Zum Auftakt der Artikelserie habe ich Euch erklärt, was die Quellensteuer ist und wie sie funktioniert. Zumindest habe ich es versucht, denn das Thema ist wirklich anspruchsvoll. Wenn alles geklappt hat, konntet Ihr herausfinden, ob Euch Quellensteuer abgezogen wurde und ob Ihr einen Anspruch auf Rückerstattung habt.

 

Wenn Ihr am Schluss des Artikels zu dem Ergebnis gekommen seid, dass Ihr einen Anspruch auf eine Rückerstattung habt, solltet Ihr als nächstes prüfen, ob es aus finanzieller Sicht überhaupt Sinn macht einen zu stellen.

 

Dazu müsst Ihr als nächstes die Kosten und Bedingungen Eurer Depotbank kennen. Welche Bank Euch zu welchen Bedingungen bei der Abwicklung unterstützt und wo Ihr kräftig zur Kasse gebeten werdet, erfahrt Ihr im heutigen Beitrag.

 

An dieser Stelle noch einmal der Hinweis, dass ich kein Fachmann in steuerlichen Angelegenheiten bin. Trotz aller Sorgfalt bei der Erstellung dieser Artikelserie kann ich daher keine Haftung für inhaltliche Fehler übernehmen. Eine professionelle Steuerberatung kann und will ich nicht ersetzen.

 

Vielmehr bin ich dem Aufruf von Jonathan Neuscheler in der Facebookgruppe „Dividendenstrategie“ gefolgt und habe mich für unsere Community einmal intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, die Quellensteuer für Euch in einfachen Worten aufzubereiten.

 

 

Macht ein Antrag auf Rückerstattung der Quellensteuer Sinn?

 

Welche Kosten werden von der Depotbank berechnet?

 

Für einen Antrag auf Rückerstattung der Quellensteuer wird in der Schweiz ein Tax Voucher benötigt, der durch die Depotbank ausgestellt wird. Hier gibt es bereits große Unterscheide der einzelnen Anbieter. Während z.B. die ING-DiBa das Dokument kostenlos und automatisch mit dem Ertragsbeleg versendet, kassiert die Onvista-Bank stattliche 20 Euro dafür. All das solltet Ihr berücksichtigen, damit die Rückerstattung nicht durch hohe Kosten zu einem Minusgeschäft wird.

 

Manche Banken wickeln auch die Rückforderung bei der ausländischen Finanzbehörde komplett für Euch ab oder unterstützen in Teilbereichen. Dieser Service ist natürlich in den meisten Fällen kostenpflichtig.

 

Damit Ihr zukünftig bessere Entscheidungen treffen könnt, ob sich ein Antrag aus finanzieller Sicht lohnt, habe ich für Euch die Preiskataloge der gängigsten Direktbanken durchgearbeitet und die einzelnen Konditionen und Bedingungen zum Thema Quellensteuer in der nachfolgenden Tabelle dargestellt. Zu Eurer Kontrolle habe ich jeweils die aktuellen Preis-, Leistungsverzeichnisse (Stand: 28.04.2018) verlinkt.

 

Zu den Brokern Maxblue und Degiro habe ich leider keinerlei Informationen zur Quellensteuer finden können. Wenn zu diesen beiden Anbietern jemand von Euch eigene Erfahrungen gemacht hat, dann berichtet davon gerne in den Kommentaren am Ende des Beitrages.

ING-DiBa

Euro0,00
Zur ING-DiBa*

Onvista

Euro20,00
Zur Onvista-Bank*

Consorsbank

Euro19,95
Zur Consorsbank*

Flatex

Euro5,90
Zu Flatex*

comdirect

Euro11,90
Zur comdirect*

Targobank

Euro10,00
  • je Ertragszahlung
  • 45,70 Euro pro Erstattung
  • Mindestanspruch 55,70 Euro
  • zzgl. 71,40 Euro fremder Spesen bei Erstattung aus Spanien, Frankreich oder Italien
  • Mindestanspruch in Spanien, Frankreich, Italien 127,10 Euro
  • Preis-, Leistungsverzeichnis
Zur Targobank*

