Fehler sind nicht immer vermeidbar. Am Ende eines jeden Jahres lasse ich mein Anlegerverhalten des vergangenen Jahres Revue passieren und trage die Dinge zusammen, die nicht so gut gelaufen sind. Ich analysiere meine Fehler und versuche Maßnahmen daraus abzuleiten, wie ich es im folgenden Jahr besser machen könnte. Mir ist es sehr wichtig, die Fehleranalyse auch in den Jahren durchzuführen, in denen ich gute oder sehr gute Ergebnisse erzielen konnte. Nur so kann ich mich immer weiter verbessern. Meine wichtigsten 4 Fehler, die mich beim Handel mit Aktien das meiste Lehrgeld gekostet haben, habe ich in einer Artikelserie für euch aufbereitet. Heute geht es darum, dass ich gerade zu Beginn keine sorgfältige Unternehmensanalyse durchgeführt habe.

 

 

 

1. Keine sorgfältige Unternehmensanalyse

 

Als ich gegen Ende des Jahres 2011 mit dem Handel an der Börse begonnen habe, hatte ich gerade eines der absoluten Standardwerke für Privatanleger gelesen. Hierbei handelte es sich um: „Die Kunst über Geld nachzudenken“ von André Kostolany. Die Finanzkrise war noch in aller Munde und die Griechenlandkrise hatte während des Sommers frische Spuren beim DAX hinterlassen. Die Kurse an den europäischen Märkten waren insgesamt günstig und ich wollte endlich beginnen, mein angelesenes Wissen in die Tat umzusetzen.

 

 

Anfängerglück

 

Bei der Suche nach meiner ersten Aktie stieß ich auf die Nestlé-Aktie. Ich wusste damals über das Unternehmen, dass es der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt war. Weil Nahrung ein Grundbedürfnis der Menschen ist und die Aktie in der Finanzkrise vergleichbar moderate Verluste hinnehmen musste, habe ich das für ein relativ sicheres Unterfangen gehalten und Ende 2011 meine erste Depotposition aufgebaut. Mehr wusste ich über das Unternehmen nicht.

 

In den kommenden Wochen und Monaten konnte ich sehen, wie mein erstes Investment kontinuierlich im Wert stieg. Für mich war in diesem Moment klar, dass ich in der Lage sein würde, mein Geld an der Börse spielend leicht zu vermehren. Wer war überhaupt André Kostolany? Auch die Lebensleistung von Warren Buffett erschien auf einmal gar nicht mehr so unerreichbar und beeindruckend.

 

Ich hatte meine erste Aktie gekauft und zuvor vielleicht einen oder zwei Berichte über Nestlé gelesen. Ich wusste nicht genau, ob und wie profitabel dort gewirtschaftet wurde.

 

Einen Geschäftsbericht hatte ich noch niemals gesehen und nahezu sämtliche Kennzahlen ignoriert. Und trotzdem war ich erfolgreich!

 

Doch ich war weder ein Jahrhunderttalent, noch war ich schlauer als alle anderen. Ich hatte einfach nur Anfängerglück. Denn schließlich stiegen ja auch die Märkte insgesamt. Der richtige Schluss daraus wäre gewesen, mich beim nächsten Mal viel intensiver zu informieren, bevor ich eine Aktie kaufe.

 

Diese Einsicht kam leider erst viel später. Denn dieser erste Fehler führte direkt zum zweiten. Beflügelt vom Lauf der Nestlé-Aktie habe ich mir einige Zeit später die Aktie der Commerzbank ins Depot gelegt.

 

Der Grund für den Aktienkauf war rückblickend einfach nur katastrophal: bei der Commerzbank handelt es sich um eine große teilverstaatlichte deutsche Bank, die vor kurzem erhebliche Kursverluste hat hinnehmen müssen. Daher musste es ja bald wieder bergauf gehen, denn der Staat wird es notfalls schon richten! Ich war also noch leichtsinniger als bei der ersten Aktie und erneut wurde von mir keine Unternehmensanalyse durchgeführt.

 

Dieses Mal bin ich dann allerdings endlich richtig auf die Nase gefallen. Schließlich habe ich nach einigen Monaten die Reißleine gezogen und die Commerzbank-Aktie mit fast 17 Prozent Verlust verkauft.

 

Chart-Commerzbank

Quelle: www.ariva.de

 

Damit endete vorerst diese Fehlerkette. Im Rahmen meiner Jahresanalyse stand ich vor der Entscheidung, mich von nun an intensiver mit den einzelnen Unternehmen auseinanderzusetzen oder auf eine passive Anlagestrategie umzusteigen. Bekanntlich habe ich mich für die erste Variante entschieden. Trotzdem hat es einige Jahre später noch zwei Rückfälle in alte Zeiten gegeben.

