Irgendwann Ende des Jahres 2010 habe ich festgestellt, dass es mit meinem Vermögensaufbau nicht mehr so weitergehen konnte wie bisher. Kaum einer der abgeschlossenen Verträge hatte mich finanziell wirklich nach vorne gebracht. Teilweise wurden meine eingezahlten Beträge sogar halbiert. Ich habe mich über die teuren Fehlentscheidungen und verlorenen Anlagejahre geärgert und schließlich beschlossen, mir das erforderliche Wissen selbst anzueignen. Schritt für Schritt habe ich mein Finanzsetup strukturiert, meine Versicherungen optimiert und mit dem Vermögensaufbau begonnen.

 

 

Der Start

 

Nachdem ich zunächst mit einem Musterdepot experimentiert und erste Erfahrungen gesammelt hatte, fühlte ich mich bereit, endlich mein erstes richtiges Wertpapierdepot zu eröffnen. Meine Wahl fiel damals auf die ING-DiBa, da alle für mich relevanten Leistungen kostenlos waren und die Gesamtbedingungen recht unkompliziert schienen. Auf Grund einer damaligen Free-Trade Aktion konnte ich sogar mit einigen Probetrades erste praktische Erfahrungen sammeln. Die Free-Trade Aktion gibt es heute nicht mehr. Im Moment läuft dort aber noch für kurze Zeit eine Aktion für Neukunden mit nur 4,50 Euro pro Order in den ersten sechs Monaten. Und obendrein sind noch 75 Euro Startgutschrift!* möglich.

 

Schließlich legte ich den Start für meinen Vermögensaufbau auf den 01.09.2011 fest. Nun musste ich nur noch meine erste Aktie für mein Debüt in der großen weiten Börsenwelt auswählen. Es sollte ein Basisinvestment mit möglichst geringer Volalität sein. Wenn schon Aktien, dann wenigstens möglichst sicher. Meine Wahl fiel recht schnell auf das Schweizer Unternehmen Nestlé.

 

 

Die Gedankengänge eines Anfängers

 

Nestlé war und ist der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt. Nahrungsmittel sind ein Grundbedürfnis aller Menschen. Gegessen wird also immer. Das Kurs-/Gewinnverhältnis (KGV) war günstig und die Aktie hatte eine ordentliche Dividendenrendite von über 3,5 %. Zudem hatte sie in der Finanzkrise in 2008, dem nach Ansicht der Medien offenbar schlimmsten denkbaren Ereignis lediglich 20 % ihres Wertes eingebüßt. Das wäre ein zwischenzeitlicher Verlust, den ich verkraften können würde.

 

Über das Geschäftsmodell wusste ich, dass Nestlé bei Zukäufen einen 5-Jahresplan hatte. Das bedeutet, alles was in seinem Segment nicht innerhalb von fünf Jahren Marktführer oder mindestens Zweiter wird, wird konsequent wieder abgestoßen. Das gefiel mir. Auch hatte ich gelesen, dass man die Aktie für immer in seinem Depot behalten könne, ohne sich großartige Sorgen machen zu müssen. Mehr wusste ich über das Unternehmen nicht. Aber das reichte mir in den Anfängen meiner Anlegerzeit schon aus. Die Berücksichtigung von Kennzahlen wie Cashflow, Gewinn pro Aktie, Verschuldung  oder Kurs-/Buchwert: Fehlanzeige!

 

An Ordergebühren wurden 9,90 Euro fällig. Demnach sollte mein Investment mindestens ca. 1000 Euro betragen. Ein Prozent Gebühr beim Kauf und ein weiteres Prozent beim Verkauf waren für mich eine akzeptable Größe. So lege ich übrigens noch heute die Mindestanzahl der Anteile, die ich kaufen möchte, fest.

 

Zum damaligen Kurs hätte ich also für meine 1000 Euro 23,26 Aktien erhalten. Ich erhöhte die Stücke also auf die nächste schöne Zahl auf und ließ mir wenige Tage vor Weihnachten 2011 für 1080,83 Euro inklusive Gebühren 25 Nestlé-Aktien zu je 43,23 Euro ins Depot buchen.

 

Ich hatte also das Börsenparkett betreten. Meine erste Aktienposition! Ich war stolz. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für mich. Oder so ähnlich.

 

Von Trinkwasserrechten oder anderen ethischen Fragen sowie Quellensteuer hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas gehört.

 

 

Die Entwicklung – Glück oder Können?

 

Fünfeinhalb Jahre später, befindet sich die Aktie immer noch in meinem Depot. Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht die Entwicklung meines allerersten Aktieninvestments:

 

 

Entwicklung Nestle

Entwicklung der Nestlé-Aktie

 

 

Die Dividendenangaben der Tabelle (Dividende je Aktie, Dividende Gesamt) enthalten die Werte nach Abzug der Quellensteuer und nach der Währungsumrechnung von Schweizer Franken in Euro. Die Nestlé-Dividende wurde bislang immer von meinem Freistellungsauftrag erfasst. Ein Abzug der Abgeltungssteuer wurde daher nicht vorgenommen. Angegeben ist also der jeweilige Betrag, der mir letztlich auf meinem Konto gut geschrieben wurde.

