Nach den aktuellsten Berechnungen des Deutschen Aktieninstitutes (DAI) waren im Jahr 2015 bei uns in Deutschland lediglich 14 Prozent, der über 14 jährigen Menschen in Aktien investiert. Im europäischen Vergleich hinken wir damit weit zurück. Positiv stimmt, dass die Anzahl der Aktionäre in den letzten Jahren leicht ansteigend ist. Demnach gab es 2015 einen Anstieg um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Quelle: Deutsches Aktieninstitut e.V.)

 

Offenbar haben einige Menschen erkannt, dass es in dieser Niedrigzinsphase notwendig ist, dass Risiko etwas zu erhöhen, um eine ansehnliche Rendite zu erzielen.

 

Aus Angst vor Verlusten meiden viele Menschen jedoch die Börse. Sie glauben, dass ein großes wirtschaftliches Fachwissen notwendig ist, um an den Kapitalmärkten erfolgreich zu sein. Für die Beobachtung der aktuellsten Kursentwicklungen befürchten sie hohen Aufwand betreiben zu müssen. Dazu kommt, dass Aktien den Ruf eines riskanten Spekulationsobjektes haben.

 

Eben diese Bedenken begegnen mir regelmäßig in meinem Familien-, Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis. „Wenn es so gut und einfach funktionieren würde, würden es ja alle machen“, lautet ein oft gehörtes Argument.

 

Verlustreiche Erfahrungen haben die Ängste der Kleinanleger bestätigt. Die negativen Erfahrungen vieler Börseneinsteiger mit der „Volksaktie“ der Deutschen Telekom in den 90er Jahren oder das Platzen der „Dotcomblase“ im Zuge des Internethypes zur Jahrtausendwende haben ihr übriges dazu beigetragen. So etwas spricht sich herum. Die Gründe für diese negativen Erfahrungen werden dabei nur selten ausreichend beleuchtet.

 

Durch den viel beworbenen Börsengang des Telekommunikationsriesen und der allgemeinen Euphorie um Internetaktien einige Jahre später, haben sich damals viele Kleinanleger entschieden, erstmals an der Börse aktiv zu werden. Eine Strategie hatten die wenigsten. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Telekomaktionäre ihren gesamten Einsatz auf dieses eine Investment konzentriert haben. Beim Absturz der Dotcomblase war es so, dass viele Erstanleger in Internetaktien investiert hatten, als der Hype schon in vollem Gange war. Berücksichtigt wurde bei der Kaufentscheidung lediglich die vergangene Kursentwicklung. Und die war natürlich äußerst erfreulich. Fundamentale Daten fanden kaum Beachtung. Geschockt von den folgenden heftigen Kursabstürzen haben die Anleger panisch ihre Anteile verkauft und der Börse für immer den Rücken gekehrt.

 

Diese Menschen haben grundlegende Fehler begangen, die zu diesem Misserfolg geführt haben. Trotz der Tatsache, dass eine Aktienanlage eine risikobehaftete Geldanlage ist, hätten diese Fehler vermieden werden können. Dazu hätte es lediglich der Beachtung einiger weniger Grundregeln bedurft. Die Vorgehensweise dieser Anleger würde ich als Spekulation bezeichnen. Das hatte nichts mit langfristig orientierter Aktienanlagestrategie zu tun. Aus meiner Sicht waren dies keine Verluste, die man als Geldanleger auf Grund der Eigenarten der Kapitalmärkte zwingend zu akzeptieren hat. Das waren individuelle Fehler der Anleger.

 

 

Nicht jeder ist von Natur aus für die Börse geeignet

 

Und genau darum wird es in den kommenden Blogbeiträgen gehen. Ich bin zwar von einer Geldanlage in Aktien absolut überzeugt, muss aber fairerweise darauf hinweisen, dass nicht jeder Mensch schon auf Grund seiner Persönlichkeit für diese Art des Investierens geeignet ist. Wem ein subjektives Gefühl von Sicherheit durch einen Vertragsabschluss mit einer serösen Bank oder einer Versicherung ein wichtigeres Bedürfnis ist, der sollte sein Geld auch so anlegen. Wer sich bei erheblichen Kursverlusten unwohl fühlt, dadurch die Schlafqualität leidet oder dies sonstige emotionale oder körperliche Reaktionen hervorruft, sollte kein Geld an der Börse investieren. Wenn du zu diesen Menschen gehörst, solltest du akzeptieren, dass du mit schwankungsärmeren Investitionen derzeit kaum oder eine geringe Rendite erzielst. Eine solche Entscheidung ist dann aber auch nicht verwerflich, sondern vernünftig. Gesundheit und Wohlbefinden und damit auch die Lebensqualität sollten nicht unter der Art eines Investments leiden. Nicht für Geld.

