Um die solide Basis deines Finanzsetups weiter zu festigen, solltest du sie gegen drohende Risiken absichern. Hierzu gibt es zwei große und relevante Themenfelder. Das eine ist eine Modifizierung deiner Versicherungsstruktur. Wie du dich da sinnvoll und clever positionieren kannst, dazu habe ich in der letzten Artikelserie zum Thema Versicherungen einige Hinweise gegeben.

 

In den nächsten beiden Artikeln geht es nun um das zweite Themenfeld. In dieser kleinen Serie habe ich mich für dich mit Krediten auseinandergesetzt. Dich mit beiden Themenfeldern ausgiebig zu beschäftigen ist durchaus lohnenswert, da du in beiden ein enormes Einsparpotenzial vorfinden kannst.

 

In diesem Artikel sollen zunächst einmal einige grundlegende Dinge zur persönlichen Einstellung zu Krediten angesprochen werden.

 

 

Kritische und realistische Herangehensweise statt Schönrednerei

 

Eine Bank darf und muss Kredite vergeben um existieren zu können. Zu diesem Zweck wird von ihr viel Geld in Marktforschung und Werbung investiert. Mit diesen Mitteln versuchen die Banken den größtmöglichen Anteil unserer Einkommen abzugreifen. Ein Ausfluss dieser Bemühungen ist es, dass bei keinem Finanzierungsangebot das Wort „Schulden“ verwendet wird. Lieber spricht man von Finanzierungsmodellen, weil es sich schlicht vom Wortlaut her weniger bedrohlich anhört. Über Geld wird in Deutschland ungern gesprochen, aber wenn wir schon etwas dazu sagen wollen, haben wir eher ein „günstiges Finanzierungsmodell“ in Anspruch genommen.

 

Wir sollten uns schonungslos bewusst machen, dass wir uns Geld leihen, weil wir selber nicht genug davon haben und jemandem dadurch etwas schuldig sind. Die Ware die wir dafür bekommen haben, gehört bis zur vollständigen Kredittilgung dem Gläubiger und nicht uns.

 

 

Verkäufer statt Berater

 

Ein weiterer Aspekt einer gesunden Herangehensweise bezüglich der Kreditthematik ist, dass wir den Begriff „Bankkundenberater“ ab sofort aus unserem Gedächtnis streichen. Passender ist der Ausdruck „Bankverkäufer“. Der Verkäufer tut alles dafür, um uns zu einem Kreditabschluss zu bewegen und dabei der Bank einen möglichst hohen Verdienst, sowie sich eine stattliche Provision zu verschaffen. Das gesamte Auftreten, jegliche Höflichkeit und auch etwaig zurückhaltendes Verhalten sind darauf ausgelegt. Es besteht kein Interesse daran, dass du bestmöglich von diesem Kontakt profitierst. Vergiss bitte die romantische Vorstellung, dass dein Ansprechpartner eine Ausnahme darstellt. Selbst wenn es sich um einen alten Jugendfreund oder guten Bekannten handelt. Auch sie sind an die Vorgaben ihres Arbeitgebers gebunden. Ich hörte von Seminaren für Bankmitarbeiter, in denen vermittelt werden soll, wie man sich private Bekanntschaften im Sinne der Bank zu Nutze macht. Auch wenn ich dafür keinen Beleg habe, habe ich so etwas immer im Hinterkopf.

 

Gelingt es dir diese beiden Aspekte zu verinnerlichen, hast du schon einmal eine innerliche Distanz geschaffen, die dir niemals zum Nachteil werden kann.

 

 

Nicht blenden lassen

 

Trotz der niedrigen Kreditzinsen momentan, kann ein Konsumentenkredit den Preis deiner Anschaffung schnell um bis zu 25 Prozent verteuern. Auf der anderen Seite jagen wir den immer günstigsten Angeboten nach, durchforsten Werbeprospekte und freuen uns, wenn wir mal irgendwo 10 Prozent Rabatt bekommen. Würdest du einen Artikel auch kaufen, wenn der Preis mit Hinweis auf die 25 Prozent Aufschlag für Kreditkosten bereits so im Geschäft ausgezeichnet wäre?

 

Bei Autoherstellern, Möbelgeschäften oder Elektromärkten werden häufig Nullzinsfinanzierungen angeboten. Hierbei hat der Hersteller die Kreditkosten bereits an das Finanzierungsinstitut gezahlt und dann in den Kaufpreis eingearbeitet. Das ist oftmals der Grund, warum bei Barzahlung kaum Spielraum für Verhandlungen besteht.

 

Ich persönlich versuche Kredite fast vollständig zu vermeiden. Ohne kritische und wirklich ehrliche Auseinandersetzung damit, halte ich sie für riskant und gefährlich. Sie können negative Spiralen auslösen, die irgendwann nicht mehr zu kontrollieren sind. Seit einigen Jahren kümmere ich mich selbst um mein Geld und versuche weiter und weiter unabhängig von Mitarbeitern von Banken und Versicherungen zu werden. Unter Anlegung eines strengen Maßstabes gibt es allerdings auch bei mir Situationen, in denen ein Kredit Sinn ergeben kann. Diese Situationen sind aber die Ausnahme. Und diese Ausnahmen sind alles andere als großzügig definiert. Bei Kredit- und Finanzierungsgeschäften ist die Kreditsumme bei mir immer auf mein Vermögen abgestimmt. Die Belastung bleibt ausschließlich im vertretbaren Rahmen.

 

Auf Grund meiner finanziellen Struktur, die ich in der Artikelserie zum Finanzsetup ausführlich dargelegt habe, bin ich glücklicherweise nicht mehr auf Kredite angewiesen. Durch das konsequente Verfolgen meines Konzeptes entscheide ICH, wann ich einen Kredit aufnehmen möchte. Notsituationen in denen ich dazu gezwungen bin, sind immer undenkbarer, je länger ich mein Konzept einhalte. Mit einer distanzierten Einstellung können sich allerdings Situationen ergeben, in denen man dieses Mittel der Geldbeschaffung zu seinem Vorteil einsetzen kann. Der Zweck der Kreditinanspruchnahme ist bei mir jedoch immer die Vermögenserweiterung.

 

Bist du bereits Darlehensnehmer sollte deine oberste Priorität sein, deine Schulden abzubauen und Kredite konsequent zu tilgen. Mit jeder Tilgungszahlung wird dein Finanzsetup ein Stück mehr gefestigt. Es bringt nichts, sich über den Vermögensaufbau Gedanken zu machen und gleichzeitig hohe Kreditraten zurückzahlen zu müssen.

 

Im nächsten Artikel möchte ich dir die einzelnen Kreditarten detailliert vorstellen.

Bild: © panthermedia.net /prykhodov

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