Mit dem heutigen Beitrag nehme ich zum ersten Mal an einem Blog-Kompendium teil. In diesem Zusammenhang ein herzliches Dankeschön an Alex Fischer von reich-mit-plan.de, der diese tolle Aktion ins Leben gerufen hat!

 

Im Rahmen des Blog-Kompendiums hatte er den Mineralöl- und Erdgasgiganten Royal Dutch Shell als Thema vorgegeben.

 

Wenn du den Beitrag zu meiner persönlichen Rubrikaufteilung im Rahmen der Artikelserie zum Aufbau einer Vermögensstruktur gelesen hast, weißt du, dass ich ca. 15 % meines Vermögens in die Rubrik Rohstoffe investiere. Neben Edelmetallen spielen dort Aktien von Unternehmen, die ihr Geld mit der Förderung, Verarbeitung und dem Vertrieb von Öl und Gas verdienen, eine große Rolle. Da sich die Aktien von Royal Dutch Shell auch in meinem privaten Depot befinden, habe ich meine Teilnahme an der Aktion gerne zugesagt.

 

Für eine Investition in Öl und Gas ist für mich grundsätzlich die strategische Perspektive relevant. Es gilt also, die Entwicklung der Weltbevölkerung, den weltweiten Energiebedarf und alternative Rohstoffquellen zu beobachten. Aus diesem Grund möchte ich diese Rohstoffe einmal aus etwas übergeordneter Perspektive betrachten.

 

 

Investieren in eine angestaubte Branche?

 

In Zeiten der Energiewende und damit der Erschließung von immer mehr neuartigen Energiequellen, sowie der Verbreitung von Elektromobilität, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Investition in eine, vielleicht in vieler Augen, leicht angestaubte Branche. Auf der einen Seite werden in vielen Finanzblogs langfristige Investments oder Buy & Hold-Strategien empfohlen. Andererseits liest man immer wieder davon, dass speziell die weltweiten Ölvorkommen begrenzt sind und die Welt recht bald auf Alternativen angewiesen sein wird. Wie passt das zusammen?

 

 

Ölpreisverfall und Erholung

 

Zwischen 2011 und 2014 bewegte sich der Ölpreis zumeist in einem Korridor um die 100 US-Dollar. Die Erhöhung der Förderungsmenge durch das Fracking, insbesondere durch die USA und die Tatsache, dass der weltweite Ölbedarf diesen Anstieg nicht mitgehen konnte, führte zu einem Überangebot und zu einem heftigen Verfall des Ölpreises bis auf 25 US-Dollar. Angebot und Nachfrage eben.

 

Seit dem vergangenen Sommer blieb dann die Produktionsmenge konstant, wobei parallel die Nachfrage kontinuierlich angestiegen ist. Dies führte zu einer Erholung des Ölpreises bis auf 50 US-Dollar in den vergangenen Monaten.

 

 

oelpreisentwicklung 2012-2017

Ölpreisentwicklung der letzten 5 Jahre (Quelle: finanzen.net)

 

 

Auch wenn die USA ihr Fracking wieder hochgefahren haben, dürfte die Nachfrage irgendwann wieder das Angebot übersteigen, denn im November 2016 haben 22 Förderländer angekündigt, ihre Fördermengen reduzieren zu wollen. Voraussetzung ist natürlich, dass sie ihre Beschlüsse auch umsetzen. Vor wenigen Tagen erst wurden diese Beschlüsse bis März 2018 verlängert. Die Maßnahmen haben den Ölpreis allerdings nicht wie von vielen erwartet nach oben getrieben. Stattdessen verpuffte der Effekt an den Märkten relativ schnell. Vermutlich bedeutet das, dass wir kurz- und mittelfristig keine deutlich höheren Ölpreise sehen werden.

 

Als langfristig orientierter Anleger interessiert mich aber natürlich viel mehr, wie sich der Ölpreis voraussichtlich in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird.

 

 

 

Was spricht gegen eine Investition in Rohstoffe wie Öl und Gas?