Wie Ihr seht, bieten zum Beispiel die ING-DiBa, Comdirect und die Targobank an, das Erstattungsverfahren für Euch zu übernehmen. Hierfür werden zwischen 20 und 50 Euro Gebühren fällig. Dazu kommen ggfs. die Fremdspesen. Ganz schön frech finde ich das, wenn man bedenkt, dass der Aufwand für die Bank nur aus der Weiterleitung von Formularen besteht, die bereits von Euch ausgefüllt worden sind. Im letzten Beitrag der Serie werdet Ihr sehen, dass Ihr in manchen Fällen Kosten sparen könnt, indem Ihr die Arbeit selbst macht.

 

Fremdspesen können u.a. Clearstream-Gebühren sein. Clearstream ist ein deutscher Datendienstleister aus Frankfurt am Main. Sie bestätigen der ausländischen Steuerbehörde, dass sich die in Rede stehenden Aktien in einem deutschen Depot befinden. Diese Leistung lassen sie sich mit üblicherweise 71,40 Euro fürstlich vergüten. In manchen Ländern kommt Ihr ohne diese Bestätigung leider nicht weiter.

 

Die Deutsche Bank bietet zum Beispiel Ihren Kunden an, die Rückerstattung der Quellensteuer in bestimmten Staaten im Namen des Kunden selbstständig und kostenlos abzuwickeln. Hierzu müsst Ihr einen Auftrag erteilen und eine Vollmacht ausstellen. Die Abwicklung wird nicht durchgeführt, wenn der zu erwartende Betrag im Verhältnis zu den Fremdspesen zu gering ist.

 

Hinweis: Niemals solltet Ihr Eure Entscheidung für oder gegen einen Depotanbieter nur von den Bedingungen zur Quellensteuer abhängig machen. Macht Euch immer ein umfassendes Bild und bezieht alle für Euch wichtigen Aspekte ein, damit Ihr keine bösen Überraschungen erlebt. Es macht keinen Sinn über Jahre extrem hohe Ordergebühren zu zahlen, nur um dann bei der Quellensteuer ein paar Euro zu sparen.

 

 

Gebühren für eine Auslandsgutschrift beachten

 

Wenn Euer Antrag auf Erstattung von der ausländischen Finanzbehörde bewilligt wird, wird sie das Geld auf ein Girokonto Eurer Wahl überweisen. Oftmals muss der Betrag von der Währung des Quellenstaates in Euro umgerechnet werden. Je nach Depotbank kassiert die Bank auch an dieser Stelle wieder eine Gebühr. Überlegt Euch deshalb bitte gut, welche Bankverbindung Ihr auf den Antragsformularen angebt.

 

Die ING-DiBa kassiert auch hier kein gesondertes Umrechnungsentgelt. Auch die Auslandsgutschrift ist kostenlos. Die Comdirect kassiert eine Gebühr von  0,15 % bei Überweisungen in Fremdwährungen, wobei diese mindestens 1,50 Euro und höchstens 10 Euro beträgt und die Targobank berechnet in den meisten Fällen ebenfalls kein Entgelt für die Gutschrift aus dem Ausland.

 

Die Einnahmen der Banken kommen hier aus einer Umrechnungsspanne bei der Fremdwährung in Euro, die je nach Herkunftsland unterschiedlich sein kann. Diese Spanne liegt dafür bei der ING-DiBa etwas höher, als bei der Konkurrenz. Aus meiner Sicht sind diese jedoch so gering, dass wir diese als Privatanleger vernachlässigen können.

 

Bei Onvista und Flatex gibt es kein Girokonto, daher könnt Ihr die Gutschriften auch nicht auf diese beiden Anbieter überweisen lassen.

 

 

Weitere mögliche Kosten

 

Weitere mögliche Kosten sind Porto- und Versandkosten für den Postweg zu Eurem Wohnsitzfinanzamt und anschließend an die ausländische Steuerbehörde. Für die Bearbeitung der Anträge im Ausland fallen in der Regel keine Gebühren an.

