Geschäftsmodelle kennen und verstehen. Wenn ich Geschäftsprozesse und -prinzipien nachvollziehen kann, bin ich in der Lage Entscheidungen eines Managements zu überprüfen. Kurz: Ich lerne extrem viel und erhöhe mein Humankapital.

Buchtipp

Mein Weg zur finanziellen Freiheit

von Alex Fischer

Mein Weg zur finanziellen Freiheit

Vor einigen Jahren hatte Alex eine verrückte Idee – er wollte finanziell frei sein. Nachdem er vieles in seinem Leben geändert hatte, war es einige Jahre später bereits soweit. Mit 37 Jahren hat er sein Ziel der finanziellen Freiheit erreicht. Er konnte vom aktiven Hamsterrad ins passive Leben wechseln.

Die finanzielle Freiheit kann jeder erreichen! Davon ist er fest überzeugt. Nur hilft hier kein warten, du musst mehr tun als andere. Auf diesem Weg möchte Alex dir gern helfen. Er hat sich daher viele Gedanken darüber gemacht, was ihm in den vergangenen Jahren dabei geholfen hat, frühzeitig das Ziel der finanziellen Unabhängigkeit zu erreichen.

Du erfährst in seinem Buch, was er alles getan hat und was er rückblickend für wichtig erachtet, damit auch du dein Ziel frühzeitig erreichen kannst. Die Betonung liegt dabei auf dem Wort “frühzeitig”. Nutze sein Buch als Ratgeber und Ideenpool. Konzentriere dich von Beginn an auf die wichtigen Punkte. Nur so wirst auch du frühzeitig die finanzielle Unabhängigkeit erreichen.

In meinem Beitrag zum Aufbau einer Vermögensstruktur habe ich 2016 noch folgendes geschrieben:

 

Mein Ziel ist es nicht, einen Vergleichsindex zu schlagen. Ich bin mir bewusst, dass sich weltweit haufenweise Analysten, Fondsmanager, Berater, Ökonomen und andere Experten permanent damit beschäftigen, die besten Geldanlagemöglichkeiten zu finden und diese zu nutzen. Als kleiner Privatanleger, ohne berufliche Berührungspunkte mit der Finanzbranche, geschweige denn Fachausbildung in diesem Bereich, bilde ich mir nicht ein, schlauer zu sein, als all diese Fachleute in ihrem Beruf. Mein Bestreben ist es vielmehr, ein besseres Ergebnis zu erzielen, als ich es mit herkömmlichen Geldanlageprodukten schaffen kann.  Konkrete Investments wähle ich aktiv aus, weil es mir Spaß macht. Ich beschäftige mich gerne mit diesem Thema, aber ich lege mein Geld nicht aktiv an, weil ich davon ausgehe, besser zu sein als der Gesamtmarkt oder ein Experte. Mein konkretes und ambitioniertes Renditeziel dient lediglich dazu, meinen Sportsgeist anzutreiben und das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.

 

Über zwei Jahre später hat sich meine Meinung dazu grundlegend geändert. Mittlerweile bin ich der Ansicht, dass es mir gelingen kann durch aktives Investieren den Gesamtmarkt dauerhaft zu schlagen. Vielleicht denkst du jetzt, ich sei größenwahnsinnig oder überheblich geworden, schließlich schaffen das die wenigsten Fondsmanager. Ich verfüge einfach nur auf Grund größerer Erfahrung und stetiger Weiterentwicklung über das Selbstbewusstsein ernsthaft zu sagen, dass ich das schaffen kann.

 

Gegenüber einem Fondsmanager habe ich als aktiver Investor noch weitere Vorteile auf die ich später noch etwas näher eingehen möchte. Außerdem ist diese Art zu investieren sehr kostenarm. Im Gegensatz zu einem Fonds oder ETF muss ich nicht erst einen gewissen Kostenrückstand aufholen, was mich direkt zum nächsten Punkt bringt:

 

 

2.Das Einsparen von Investitionskosten

 

Mit wachsendem Depot wachsen auch die Gebühren, die ich für die Verwahrung von Fonds– oder ETF-Anteilen an die Fondsgesellschaft zahlen müsste. Bei einer direkten Investition in eine Aktie zahle ich zwar auch Transaktionskosten, doch die sind nicht laufend zu entrichten, sondern müssen nur je einmal beim Kauf und dann wieder beim Verkauf gezahlt werden.

 

Beim passiven Investieren wollen die zwischengeschalteten Dienstleister natürlich für ihr Management bezahlt werden. Als aktiver Investor muss ich mich logischerweise nicht selbst bezahlen.

 

Welche Gebühren sich mit den Jahren bei Fonds- oder ETF-Produkten mit den Jahren zusammenrotten, habe ich dir im Artikel Was euch die Tasse Kaffee beim Bankberater wirklich kostet, bereits vorgerechnet. Diese Gebühren muss ich nicht erst wieder hereinholen. Stattdessen wird nach Abzug der Transaktionskosten jeder investierte Euro voll dem Zinseszinseffekt unterworfen.