 

Unter Großinvestoren hat sich der Begriff „stranded assets“ eingebürgert. Hierunter fallen mittlerweile auch Öl und Gas. Diese Investoren vertreten die Ansicht, dass fossile Brennstoffe nur noch einen sehr geringen Wert haben, da sie sich nicht mehr zu Geld machen lassen. Klimawandel und Treibhauseffekt machen es unmöglich wirklich alle Rohstoffe zu fördern, die unser Planet lagert. Ansonsten würde das Weltklima daran zu Grunde gehen.

 

Kostengünstiges und einfach zu förderndes Rohöl ist an vielen Orten bereits ausgeschöpft. Öl an Lagerstätten, die sich an Land, nahe an der Oberfläche befinden und wo der Druck hoch genug ist, dass es anfangs von alleine aus dem Bohrloch sprudelt, gibt es kaum noch.

 

Das Rohöl muss mittlerweile verstärkt in großer Tiefe, sprich unter dem Meeresboden gefördert werden. Gas wird von entlegenen Orten per Pipeline oder verflüssigt und dann mit LNG-Tankern (Liquiefied Natural Gas) transportiert. Dies ist eine deutlich schwierigere Aufgabe für Produktionsingenieure, denn das hält die Förderkosten nicht gerade günstig.

 

Alternativen zu Öl und Gas verbreiten sich in den entwickelten Ländern mehr und mehr. Windkraft und andere erneuerbare Energien werden immer wirtschaftlicher und können fossile Energieträger teilweise verdrängen. Elektrische Fahrzeuge sind auf dem Vormarsch und werden vermutlich die Zukunft sein.

 

Im Dezember 2016 veröffentlichte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) eine Studie, wonach die weltweiten Ölreserven bei rund 216 Milliarden Tonnen liegen. Nimmt man den jährlichen weltweiten Ölverbrauch von 4,35 Milliarden Tonnen als Grundlage, reichen die Ölreserven, die mit der heutigen Technologie und wirtschaftlich gewinnbringend gefördert werden können, lediglich noch ca. 50 Jahre.

 

 

 

Welche Argumente gibt es für Öl und Gas als interessante Geldanlage?

 

Bei dieser prognostizierten Verfügbarkeit von Rohöl, darf man nicht vergessen, dass laut der Studie noch rund 456 Milliarden Tonnen an Ressourcen dazu gerechnet werden sollten. Hierbei handelt es sich um nachgewiesene bzw. geologisch mögliche Ölvorkommen, die zwar bekannt sind, aber mit der heutigen Technik noch nicht gewinnbringend gefördert werden können. Erdöl kann uns also noch sehr viel länger zur Verfügung stehen. Für mein Anlegerleben dürfte es jedenfalls locker ausreichen.

 

Niemand weiß, wie sich die Preise für Öl und Gas zukünftig entwickeln werden. Doch im Gegensatz zum volatilen Preis, wächst der weltweite Ölverbrauch kontinuierlich um ca. 2 Prozent pro Jahr.

 

Zwar entwickeln die Industriestaaten zunehmend alternative Energieformen, doch haben die Schwellenländer noch enormen Nachholbedarf und sind weiterhin nahezu vollständig auf Öl und Gas angewiesen. Nach Angaben von BP sind 4/5 des derzeitigen Anstiegs beim weltweiten Energiebedarf auf Schwellen- und Entwicklungsländer zurückzuführen. Auch dieser Energiehunger wird irgendwann rückläufig sein, trotzdem glaube ich, dass sich allein der gewaltige Bedarf von China und Indien nicht so schnell durch alternative Energien abdecken lässt.

 

Auch wenn Öl- und Gasförderung insgesamt schwieriger werden, schreiten technische Innovationen und effizientere Prozesse weiter voran. Ölfelder werden mit Hilfe von verbesserten Methoden länger, umweltschonender sowie energieeffizienter produzieren können.