 

Aber nun zu den Gründen, warum ich mich persönlich für Aktien als wichtigste Anlageklasse innerhalb meiner Strategie entschieden habe. Bei meiner Entscheidung setze ich voraus, dass unser kapitalistisches System weiterhin in dieser oder ähnlicher Form existieren wird.

 

 

Aktien sind langfristig die rentabelste Geldanlage

 

Ein breites Aktieninvestment ist von großer Bedeutung für den Vermögensaufbau. Nachweislich sind langfristig durchschnittliche Renditen von 7-9 Prozent pro Jahr realistisch. Wenn ich beispielsweise 10 Jahre lang ein Zusatzeinkommen von 1000 Euro erhalten möchte und von einer Renditeerwartung von 7 Prozent ausgehe, benötige ich etwa 30 Jahre in denen ich monatlich 100 Euro zur Seite lege. Bei ansonsten gleichen Bedingungen, aber einer Rendite von 9 Prozent, hätte ich mein Ziel bereits nach ca. 26 Jahren erreicht. Mit einer vergleichbaren Geldanlage in Tages- oder Festgeld wird meine Lebenszeit hingegen nicht ausreichen, um ein ähnliches Ergebnis zu erzielen (Quelle: Deutsches Aktieninstitut e.V.)

 

 

Langfristig steigen die Märkte immer

 

Niemand kennt die zukünfige Entwicklung der Kapitalmärkte. Auch keine Analysten oder Experten. Daher müssen wir die Vergangenheit bewerten. Die Erfahrung zeigt, dass Ängste vor der Börse dann unbegründet waren, wenn eine einzige Voraussetzung gegeben war: LANGFRISTIGKEIT!

 

Kurzfristiges spekulieren ähnelt einem Glücksspiel. Langfristige Geldanlage setzt auf Fakten und Wahrscheinlichkeiten und hat nichts mit Roulette oder Sportwetten zu tun.

 

„Der Aktienmarkt ist – kurfristig betrachtet – faszinierend und irreführend. Auf lange Sicht ist dieser Markt nahezu langweilig zuverlässig und vorhersehbar.“ (Charles D. Ellis)

 

Auch wenn niemand die genauen Kursentwicklungen vorhersagen kann, gibt es trotzdem einige gute Argumente warum die Börse langfristig weiter steigen wird. Bemühen wir hierzu den Deutschen Aktienindex (DAX) als Beispiel. Dieser enthält die Auswahl der 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen. Das bedeutet auch, dass hier schon per se Qualität vorhanden ist. Und das in einem Land, welches weltweit für seine Wirtschaftskraft anerkannt ist. Jährlich werden die DAX-Unternehmen anhand bestimmter Kennzahlen gerankt. Das ist vergleichbar mit der jährlichen Abschlusstabelle der Fußball-Bundesliga. Einige Unternehmen steigen anschließend in den MDAX ab und werden durch aufstrebende Aufsteiger ersetzt. Durch diese Auslese ist immer ein gewisser Qualitätsstandard im DAX gewährleistet. Die verbleibenden Unternehmen haben demnach langfristig gut gewirtschaftet. Dies führt wiederrum zu Rendite.

 

In allen Anlagezeiträumen zwischen 1963 und 2016 hat ein DAX-Anleger eine positive Rendite erwirtschaftet, wenn er länger als 14 Jahre investiert war. Das bedeutet, dass sogar die Betroffenen der Dotcomblase heute längst verlustfrei wären, wenn sie nicht aufgegeben hätten. Vielleicht kannst du dir ausmalen, was möglich ist, wenn du solche gravierenden Fehler vermeidest und bessere Ein- und Ausstiegszeitpunkte wählst, als die allerschlechtesten. Für junge Menschen besonders ideale Voraussetzungen. Die nachfolgende Grafik macht deutlich, dass selbst die heftigsten Kursverluste nach einigen Jahren ausgeglichen wurden. Die längste gemessene Erholungzeit benötigte die Dotcomblase mit 7,3 Jahren. Das gilt für den Falll, dass man den allerschlechtesten Zeitpunkt erwischt hat. Mit einer durchdachten Strategie wäre diese Zeitspanne deutlich verkürzt worden.

 

Daxerholungszeit

Quelle: Deutsches Aktieninstitut e.V.

 

 

 

Chancen statt Gebühren

 

Wer bereit ist, sich eine Strategie zu erarbeiten und dieser konsequent treu zu bleiben, kann langfristig eine überdurchschnittliche Rendite erwirtschaften. Weiterhin ist es erforderlich, seine Emotionen bei der Geldanlage zu kontrollieren und Schwankungen zu akzeptieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dafür muss man kein Profi sein.

