Eine Investition in einzelne Aktien wird vielerorts erst ab einem bestimmten Geldbetrag empfohlen. Eine sinnvolle Streuung kann mit kleineren Beträgen nicht so einfach erreicht werden, zumal ihr auch immer die Gebühren im Auge behalten solltet. Wer seine Geldanlage sinnvoll aufteilt, kann jedoch viele Risiken von vornherein minimieren.

 

Gerade unerfahreneren Anlegern oder Anlegern mit kleineren Sparbeträgen wird oft zu einer Investition in aktiv gemanagte oder passive Fonds geraten. Beide Anlageklassen haben ihre Vorteile und können je nach Lebenssituation sinnvolle Lösungen für euren Vermögensaufbau sein. So könnt ihr euer Kapital auch mit kleineren Sparraten sinnvoll streuen.

 

Ein aktiv gemanagter Fonds muss sich jedoch an die eigenen Fondsregeln halten. Nicht immer gerät man an einen wirklich guten Fondsmanager. Leider erhält man bei passiven Fonds auch Anteile von weniger werthaltigen Unternehmen und erzielt nur die Durchschnittsrendite. Bei beiden Varianten fallen zudem mehr oder weniger hohe laufende Kosten an.

 

Für diesen Beitrag habe ich mich daher gefragt, ob Konglomerate eine Alternative zu Fonds oder ETF sein können? Wenn euch das Thema darüber hinaus weiter interessiert, findet ihr am Ende des Beitrages tiefergehende Artikel zu konkreten Konglomeraten.

 

Diversifikation bedeutet soviel wie Streuung. Ihr setzt mit eurem Geld nicht nur auf einen, sondern auf viele Einzelwerte in eurem Depot. Ihr partizipiert also an der Entwicklung vieler Unternehmen: Fällt zum Beispiel der Kurs eines Titels, wird dieser Verlust durch den Kursanstieg anderer Titel im Depot ausgeglichen. Damit erhöhen sich die Gewinnchancen bei gleichzeitiger Reduzierung des Anlagerisikos.

 

 

Was sind Konglomerate?

 

Ein Konglomerat ist ein Mischkonzern. Bei dieser Unternehmensform verteilen sich mehrere Geschäftsbereiche auf unterschiedliche Branchen, die nicht im Wettbewerb zueinander stehen. Häufig ist eine Holding übergeordnet und darunter ordnen sich dann mehrere international tätige Tochtergesellschaften an. Konglomerate entstehen mit der Zeit üblicherweise aus Fusionen und Übernahmen.

 

Das bekannteste Konglomerat ist Berkshire Hathaway, das Unternehmen der Investorenlegende Warren Buffett. Berkshire Hathaway ist mit einem Börsenwert von über 400 Milliarden Dollar eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Neben vielen Aktienpaketen im Beteiligungsportfolio besitzt die Gesellschaft über 80 Firmen. Das kann man durchaus schon als Aktienfonds bezeichnen.

 

Aus der Zeit, als die Elektrizität erfunden wurde, sind General Electric oder Siemens weitere bekannte Beispiele, die bis heute noch erfolgreich bestehen.

 

Der Begriff Konglomerat wird in der Umgangssprache häufig auch für Beteiligungsgesellschaften verwendet. Diese kaufen Unternehmen auf, sanieren sie und verkaufen sie gewinnbringend weiter. Hier fällt euch als Beispiel sicherlich sofort Aurelius SE ein, die in den letzten Wochen und Monaten in den Medien sehr präsent waren.

 

Hierbei handelt es sich jedoch nicht um ein Konglomerat im eigentlichen Sinne. Ich hoffe, dass mir damit die Abgrenzung zwischen Mischkonzern und einem Finanzinvestor gelungen ist. Mein Artikel fokussiert sich ausschließlich auf die klassischen Konglomerate.

 

 

Entwicklung der Mischkonzerne

 

Nach den Boom-Jahren der Nachkriegszeit des zweiten Weltkriegs suchten viele Unternehmen nach neuen Möglichkeiten zu wachsen. In den 60er-, 70er- und 80er-Jahren des vergangenenen Jahrhunderts begann man sich breiter aufzustellen. Diversifikation versprach im Vergleich zur internationalen Expansion eine höhere Kapitalrendite bei gleichzeitig geringerem Risiko.

 

Zu diesem Zeitpunkt war von Globalisierung noch nicht so die Rede, wie heutzutage. Die entsprechenden Transport- und Kommunikationswege, die dafür sorgen sollten, dass die Welt enger zusammenrücken würde, entstanden erst später.

 

In den 1990er Jahren kehrte sich diese Entwicklung in den USA und Europa wieder um. Die verbliebenen Konglomerate konzentrierten sich wieder auf die Kernkompetenzen und fingen an, die komplexeren Konstrukte wieder zu entflechten.

 

Man ging davon aus, dass die Summe der Einzelteile eines Unternehmens mehr wert sein würde, als der Konzern als Ganzes. Es wurden nur noch die Unternehmensteile bewahrt, die einem festgelegten Unternehmenszweck dienten.

