Die schweizer Unternehmenslandschaft hält mit Nestlé, Roche, Novartis oder auch Swiss Re so einige Hochkaräter bereit. Sie werden besonders von deutschen Anlegern als Investment mit zuverlässiger Dividendenausschüttung geschätzt. Allerdings werden bei der jährlichen Ausschüttung ganze 35 % von der Bruttodividende direkt von der Schweiz als Quellensteuer einbehalten. Das trübt die Freude mehr als nur ein bisschen und würde für mich unter diesen Bedingungen schweizer Dividendenunternehmen für eine Investition unattraktiv machen.

 

Beispiel: Du hast als deutscher Staatsbürger Aktien von Nestlé in deinem deutschen Depot und erhältst eine Dividende über 100 Euro. Dir werden nun automatisch 35 % (35 Euro) abgezogen und der schweizerischen Steuerverwaltung zugeführt.

 

Um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, gibt es ein Abkommen zwischen Deutschland und der Schweiz. So ist es möglich, die Quellensteuer zumindest teilweise zurückzufordern. In unserem Beispiel würdest du dir 20 Euro von den Schweizern zurückholen können. Die übrigen 15 Euro kannst du später auf die deutsche Einkommenssteuer anrechnen lassen.

 

Wie das funktioniert, möchte ich dir in diesem Artikel am Beispiel der Schweiz einmal detailliert zeigen. Ich bin kein Fachmann in steuerlichen Angelegenheiten und schildere hier meine persönlichen Erfahrungen. Eine professionelle Beratung kann ich jedoch nicht ersetzen.

 

 

Was wird dafür benötigt?

 

Wenn du drei Jahre lang fleißig die Dividenden gesammelt hast, kannst du die Auszahlungen in einem gemeinsamen Antrag zusammenfassen. Du musst die nachfolgende Verfahrensweise also nur alle drei Jahre durchführen. Auch kannst du die Dividenden mehrerer Unternehmen in einem Antrag erfassen. Die genaue Frist besagt, dass der Antrag innerhalb von drei Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Dividende ausgeschüttet wurde, eingereicht werden muss.

 

Damit du das erforderliche Formular am PC ausfüllen, speichern und ausdrucken kannst, musst du zunächst die Software Snapform-Viewer hier kostenlos herunterladen. Alternativ kannst du dir das Formular hier per Post zusenden lassen. In diesem Fall müsstest du den Erstattungsbetrag später jedoch selbst ausrechnen.

 

Wenn du dich für die Download-Variante entschieden hast, lädst du danach das Formular 85 – Deutschland von der offiziellen Homepage der eidgenössischen Steuerverwaltung (Art. 605.020.28) kostenlos herunter und öffnest es mit dem Snapform-Viewer.

 

 

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Formular 85

 

Bei dieser Anleitung gehe ich davon aus, dass du als Privatanleger in eigenem Auftrag handelst.

 

Seite 1: oben

Formular 85_seite_1_oben

 

1. Wenn du die Quellensteuer zum ersten Mal von der schweizer Steuerverwaltung zurückforderst, kannst du rechts oben bei „Erstmaliger Antrag“ einen Haken setzen. Wenn du in der Vergangenheit einmal eine Erstattung aus der Schweiz erhalten hast, kreuze einfach „Nein“ an und trage die Dossier-Nummer ein, die du bei deiner ersten Erstattung erhalten hast. Du findest die Dossier-Nummer auf dem Anschreiben der schweizer Finanzverwaltung.

 

2. Oben links, unter „Antrag auf Rückerstattung für die Fälligkeitsjahre“ kannst du eintragen, für welche Jahre du dir die Quellensteuer erstatten lassen möchtest.

 

3. Trage deine Telefonnummer und deine E-Mail-Adresse für Rückfragen ein.

 

4. Du bist der Ertragsgläubiger. Trage daher dort deinen Vor- und Zunamen sowie deine Adresse ein.

 

5. Vermerke deine Bankverbindung. Hier kannst du das Konto eintragen, wo der Erstattungsbetrag gutgeschrieben werden soll. Beachte bei der Wahl die Gebühren deiner Bank.

 

 

Seite 1: unten

 

Formular 85_Seite 1_unten

 

Ich habe für die Eintragungen zur Veranschaulichung meine Nestlé-Werte verwendet. Abgefragt wird:

 

die Aktie (Spalte 1),

das Kaufdatum (Spalte 2),

die Anzahl der Anteile (Spalte 3),

die Bruttodvidende pro Aktie in CHF (Spalte 4),

der Auszahltag (Spalte 5)

und die gesamte Bruttodividende in CHF vor dem Abzug der Quellensteuer (Spalte 6).