 

Von Einstandskurs und Investition wurde die Dividende jeweils abgezogen. Faktisch habe ich also anstatt 1080,83 Euro lediglich 871,45 Euro in die Aktie investiert, da ich die Differenz bereits in Form der Dividende zurückerhalten habe. In den kommenden Jahren wird sich dieser Wert auf Grund zukünftiger Dividendenzahlungen weiter absenken. Die Kurs-Spalte enthält den Aktienkurs am Tag der Hauptversammlung (Quelle: finanzen.net).

 

Meine Nestlé-Aktien haben also zum Hauptversammlungstag diesen Jahres einen Wert von 1787 Euro. Vor Gebühren und Steuern würde dies bei Verkauf einen Wertgewinn inlusive der Dividenden von 915,55 Euro in knapp 5 ½ Jahren einbringen. Dies bedeutet eine Wertsteigerung von 84,71 Prozent. Mit der Entwicklung bin ich natürlich sehr zufrieden. Die Aktie hat sich seit dem Kauf mit nur kleinen Schwankungen kontinuierlich positiv entwickelt. So ein Start motivierte mich natürlich, mich weiter mit der Geldanlage in Aktien zu beschäftigen. Mein zweites Aktieninvestment sollte dann allerdings ganz anders ausgehen.

 

Anhand der Tabelle siehst du auch, dass ich mittlerweile eine Rückzahlung der Quellensteuer in 2016 erhalten habe. Diese betrachte ich als Sonderdividende. Wenn dich die Quellensteuer abhält, in den schweizer Aktienmarkt zu investieren, kann ich dich beruhigen. Die Erstattung ist zumindest in der Schweiz halb so wild. Leider habe ich den Fehler gemacht und die Gebühren meiner Hausbank bei einer Auslandsgutschrift nicht bedacht. Von meiner Rückzahlung über 42,07 Euro wurden 13,01 Euro Gebühr fällig. Das sind mal eben knapp 30 %. Zukünftig werde ich mir die Quellensteuer zur ING-Diba* und nicht über die Hausbank erstatten lassen. Dort ist eine Auslandsgutschrift kostenlos. Man lernt nie aus. Wie du dir die Quellensteuer in der Schweiz zurückholst, werde ich bald in einem gesonderten Beitrag erklären.

 

 

Fazit:

 

Ich habe nicht vor, die Aktie zu verkaufen. Von mir aus, kann sie ewig in meinem Depot liegen. Und das unabhängig von irgendwelchen emotionalen Gefühlen, weil es die erste Aktie war. Einige meiner Positionen zähle ich zu den Basisinvestments, die ich bei Gelegenheit immer wieder aufstocken möchte. Der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt gehört für mich dazu.

 

Du siehst, dass man auch mit vermeintlich langweiligen Unternehmen ordentliche Renditen erzielen kann. Vielmehr aber möchte ich mit diesem Beitrag zeigen, wie ich damals mit der Geldanlage in Aktien angefangen habe. Mit dem Wissen von heute, würde ich mich vor einem Investment viel umfangreicher über das jeweilige Unternehmen informieren, als ich es damals getan habe. Trotzdem haben sich meine Gedanken von damals als richtig erwiesen und haben auch heute noch Bestand.

 

Je qualitativ hochwertiger ein Unternehmen ist, umso weniger Gedanken mache ich mir um die Aktie nach dem Kauf. Die regelmäßige Beobachtung des Kurses, der Unternehmensentwicklung und der Kennzahlen ist bei guten Unternehmen weniger intensiv. In meinem Depot befinden sich Aktien, deren Betreuung weitaus mehr Zeit erfordern.

 

Natürlich war der Einstiegszeitpunkt meines ersten Aktieninvestments glücklich. Trotzdem hoffe ich, dass ich mit diesem Beispiel zeigen konnte, dass sich die Erhöhung des Risikos im Vergleich zu Tages- oder Festgeld bei langfristigen Buy-and-Hold-Investments lohnen kann. Um anständige Renditen zu erzielen, ist es nicht erforderlich unverantwortlich hohe Risiken einzugehen. Auch als Einsteiger kann man mit Aktien erfolgreich sein, wenn man mit etwas gesundem Menschenverstand an die Sache herangeht. Heute würde ich mir allerdings zusätzlich die wichtigsten Kennzahlen anschauen, bevor ich eine Aktie kaufe.

 

Nestlé ist kein Paradebeispiel für ein Unternehmen mit kontinuierlichen Dividendenerhöhungen. Quellensteuer und Währungsumrechnungen haben dafür zuviel Einfluss. Du kannst dir jedoch vorstellen was möglich ist, wenn du solche Unternehmen in deinem Depot hast. Vielleicht kannst du auch erahnen, wie es laufen könnte, wenn du nicht eine Dividendenposition, sondern 15 – 20 davon besitzt. Oder wenn eine solche Entwicklung nicht fünfeinhalb, sondern 20 Jahre läuft.

 

Bild: © panthermedia.net /matehavitaliy

Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

Blogverzeichnis