 

Vor allem im asiatischen Wirtschaftsraum bzw. in den Schwellenländern haben Mischkonzerne auch heute noch eine große Bedeutung. Dort sind sogar besonders „krass“ diversifizierte Geschäftsfelder zu beobachten. Die indische Tata-Gruppe verkauft zum Beispiel sowohl Lkw, als auch Mineralwasser und Tee.

 

 

Vor- und Nachteile

 

Über den Nutzen der Unternehmensform eines Mischkonzernes gibt es durchaus zweigeteilte Meinungen.

 

Viele Analysten stehen Konglomeraten eher skeptisch gegenüber. Durch die Betätigung in vielen Geschäftsbereichen bestehe die Gefahr von unnötigen Reibungsverlusten zwischen einzelnen Geschäftsbereichen. Die beabsichtigten Synergieeffekte würden oftmals ausbleiben.

 

Ein Unternehmen hingegen, welches nur in einem Geschäftsbereich tätig sei, könne größere Mengen einkaufen und damit günstigere Preise erzielen. Bei einer übergeordneten Holding sei zudem fraglich, ob die jeweiligen Entscheidungsträger für jeden einzelnen Geschäftsbereich über ausreichendes Fachwissen verfügen, um profitable Entscheidungen treffen zu können.

 

Je mehr verschiedene Geschäftsbereiche, umso komplexer ist ein Konzern. Dies erschwere Transparenz, Profitabiliät und sinnvolle Entscheidungen.

 

Seit den 1990er-Jahren ist daher ein pauschaler Bewertungsabschlag von 10 – 20 % auf den „inneren Wert“ eines Konglomerats in Europa gängige Praxis.

 

Das Lager der Befürworter bilden hingegen die Unternehmensberater. Sie vertreten die Ansicht, dass durch eine Streuung auf verschiedene Bereiche, Klumpenrisiken vermieden werden können. Gebe es in einem Geschäftsbereich Probleme, könnten die Verluste durch andere Geschäftsfelder aufgefangen werden.

 

Der Konglomeratsabschlag wird mittlerweile auch von emipirischen Untersuchungen in Europa stark angezweifelt. Demnach gebe es keinen konkreten Zusammenhang zwischen Geschäftsvielfalt und -erfolg und damit auch keine Rechtfertigung für pauschale Abschläge. Die Höhe der Abschläge sei ebenfalls ohne berechtigte Grundlage gewählt.

 

Ein Analyst sei meist auf bestimmte Branchen spezialisiert und habe daher naturgemäß Schwierigkeiten ein gesamtes Konglomerat mit seinen unterschiedlichen Geschäftsfeldern zu beurteilen.

 

Die Machtkonzentration in einer Holding versetze einen Mischkonzern vielmehr in die Lage, sein Eigenkapital schneller zu investieren. Verkauf und Sanierung von unrentablen Unternehmensteilen, sowie die Erschließung neuer Geschäftsfelder seien in diesem Konstrukt wesentlich schneller und unkomplizierter möglich.

 

1987 entwickelte Motorola mit der Six-Sigma-Methode ein wirksames Mittel, um Geschäftsabläufe mit statistischen Mitteln zu überprüfen und daraufhin optimieren zu können. Nicht nur für einen weit verzweigten Konzern eine große Hilfe.

 

Weiterhin kommen die oben angesprochenen Studien zu dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der untersuchten Konglomerate aus Europa, Asien und den USA in der Zeit zwischen 1995 und 2005 sogar den Marktdurchschnitt übertroffen haben.

 

Berkshire Hathaway vs. S&P 500

Quelle: www.businessinsider.de

 

Seit Warren Buffett in den 60ern eingestiegen ist, wuchsen Gewinn und Aktienkurs bei Berkshire Hathaway im Durchschnitt sogar um ca. 20 % pro Jahr. Da konnte selbst der Leitindex S&P 500 nicht mithalten. Auch als Mischkonzern war und ist es also möglich, erfolgreich zu wirtschaften.

 

Im Gegensatz zum Investmentfonds muss sich das Konzernmanagement nicht an Fondsregeln halten und muss auch keine Verwaltungsgebühren aufholen. Letzteres gilt in geringerem Maße auch für den Vergleich mit ETF-Produkten.

 

 

Das Konglomerat ist tot – es lebe das Konglomerat!

 

Die Idee hingegen, die hinter dem Aufbau klassischer Unternehmenskonglomerate steckt, ist in den USA und Europa weitesgehend tot. Dass sich die Entwicklung in den letzten Jahren in abgewandelter Art und Weise fortsetzt, lässt sich sehr gut an den Top-Unternehmen aus der Internet- und Technologiebranche ablesen.

 

Diese Unternehmen wuchsen auch irgendwann nicht mehr nur im angestammten Geschäftsbereich, sondern haben ebenfalls angefangen, sich in benachbarten Sparten zu bereichern.