 

Oel und Gas - technischer Fortschritt bei Rohstoffen

 

Eines Tages wird es zwar wirtschaftlicher sein, das verbliebene Öl in der Erdkruste zu belassen, statt es zu fördern. Automatisierung und Digitalisierung werden bis dahin aber dazu beitragen, dass Öl und Gas auch in den nächsten Jahrzehnten als Rohstoff gefragt bleiben. Wenn auch der Anteil von Öl und Gas am Gesamtenergieverbrauch zurückgehen wird, wird die Menschheit in absoluten Zahlen wahrscheinlich jedes Jahr ein wenig mehr an Öl und Gas verbrauchen, als im Jahr zuvor. Heute benötigen wir noch alles was wir haben – einschließlich Öl und Gas.

 

Siemens bietet zum Beispiel Softwarelösungen an, womit sich durch Teams von Ölverarbeitungsanlagen schon heute virtuelle Einsätze trainieren lassen, obwohl ihr zukünftiger Arbeitsplatz – die Bohrinsel – noch nicht einmal gebaut wurde. Solche Maßnahmen führen zu steigenden Erfahrungswerten und zur Fehlervermeidung. All das spart bares Geld und sorgt für mehr Effizienz.

 

Ventile, die durch Maschinen statt Menschen autonom geöffnet oder geschlossen werden, halte ich nicht mehr für unrealistisch. In Zukunft wird es die Ausnahme sein, dass Menschen zu Bohrinseln reisen. Vollautomatische Ölfelder, die mehrere tausend Meter unter der Wasseroberfläche völlig wartungsfrei über Jahrzehnte zuverlässig arbeiten, sind in Anbetracht des rasanten technischen Fortschritts nicht mehr nur eine Vision.

 

Eine Automatisierung der Produktion produziert Unmengen an Daten und Messwerte, die man in Zeiten der Digitalisierung sammeln, auswerten und optimieren kann.

 

Der weltweite Markt für Flüssiggas (LNG) wird vermutlich weiter wachsen. Dies hat zur Folge, dass Gas, welches heutzutage abgefackelt und damit vergeudet wird, weiter verwertet und vermarktet werden kann.

 

 

Rohöl im Alltag

 

Hauptsächlich wird Öl als Kraftstoff und zum Heizen verwendet. Selbst wenn sich Alternativen wie zum Beispiel Elektroautos, Wärmepumpen oder Holzpelletheizungen weiter verbreiten, steckt Öl in mehreren Alltagsprodukten, als man glaubt. Viele chemische Stoffe werden aus Rohöl gewonnen. Sie verbergen sich in Fensterrahmen, in Schläuchen vieler medizinischer Geräte, Verpackungen aus Styropor, Gießkannen, Fernsehgehäusen, Eimern, Tupperdosen, Staubsaugern, Polstermöbeln, Matratzen und vielem mehr. Ist es für dich vorstellbar, dass angesichts dieser Produktvielfalt in naher Zukunft auf Öl verzichtet werden kann?

 

 

 

Fazit:

 

Der Finanzkoch, Christoph Geiler, äußert in seinem Podcast beim Finanzrocker sinngemäß:

 

„Rohstoffe war tatsächlich ein Thema womit ich mich lange beschäftigt habe und überlegt habe, ob das in ein gutes Portfolio gehört oder ob man darauf verzichten kann. Ich habe für mich entschieden, dass ich ganz gut darauf verzichten kann. Das Problem bei Rohstoffen ist, dass sie langfristig keine Wertsteigerung haben, die höher ist als die Inflation, da es eine Regression zum Mittelwert gibt. Eine Anlage kommt also immer zu ihrem fairen Wert zurück. Und wenn ein Rohstoff unter sein natürliches Niveau fällt, steigt er irgendwann auch wieder.“

 

Ich schätze sein Fachwissen und seine Einstellung sehr und stimme Christoph auch hier zu. Diese Argumentation ist einer der Gründe, warum ich nicht direkt in Rohstoffe investiere. Zudem ist es schwierig, sich ein Ölfass ins Depot zu legen. Ich investiere lieber in Aktien von Unternehmen, die mit Rohstoffen, wie Öl und Gas, ihr Geld verdienen.