Vorteile für ETF- und Fondsanleger

 

Wenn wir als Privatanleger über ETF- und Fonds in ausländische Aktien investieren, kümmert die Fondsgesellschaft sich für uns um die steuerlich korrekte Abrechnung. Maßgeblich ist dafür das Fondsdomizil. Wenn Ihr zum Beispiel einen MSCI World-ETF mit Fondsdomizil in Irland bespart, dann ist bei einer Ausschüttung von US-amerikanischen Werten das DBA zwischen den USA und Irland entscheidend und nicht zwischen Deutschland und Irland, wie man vielleicht vermuten könnte. Bei dieser Anlageform gebt Ihr einfach die Verantwortung an die Fondsgesellschaft ab und habt mit der Abwicklung nichts zu tun.

 

Der zweite Vorteil besteht darin, dass die Fondsgesellschaften bei einem Verkauf nach einer Ausschüttung die Erstattung sofort miteinberechnen, auch wenn die Erstattung noch gar nicht stattgefunden hat.  Das bedeutet also, dass ETF- und Fondsanleger nicht nur keine Extrakosten tragen und keinen Mehraufwand betreiben müssen, sondern auch, dass sie sofort über die volle Nettodividende verfügen können.

 

Seit diesem Jahr entfällt durch das neue Investmentsteuergesetz die Anrechnung der Quellensteuer bei ETF- und Fonds auf die Abgeltungssteuer. Stattdessen erhaltet Ihr auf Eure Kapitalerträge eine Teilfreistellung von 30 % bei Aktienfonds. Das führt zu einer ähnlichen Besteuerung wie bisher. Nähere Infos findet Ihr hier. Es bleibt jedoch dabei, dass Ihr Euch nicht selbst darum kümmern müsst.

 

 

Fazit: 

 

Ob Ihr einen Antrag auf Rückerstattung stellen möchtet, solltet Ihr in jedem Einzelfall genau überlegen. Das wichtigste Kriterium, ob sich der Aufwand lohnt, ist die Höhe der zu erwartenden Rückzahlung, die Ihr beim letzten Mal ermittelt habt. Diese Summe solltet Ihr ins Verhältnis zu den Kosten setzen, die auf Euch zukommen werden. Der Erstattungsbetrag sollte diese Kosten deutlich übersteigen um den Arbeitsaufwand zu rechtfertigen.

 

Die Kosten entstehen durch Gebühren der Depotbank für Tax Voucher oder Bearbeitung der Anträge, für Porto- und Versand und ggfs. für die Überweisung der Erstattung aus dem Ausland. Fremdspesen können zum Beispiel von Datendienstleistern für Bestätigungsdokumente erhoben werden. Die Bearbeitung bei der ausländischen Steuerbehörde ist in der Regel kostenfrei.

 

Ich persönlich nutze das Direkt-Depot der ING-DiBa als ergänzendes Depot, da ich für meine ausländischen Dividendenaktien im Bezug auf den Quellensteuerantrag keine Kosten habe. Im Gegensatz zu einigen Konkurrenten verzichtet man dort auch auf eine Gebühr für ausländische Dividenden.

 

Die Rückerstattung der Quellensteuer lasse ich dann später auf das Girokonto der ING-DiBa überweisen und spare mir so die Gebühr für Auslandsgutschriften. Es bleiben lediglich die geringen Kosten der Umrechnungsspanne übrig. Wer sich für diese Vorgehensweise interessiert, kann sich hier zum Girokonto* und hier zum Direkt-Depot* gerne nähere Infos einholen.

 

Mit der neuen Gebührenstruktur ab dem 18.05.2018 werden Aktienkäufe bzw. -verkäufe bei der ING-DiBa unter 2000 Euro günstiger als bisher und nähern sich damit den günstigsten Anbietern noch mehr an. Eine Order kostet dann nämlich 4,90 Euro zzgl. 0,25 % vom Orderwert. Das ergibt eine Transaktiongebühr von 7,40 Euro für eine Order über 1000 Euro. Erst ab 2000 Euro Ordervolumen wird es teurer als bisher. Bei 3000 Euro Volumen beträgt der Preis zum Beispiel 12,40 Euro. Mehr zum neuen Gebührenmodell erfahrt ihr hier unter Konditionen*.