 

Wenn Apple und Google sich nun mit der Entwicklung von Technologien für autonomes Autofahren befassen und nicht mehr nur Computerhersteller und Suchmaschine sind und wenn der Buchhändler Amazon jetzt im Lebensmittelgeschäft mitmischt und Milliarden investiert, um zukünftig Touristenausflüge zum Mond auf die Beine zu stellen, dann hat das mit benachbarten Geschäftsfeldern nicht mehr viel zu tun. Das geht doch wieder sehr in Richtung Konglomerat.

 

Das halte ich für die Zukunft der KonglomerateGoogle, AppleAmazon und einige andere könnten für eine Rückkehr des aus der Mode gekommenen Modells sorgen und die Konglomerate des 21. Jahrhunderts werden.

 

Wir sollten uns nicht wundern, wenn künftig noch mehrere völlig neue Produkte und Märkte angegangen werden, mit denen wir derzeit noch überhaupt nicht rechnen.

 

 

Was bedeutet das für uns Kleinanleger in der Praxis?  

 

Damit ihr auch mit kleineren Sparraten eine gezielte Diversifikation erreichen könnt, sind Investmentfonds oder ETF-Produkte nicht die einzigen gangbaren Wege. Gerade für aktive Anleger kann eine Investition in einen Mischkonzern eine ebenso effiziente Alternative sein.

 

Die Investition in Aktien eines Mischkonzernes führt zu einer breiteren Streuung, als bei einem fokussierten Unternehmen. Es ist wissenschaftlich widerlegt, dass allein die Struktur eines Konglomerats zu Nachteilen führt. Vielmehr ist erwiesen, dass kein negativer Zusammenhang zwischen dem Grad der Fokussierung eines Unternehmens und seiner Aktienrendite besteht.

 

Die Aktie eines einzelnen Unternehmens verursacht keine laufenden Kosten. Stattdessen haltet ihr die Fäden selbst in der Hand und müsst euer Kapital niemand anderem anvertrauen.

 

Zusätzlich entwickelt sich durch aufstrebende Tech-Giganten eine völlig neuartige und interessante Struktur an Konglomeraten.

 

Die Aktie von Berkshire Hathaway hätte es in den vergangenen 30 Jahren geschafft, euer Investment von 1.000 Euro in 140.000 Euro zu verwandeln. Der Erfolg der Gesellschaft ist extrem stark mit Warren Buffett verwurzelt. Nun ist der Mann mittlerweile auch schon 86 Jahre alt.

 

Ehrlich gesagt, bin ich sehr unsicher, wie das Unternehmen sich entwickeln wird, wenn er einmal nicht mehr leben sollte. Werden seine Nachfolger es in seinem Sinne weiter führen oder die grundsätzliche Ausrichtung verändern? Glauben die Aktionäre wirklich an das Unternehmen oder an Warren Buffett als Person und ziehen sich ggfs. zurück, wenn er nicht mehr da ist? Leider zahlt die Gesellschaft bislang auch keine Dividende.

 

Hochwertige Konglomerate haben ein diszipliniertes und fachkundiges Management, welches sich auf alle Geschäftsbereiche verteilt. Durch Steuerung der Intensität bei der Kapitalumschichtung werden sehr wohl wirkungsvolle Synergieeffekte auf dieser Ebene erzielt, die der Markt ohne den „Faktor Mensch“ gar nicht ausschöpfen könnte.

 

Seid ihr in Mischkonzerne investiert? Könnt ihr euch vorstellen euren Aktienfonds durch ein oder mehrere solcher Unternehmen zu ersetzen? Findet ihr weitere Argumente für einen Investmentfonds? Ich freue mich natürlich wieder über Kommentare!

 

Wenn ihr euch für Konglomerate als alternative Möglichkeit der Diversifizierung interessiert, lohnt es sich, euch auch andere Unternehmen genauer anzusehen. Gibt es neben Berkshire Hathaway vielleicht noch mehrere hochwertige Konglomerate, die zwar weniger bekannt sind, aber seit vielen Jahren erfolgreich wirtschaften? Vielleicht sind auch Dividendenzahler darunter?

 

Vier Bloggerkollegen haben sich hierzu intensiv mit verschiedenen Konglomeraten beschäftigt und in interessanten Beiträgen für euch aufbereitet. Alle Beiträge zusammen geben ein umfassendes Rundumpaket!

 

Bild: www.pixabay.de

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In seinem Beitrag vergleicht Alex die Danaher-Aktie mit Berkshire Hathaway. Er liefert euch interessante Fakten und Kennzahlen, die ihr bei einer Entscheidung für oder gegen eine Investition extrem gut gebrauchen könnt. Ob Danaher dem Vergleich mit Warren Buffett standhalten kann und die Aktie im Sinne der Dividenden-Alarm-Strategie lohnenswert ist, erfahrt ihr in diesem Beitrag!

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Electra Private Equity

Zur britischen Investmentgesellschaft Electra Private Equity hat Christian eine ausführliche Analyse erstellt. Lückenlos und nachvollziehbar erläutert er Stärken und Schwächen der Aktie um euch schließlich die Potenziale und Risiken vorzustellen. Wer sich auch für Beteiligungsgesellschaften interessiert, sollte sich diesen umfassenden Beitrag nicht entgehen lassen.

Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

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