 

Die Werte kannst du aus deiner Ertragsabrechnung entnehmen. Diese hast du von deiner Depotbank kurz nach der Dividendenzahlung bekommen. Wichtig ist, dass du die Beträge in schweizer Franken einträgst und nicht in Euro. Unter „Total beantragte Rückerstattung“ errechnet dir das Formular automatisch deinen Erstattungsbetrag.

 

Zuletzt Datum, Ort und Unterschrift nicht vergessen! Als Anlagen habe ich den Tax Voucher, die Dividendenabrechnungen und die Bestätigung vom Finanzamt eingetragen.

 

 

Seite 2:

Formular 85, Seite 2

 

Seite 2 scheint auf den ersten Blick kompliziert, ist aber selbsterklärend. Für ganz normale Privatanleger müsste die Rückseite wie in meinem Beispiel aussehen. Wenn du zum Beispiel im Auftrag einer Firma handelst, würde es etwas anders ausschauen.

 

 

Das Formular ist geschafft. Wie geht es nun weiter?

 

Anschließend schickst du die kompletten Unterlagen an dein Wohnsitzfinanzamt. Im Einzelnen sind das:

 

das ausgefüllte Formular 85 in doppelter Ausführung,

die Dividendenabrechnungen aller drei Jahre,

der Tax Voucher aller drei Jahre.

 

Dein Wohnsitzfinanzamt bestätigt durch Stempel und Unterschrift auf der Seite 2 von Formular 85, dass du in Deutschland steuerpflichtig bist. Eine Ausfertigung verbleibt dort und eine Ausfertigung erhältst du zurück. Am besten versendest du Kopien deiner Belege und behältst die Originale bei dir. Die Bestätigung habe ich beim ersten Mal in 2016 nach etwa zwei Wochen erhalten. In diesem Jahr dauerte die Bearbeitung zehn Tage.

 

Letztlich schickst du das Formular 85 mit der Bestätigung und den oben aufgeführten Belegen an folgende Adresse:

 

Eidgenössischen Steuerverwaltung,

Eigerstraße 65,

3003 Bern,

Schweiz

 

Die mitgesandten Belege werden dort behalten. Du solltest also am besten auch hier die Kopien verschicken. Wenn du möchtest, mach dir für deine Unterlagen auch eine Kopie vom Formular 85.

 

Nach der Bearbeitungszeit wird der Betrag auf das Wunschkonto, welches du auf Seite 1 des Formulars eingetragen hast, überwiesen. Die Gutschrift erfolgt dann in Euro.

 

 

Welche Kosten kommen auf dich zu und lohnt sich der Aufwand überhaupt?

 

Ob sich die Rückforderung der Quellensteuer in der Schweiz lohnt, musst du anhand deiner persönlichen Situation entscheiden. Hier gilt es die Anzahl der Aktien, die Höhe der Dividende und die Kosten zu berücksichtigen.

 

An folgenden Stellen könnten Kosten auf dich zukommen:

  • Beantragung Tax Voucher
  • Portokosten bei Versand an Wohnsitzfinanzamt
  • Portokosten bei Versand in die Schweiz
  • Bankgebühren bei Auslandsgutschrift bzw. Umrechnung in Euro

 

 

Genau an dieser Stelle geht die Gebührenschneiderei mancher deutscher Bank los. Bei Flatex und der Targobank werden für die Beantragung des Tax Voucher pro Dividendenzahlung und Depot 10 Euro fällig. Onvista verlangt sogar 20 Euro dafür.

 

Nach meiner Erfahrung ist es möglich, sich die Quellensteuer nahezu kostenlos erstatten zu lassen. Lediglich um die Portokosten beim Versand in die Schweiz wird man wohl kaum herumkommen.

 

Bei der ING-DiBa wird der Tax-Voucher automatisch kostenlos mit der jährlichen Dividendenabrechnung in die Post-Box eingestellt. Die Gutschrift deiner Erstattung sind kostenlos. Als Kunde der ING-DiBa* bleibt also fast die gesamte Quellensteuerrückzahlung für mich.

 

Die Schweiz ist normalerweise ein positives Beispiel für eine schnelle und unkomplizierte Rückerstattung. In 2016 betrug bei mir die Wartezeit ca. 6 Wochen. In diesem Jahr warte ich bis zum heutigen Tag seit 8 Wochen auf die Gutschrift. Manche von euch haben mir berichtet, dass es in diesem Jahr bis zu sechs Monaten dauern kann. Ich bin mal gespannt!