 

Hat Dir der Beitrag gefallen? Dann teile Ihn doch mit deinen Freunden oder abonniere meine Facebookseite! Bei so einem komplexen Thema ist Deine Unterstützung wichtiger denn je, denn trotz aller Sorgfalt bin ich nicht perfekt. Wenn Du Ergänzungen oder Korrekturen hast oder selber Erfahrungen mit deiner Depotbank hinsichtlich der Quellensteuer gemacht hast, dann freue ich mich über Deinen Kommentar. Besonders die Preise der Banken ändern sich ständig. Ich bin bemüht,die Preise stets auf dem aktuellen Stand zu halten. Sollte ich doch einmal eine Preisänderung verpasst haben, bin ich für einen Hinweis sehr dankbar. Vielen Dank!

In fast jedem Land ist zudem der Ablauf der Rückerstattung anders. Es gibt kein einheitliches Formular, die Kosten unterscheiden sich und die Dauer der Rückerstattung ist ebenfalls von Land zu Land sehr unterschiedlich. Welche Sitten in welchen Ländern herrschen, erfahrt Ihr dann im dritten Teil der Artikelserie. So könnt Ihr den zeitlichen Aufwand für die Prozedur besser einschätzen. Dieser Beitrag wird am 28.05.2018 erscheinen.

Bild: www.pixabay.de

Newsletter

Wenn Du die weiteren Artikel dieser Serie auf keinen Fall und auch zukünftig keine Beiträge verpassen möchtest, kannst Du Dich hier für den Newsletter anmelden. Du erhältst einmal monatlich eine E-Mail mit interessanten Tipps und Hinweisen zur Geldanlage oder auch Einblicken in meinen Vermögensaufbau direkt in Dein Postfach! Der Newsletter ist natürlich kostenlos und wenn er dir nicht gefällt, kannst du ihn jederzeit ganz einfach und bedingungslos wieder abbestellen.

Newsletter-Anmeldung

* indicates required



Steuern

Artikel 1/3 – Was ist die Quellensteuer und wie funktioniert sie?

Artikel 2/3 – Rechnet sich ein Antrag auf Rückerstattung der Quellensteuer? 

Artikel 3/3 – Lohnt sich der Aufwand die Quellensteuer erstatten zu lassen? (Coming soon…)

Artikel: Wie Du Dir die Quellensteuer aus der Schweiz zurückholen kannst

Steuer-Tipp

Hat das Finanzamt richtig gerechnet?

 

Mit dem WISO Sparbuch 2018 kannst ich meine Steuererklärung ganz einfach selber machen, meinen Steuerbescheid optimieren und sofort erkennen, ob mein Sachbearbeiter alles richtig gemacht hat. Obendrein spare ich noch die Kosten für den Steuerberater und kann meine gesamte Steuerrückzahlung wieder in meinen Vermögensaufbau investieren.

 

 

Seit mittlerweile elf Jahren verwende ich diese Software für meine Steuererklärung. Wenn ich anrechenbare Quellensteuer gesammelt habe, trage ich die entsprechenden Werte ganz einfach in die vorgegebenen Felder der Anlage KAP ein. Sobald dann der Steuerbescheid vom Finanzamt eintrudelt, zeigt das Programm mir, ob die Behörde richtig gerechnet hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht mal so selten zu Fehlern kommt.

 

Sollte ich einen Fehler festgestellt haben, drucke ich mit Hilfe der Software einfach ein vorgefertigtes Widerspruchsschreiben aus, unterschreibe es und sende es an mein Finanzamt. Spätestens dann habe ich bislang eigentlich immer meinen Willen bekommen. Das funktioniert natürlich nicht nur für den Bereich der Kapitalertragssteuern, sondern auch bei allen anderen steuerlichen Angelegenheiten.

 

Wenn Ihr Fragen zum WISO Sparbuch habt, schreibt mir auch gerne eine Mail.

Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

Social Media
Blogverzeichnis