 

Beispiel:

Investiere ich 50.000 Euro in einen ETF mit 0,8 Prozent TER, kostet mich das Halten und Nichtstun jährlich 400 Euro.

Investiere ich 50.000 Euro in einen aktiv gemanagten Fonds mit 2,0 Prozent TER, kostet mich das Halten und Nichtstun jährlich 1000 Euro.

Investiere ich 50.000 Euro in Einzelaktien kostet mich das Halten und Nichtstun jährlich nichts.

 

Für mich ist das kein Grund ETF-Produkte immer vollständig aus einem Depot herauszuhalten. Die Beimischung von ETF kann aus Gründen der Diversfikation manchmal Sinn ergeben, wenn dieser Vorteil den Kostennachteil überwiegen sollte. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass mein Portfolio eine Grenze hat, ab wo es für mich lohnender ist, zusätzliches Kapital in Einzelaktien zu investieren statt weiterhin etwaige ETF aufzustocken.

 

Mein aktuelles Aktiendepot hat Anschaffungskosten in Höhe von 0,48 Prozent verursacht. Einmalig. Nicht laufend.

 

 

3.Individuelle Gestaltung möglich

 

Als aktiver Investor kann ich selbstbestimmt handeln und bin im Gegensatz zu einem Fondsmanager nicht an Fondsregeln gebunden. Ich bin davon überzeugt, dass ich so Branchen, Regionen oder Unternehmen finden und auswählen kann, die mir in den nächsten Jahren eine überdurchschnittliche Rendite einbringen werden.

 

Ich muss mich nicht an Risikokennzahlen halten und auch kein Window-Dressing betreiben um mein Depot zu bestimmten Jahreszeiten aufzuhübschen. Ich kann  auch in Aktien investieren, die für bestimmte Fonds tabu sind, weil sie nicht den Regeln entsprechen. Wenn ich mir meinen Fonds oder ETF ausgesucht habe, muss ich damit leben, was mir Manager oder Index vorsetzen. Ansonsten stehen mir grundsätzlich erst einmal alle Aktien zur Verfügung. Ich bin niemandem zur Rechenschaft verpflichtet. Außer mir selbst.

 

Der Vorteil einer Aktie ist, dass sie maximal um 100 Prozent fallen, jedoch unendlich steigen kann. Die Investition in Einzeltitel macht es möglich, Aktien zu finden, die sich langfristig vervielfachen. Ein Fonds oder ETF enthält immer auch eine gewisse Anzahl an Graupen, die diese Performance wieder nach unten ziehen. Auch wenn es sehr schwierig ist, solche Kursraketen zu finden, ist es mit einem passiven Aktienkorb von vornherein ausgeschlossen von Tenbaggern oder besser voll zu profitieren. Das klappt natürlich nur, wenn ich in meinem Depot keine oder nur extrem wenige Graupen habe.

 

Wenn ich als Anleger den Wunsch habe, in moralisch unantastbare Unternehmen zu investieren, ist das über einen Fonds oder einen ETF nur schwer möglich. In einem MSCI World befinden sich mehr als 1700 Unternehmen. Darunter sind in jedem Fall genug, die man zumindest moralisch fragwürdig finden kann. Man kann mittlerweile zwar in saubere Ethikfonds investieren, jedoch wird das auf Grund anspruchsvolleren Managements oft mit höheren Gebühren einhergehen.

 

Mittlerweile gibt es immer mehr ETF, die speziellere Anlageziele befriedigen. Man kann leicht den Eindruck gewinnen, dass die Finanzindustrie für alles und jeden einen ETF auf den Markt wirft. Auf ETF in Schwellenländern für steigende Kurse, ETF in Schwellenländern für fallende Kurse, ETF in Schwellenländern für fallende Kurse ohne Pakistan, ETF in Schwellenländer für fallende Kurse mit Pakistan geheblt und so weiter und so fort. Wir sind aber selbst schuld, denn die Nachfrage für sowas wird durch uns gestellt.

 

Wenn du etwas darüber erfahren möchtest, wie die Fondsbranche eine feine Idee vermurkst, kann ich dir den Artikel Etikettenschwindel bei ETF empfehlen.

 

Mit diesen Produkten wird der Gedanke des passiven Investierens, der ja beinhaltet alle Aktien zu kaufen und sich nicht weiter groß damit zu beschäftigen, ad absurdum geführt. Trotzdem ist die Art der Selektion völlig unvollständig, weil Graupen in so einem ETF weiterhin mitschwimmen. Das hat für mich nichts mit individueller Gestaltung zu tun.

 

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Im kommenden Artikel geht es um die Voraussetzungen, die ein aktiver Investor mitbringen sollte.

Bild: © panthermedia.net /gustavofrazao

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Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

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