 

Dein zeitlicher Aufwand reduziert sich bereits beim zweiten Mal. Schließlich hast du dann bereits den Snapform-Viewer und das Formular 85 heruntergeladen und kannst dir diese Arbeitsschritte sparen. Du musst nur noch die Werte im Formular aktualisieren.

 

Bei meinem zweiten Antrag in diesem Jahr habe ich für den Antrag 33 Minuten benötigt. Darin enthalten ist die komplette Antragsfertigung inkl. Download und Versandvorbereitung an das Wohnsitzfinanzamt (28 Minuten). Die Versandvorbereitung in die Schweiz dauerte weitere 5 Minuten. Der Weg zur Postfiliale ist nicht berücksichtigt.

 

 

Meine Quellensteuerrückforderung 2016

für die Dividendenzahlungen der Jahre 2013, 2014, 2015

Aktie: Nestlé

Anzahl der Aktien: 25

Bruttodividende: 160,00 CHF

Rückforderungsanspruch: 32,00 CHF

Rückforderungsanspruch in Euro: 29,06 Euro

Porto Versand an Wohnsitzfinanzamt: entfallen

Porto Versand in die Schweiz: 3,70 Euro

Gebühren für Auslandsgutschrift/Umrechnung: 13,01 Euro

Nettobetrag: 12,35 Euro

Wartezeit: ca. 8 Wochen

Meine Quellensteuerrückforderung 2018

für die Dividendenzahlungen der Jahre 2016, 2017, 2018

Aktie: Nestlé

Anzahl der Aktien: 25

Bruttodividende: 172,50 CHF

Rückforderungsanspruch: 34,50 CHF

Rückforderungsanspruch in Euro: 29,65 Euro

Porto Versand an Wohnsitzfinanzamt: entfällt

Porto Versand in die Schweiz: 3,70 Euro

Gebühren für Auslandsgutschrift/Umrechnung: entfällt

Nettobetrag: 25,95 Euro

Wartezeit: noch nicht bekannt

 

Fazit:

 

Leider hatte ich beim ersten Mal im Jahr 2016 die Gebühren meiner Hausbank für die Auslandsgutschrift nicht auf dem Schirm, so dass sich die Prozedur für mich damals nicht gelohnt hat. Der zeitliche Aufwand stand in keinem Verhältnis zu den 12,35 Euro, die letztlich übrig geblieben sind.

 

In diesem Jahr habe ich die Rückzahlung auf mein Girokonto bei der ING-DiBa* erbeten. Dort werden keine gesonderten Gebühren für eine Auslandsgutschrift fällig. Einzige Kosten sind für mich die Portokosten über 3,70 Euro für den Versand in die Schweiz. Somit kann ich die volle Rückerstattung behalten, die dieses Mal durch den Kontenwechsel schon doppelt so hoch war, wie 2016.  Mein zeitlicher Aufwand belief sich beim zweiten Mal nur noch auf 33 Minuten.

 

Wenn du die weiteren Gründe kennenlernen möchtest, weswegen ich mit meinem Girokonto zur ING-DiBa umgezogen bin, kann ich dir den Artikel über meine Girokonten im Rahmen der Artikelserie zum Finanzsetup empfehlen.

 

Auch wenn die Erstattung der Quellensteuer kein passives Einkommen darstellt, freue ich mich alle drei Jahre über eine schöne Sonderdividende.

 

Sollte ich zukünftig noch mehr schweizer Aktien besitzen, weil sich bei Nestlé vielleicht eine Nachkaufgelegenheit ergibt oder ich ein weiteres schweizer Unternehmen in mein Depot aufnehme, würde sich der zu erwartende Erstattungsbetrag entsprechend erhöhen. Der zeitliche Aufwand bliebe identisch.

 

Die geschilderte Vorgehensweise ist meine persönliche. Du solltest anhand deiner eigenen persönlichen Situation entscheiden, ob du die zuviel gezahlte Quellensteuer im Ausland zurückfordern möchtest. Je mehr Aktien bzw. je höher die zu erwartende Rückforderung, desto eher lohnt sich der Aufwand.

 

Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Anhalt geben, worauf du achten solltest und welche Erstattungen und Gebühren auf dich zu kommen könnten. Wichtig ist zu erkennen, dass die Gebühren deiner Bank bei der Entscheidung eine wichtige Rolle spielen. Vielleicht hilft dir der Beitrag bei der Entscheidung, ob sich der Aufwand in deinem Fall lohnen würde.

 

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Zu welchem Ergebnis bist du gekommen? Lohnt sich für dich der Aufwand? Welche Erfahrungen hast du mit der schweizer Finanzbehörde gemacht? Wie immer, freue ich mich über deinen Kommentar!

Bild: www.pixabay.de

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Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

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