 

Wer keine Lust oder kein Interesse daran hat, regelmäßig Kurse zu beobachten und sich mit fundamentalen Daten zu beschäftigen, kann trotzdem viele gebührenarme und erfolgreiche passive Investmentstrategien finden. Hier ist immernoch eine durchschnittliche Rendite möglich.

 

Schließe ich hingegen eine klassische Rentenversicherung ab, sind Abschlussgebühren von 1500 – 2000 Euro keine Seltenheit. Dazu kommen laufende Verwaltungskosten. Diese Gebühren sind sichere Verluste, sobald ich meine Unterschrift unter einen solchen Vertrag gesetzt habe. Die müsste ich erst wieder aufholen. Ich habe damals mit kleinen Beträgen an der Börse vorsichtig angefangen. Bis zu einem Verlust in vergleichbarer Höhe hätte ich also einige Fehler machen können. Nach 5 1/2 Jahren Aktienanlage haben meine gesamten realisierten Verluste diesen Betrag noch nicht erreicht. Das ist nicht das Ergebnis eines tollen Börsenpapstes sondern der Tatsache geschuldet, dass ich sichere Verluste in Form von Gebühren gegen Chancen eingetauscht habe. Meine Verluste habe ich als Lehrgeld verbucht und von den Erfahrungen profitiere ich heute.

 

 

Geld verdienen durch Beteiligung an einem Unternehmen

 

Einfach ausgedrückt, ist eine Aktie eine Unternehmensbeteiligung. Mit dem Kauf gehört mir ein kleiner Teil einer Firma. Ich partizipiere an Gewinn und Verlust. Wenn irgendwo auf der Welt ein Mensch in einem Supermarkt seinen Wocheneinkauf tätigt, an einer Tankstelle sein Auto tankt, bei Amazon einen Artikel mit seiner Kreditkarte bezahlt, bei Google auf eine Werbeanzeige klickt, oder sich ein neues Handy kauft, dann möchte ich daran mitverdienen. Auch dann, wenn ich selbst gerade meinem Beruf nachgehe, auf der Couch liege und fernsehe oder schlafe. In meinem Beruf tausche ich Lebenszeit gegen Geld. Um dem entgegen zu wirken, halte ich Aktien.

 

 

 

Es gibt nur wenige wichtige Regeln zu beachten, um erfolgreich zu sein

 

Als ich begonnen habe mich mit der Börse zu beschäftigen, wurde ich fast erschlagen, von der Angebotsmasse an Anlagemöglichkeiten, Produkten und Dingen, die man beachten soll. Mit der Zeit konnte ich einen Großteil davon für mich ausschließen und ignorieren. So habe ich mittlerweile einen ganz guten Überblick was für mich beachtenswert ist und was nicht.

 

Wenn man sich an einige einfache Börsengrundregeln hält, lässt sich das Risiko ganz erheblich absenken. Die meisten Regeln beinhalten Dinge, die man NICHT tun sollte. Das vereinfacht die Sache erheblich. Welche grundsätzlichen Börsenregeln ich mit der Zeit zu schätzen gelernt habe, wirst du in den nächsten Beiträgen erfahren.

 

 

 

Fazit:

 

Ich habe keine Rentenversicherung und kein Riester-Produkt und spare daher tausende Euro an Abschluss- und Verwaltungskosten. Ich schließe keine Bausparverträge mehr ab und bezahle daher keine 500 Euro Abschlussgebühr für eine Bausparsumme über 50000 Euro. Ich kaufe keine Provisionsprodukte von meinem Bankberater. Ich suche mir kostengünstige Konten und Broker und muss relativ niedrige Transaktionskosten für meine Wertpapiergeschäfte zahlen. Ich achte darauf, welche Steuerausgaben ich legal vermeiden kann. Ich investiere in keine undurchsichtigen Finanzprodukte, die ich nicht verstehe und verzichte auf kurzfristige Spekulationen, die das schnelle Geld versprechen. Meine Rendite resultiert also zu einem großen Teil aus Dingen, die ich nicht mache. Das eingesparte Geld kann vollumfänglich angelegt werden und unterliegt dem Zinseszinseffekt. Gleichzeitig ist es ein sinnvoller Puffer für Lehrgeld.

 

Auf Grund dieser inneren Haltung und der in diesem Beitrag aufgeführten Argumente, die aus meiner Sicht für ein Investment an der Börse sprechen, habe ich in 2011 die Entscheidung getroffen, den Sprung ans Börsenparkett zu wagen. Obwohl dies nicht für jeden Menschen die richtige Anlageart ist, bin ich auch nach 5 1/2 Jahren mit meiner Entscheidung sehr zufrieden.

 

Im nächsten Artikel geht es um die wichtigsten Börsengrundregeln, die du bei der Geldanlage an der Börse beachten solltest.

 

 

Bild: © panthermedia.net /Volker Rauch

Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

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