 

Ein Rohstoffunternehmen ist zwar zu großen Teilen, aber nicht allein vom Rohstoffpreis abhängig. Es kann durch eigene strategische Maßnahmen wie zum Beispiel Senkung der Kosten oder Diversifikation der Einnahmen, Einfluss nehmen und eine höhere Rendite als den Inflationsausgleich erzielen. Hinzu kommt, dass in dieser Branche oftmals eine ansehnliche Dividende gezahlt wird

 

Der niedrige Ölpreis ist zugleich Herausforderung und Chance für die Ölindustrie. Strukturell gut aufgestellte Unternehmen werden ihre Marktposition weiter stärken können, sobald sich die Preise wieder erholen. Solange gilt es, sich auf die Kostensenkung zu konzentrieren. Dies ist der große Knackpunkt.

 

In Anbetracht der Aussicht, dass das Ölzeitalter nicht endlos laufen wird, stellt sich also die Frage, welches Unternehmen unter diesen Bedingungen noch gute Ergebnisse erzielen wird. Die nötigen Anpassungen auf dem langen Weg dahin, bedeuten jedenfalls vielversprechende Geschäftsmöglichkeiten für alle, die den Mut zur Innovation aufbringen und es wagen, neue Methoden zur Gewinnung und Nutzung von Öl und Gas zu entwickeln.

 

Ich möchte mich daher auf die Unternehmen konzentrieren, die den Niedergang der Branche, meiner Einschätzung nach, am besten managen können.

 

Royal Dutch Shell ist ein solches Unternehmen, weil sie finanztechnisch betrachtet in einem guten Zustand sind. Sie mussten zuletzt zwar Abschreibungen vornehmen, haben aber kaum Schulden und sind trotz des schwierigen Umfeldes immer noch in der Lage, ihre Dividende annähernd aus dem laufenden Geschäftserlös zu finanzieren. Zusätzlich erkenne ich dort ernsthafte und nachvollziehbare Bemühungen die Kosten nachhaltig zu senken. Welches Chancen entwickeln sich dann erst bei steigendem Ölpreis? Als größter Waldbesitzer der Welt zeigt Shell auch, dass sie sich auch außerhalb von Öl und Gas positionieren möchten.

 

Daher habe ich zwischen September und Dezember 2015 zu einem mittleren Preis von 21,50 Euro eine Position aufgebaut. Insgesamt beträgt meine Investition in dieses Unternehmen aktuell knapp 4,5 % meines Depotwertes. Die Papiere liegen in meinem ING-Diba-Depot, da dort ausländische Dividenden gebührenfrei sind. Aktuell gibt es dort eine Sonderaktion, wo du als Depotneukunde sechs Monate lang für 4,50 Euro pro Order handeln kannst. Der eigentliche Orderpreis wäre 9,90 Euro. Und als Zugabe gibt es noch 75 Euro Startgutschrift. Die Einsparung von Gebühren kann oftmals einen nicht unerheblichen Teil deiner Rendite ausmachen. Diesen Renditevorsprung musst du auf anderem Weg erstmal erreichen.

 

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Wie ist deine Einschätzung zur langfristigen Entwicklung von Öl und Gas? Investierst du dein Geld bereits in Rohstoffe? Welchen Unternehmen traust du in Zukunft gute Geschäfte zu? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

Bild: © panthermedia.net /witoon muenhong

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Dividenden

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Alex Fischer

Mit seinem Beitrag zur Royal Dutch Shell-Aktie legt Alex den Fokus auf die Dividenden. Er liefert dir interessante Fakten, Kennzahlen und erläutert die Dividendenhistorie des Unternehmens Dazu erklärt und begründet er seine Vorgehensweise, spielt verschiedene Szenarien durch und beschäftigt sich mit den Aussichten für die Zukunft. Seine praxisnahe Auswertung aus dem Dividenden-Alarm ist eine tolle Hilfestellung, wenn du dich für eine Investition interessierst oder bereits investiert bist.

Unternehmensanalyse

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Florian Günther

Neben jeder Menge geschichtlichem Background findest du hier eine umfangreiche qualitative und quantitative Unternehmensanalyse zu Royal Dutch Shell. Dazu gibt es natürlich die persönliche Bewertung von Florian.  Wenn du also wissen möchtest, wie die Muschel ins Unternehmenslogo geraten ist oder bei welchem Preis die Aktie fair bewertet wäre, bist du hier genau richtig!

Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

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