 

 

Erfolg macht leichtsinnig

 

In einem Fall habe ich die Mologen-Aktie auf Grund eines Artikels in „Der Aktionär“ im Jahr 2014 gekauft. Dem Biotech-Unternehmen wurde in diesem Artikel eine rosige Zukunft und ein dreistelliges Kurspotenzial prognostiziert. Wenn so ein renommiertes Anleger-Magazin eine solche Empfehlung ausspricht, muss da ja was dran sein. Zumindest war das meine Ansicht. Nach zwei Monaten habe ich mich von dem Unternehmen völlig entnervt wieder getrennt. Übrig blieb ein Verlust von fast 29 Prozent.

 

Chart-Mologen

Quelle: www.ariva.de

 

Beim zweiten Rückfall habe ich einen kleinen Betrag in Glencore investiert. Das Unternehmen ist im Rohstoffhandel beheimatet und hatte gerade im Zuge der Ölkrise erheblich an Wert verloren und wies damit eine hohe Dividendenrendite auf. Mit dieser Investition habe ich gelernt, dass eine hohe Dividendenrendite nicht immer ein Qualitätsmerkmal ist. Als bislang schlechtestes Investment mit – 37 Prozent hat sich Glencore in meiner persönlichen Bilanz verewigt. Gelernt habe ich daraus, dass man sich eine Aktie nicht nur anhand der hohen Dividendenrendite aussuchen sollte.

 

Chart-Glencore

Quelle: www.ariva.de

 

Diese Rückfälle resultierten auch aus einem gewissen Maß an Selbstüberschätzung. Das muss ich ehrlich eingestehen. Solche Fehler sind mir vornehmlich passiert, wenn mein Depot zuvor sehr gut gelaufen war. Für mich war klar, dass ich mir immer wieder vor Augen halten muss, dass ich mich vor dem Kauf gründlich vorbereiten muss. Mein Verhalten einmalig als Fehler zu erkennen und es bei einem guten Vorsatz zu belassen, reicht einfach nicht aus.

 

Im Endeffekt wurden alle drei Aktien viel zu überstürzt wieder verkauft. Aber wenn ich keine ausführliche Analyse gemacht habe, habe ich auch keine gefestigte Meinung und damit auch kein stabiles Nervenkostüm, um negative Nachrichten und sinkende Kurse aushalten zu können.

 

Beim Kauf eines Fernseher beschäftigen wir uns tagelang mit dem Angebot. Dann aber kaufen wir Aktien für ein Vielfaches des Fernsehpreises, ohne uns zuvor mindestens genauso intensiv mit dem Unternehmen beschäftigt zu haben, wie mit dem Fernseher. Manchmal kaufen wir unsere Wertpapiere blind auf Empfehlung von Freunden, Zeitschriften oder Analysten. Ich kann ich mich davon nicht freisprechen. Wenn man glaubt davon kuriert zu sein, läuft man Gefahr wieder in dieses Muster zu verfallen. Der Mensch ist bequem und eine Unternehmensanalyse aufwendig.

 

Mittlerweile habe ich einen Ablaufkalender für meinen Workflow bei der Aktienauswahl, der sich immer wieder wiederholt und der eine gründliche Vorbereitung vor einem Investment gewährleistet. Eine Checkliste wäre ebenfalls eine gute Möglichkeit, um uninformierte Fehlkäufe zu verhindern.

 

In diesem ausführlichen Youtube-Video könnt ihr euch wertvolle Tipps holen, wie ihr ein Unternehmen analysieren könnt:

 

Wem das aber zu aufwendig ist oder wer keine Lust hat, Unternehmen zu analysieren ist mit einer durchdachten ETF-Strategie besser beraten. Hier findet ihr einige hilfreiche Informationen zum passiven Investieren.

 

Der zweite Teil der Artikelserie erscheint übermorgen, am Montag, den 04.12.2017. Wenn euch der Auftakt gefallen hat und ihr die anderen Beiträge nicht verpassen möchtet, könnt ihr einfach meine Facebook-Fanpage abonnieren. Die Fortsetzungen der Serie werden euch dann automatisch im dortigen Newsfeed angezeigt.

 

Habt ihr auch schon mal die gründliche Vorabrecherche vernachlässigt? Wie ist die Sache ausgegangen? Was unternehmt ihr, um Fehler zu finden und zu vermeiden? Ich freue mich auf euren Kommentar!

 

Bild: © panthermedia.net /tashatuvango

Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

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