Im letzten Artikel ging es um Versicherungen, die absolut notwendig sind, um deine existentiellen Risiken abzusichern. Auf die dort genannten Versicherungen sollte man nicht verzichten.

 

Im Folgenden habe ich die Versicherungsarten aufgeführt, die im Ernstfall helfen können größeren Schaden abzuwenden. Manchmal sind allerdings die Optionen innerhalb der Verträge so vielfältig, dass es viele Dinge zu beachten gibt. Es sind Versicherungsarten darunter, bei denen die statistische Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dass du einen Schaden erleidest. Ich hoffe du kannst dir selber ein Bild machen, dass dir bei der Entscheidungsfindung hilft, ob du den Schutz benötigst oder nicht.

 

 

Private Krankenzusatzversicherung

 

In diesem Abschnitt unterscheide ich die private Krankenzusatzversicherung in stationäre Krankenhausversicherung und Zahnersatzzusatzversicherung.

 

Als gesetzlich Versicherter wirst du mit einer stationären Krankenzusatzversicherung einem Privatversicherten gleichgestellt. Damit hast du bei einem stationären Krankenhausaufenthalt Anspruch auf ein Ein- oder Zweibettzimmer und auf Chefarztbehandlung. Fraglich ist, ob dir Komfort und Privatsphäre so wichtig sind, dass dieser Punkt ausschlaggebend für den Abschluss einer Krankenzusatzversicherung sein kann.

 

Die Chefarztbehandlung umfasst natürlich auch alle anderen Ärzte und Spezialisten. Demnach hast du die Möglichkeit der freien Arztwahl und damit die Wahl, dir namhafte Mediziner und deren modernste Behandlungsmethoden zu Gute kommen zu lassen. Die Kosten dafür sind meist kaum aus eigenen Mitteln zu finanzieren.

 

Die gesetzliche Krankenversicherung bietet in Deutschland vergleichsweise hohen Standard in der stationären Versorgung. Auch gibt es keine Garantie, dass ein Chefarzt besser operiert als sein Mitarbeiter. Wie groß das Risiko ist, dass man als gesetzlich versicherter Patient eine wirklich wichtige Behandlung nicht erhält, kann ich nicht abschätzen.

 

Je früher du die Zusatzversicherung abschließt, desto geringer werden die Beiträge ausfallen. Allerdings ist es in jungem Alter unwahrscheinlicher, dass du komplizierte stationäre Behandlungen in Anspruch nehmen musst. Du musst dir genau überlegen, ob es Sinn macht die Versicherung später abzuschließen und einige Beitragsjahre zu sparen. Dazu kommt, dass es mit vorangeschrittenem Alter schwieriger wird eine solche Versicherung zu bekommen.

 

Bei manchen Anbietern kannst du bei jedem stationären Aufenthalt entscheiden, ob du auf die Vorzüge verzichten und dafür einen Teil der Beiträge zurück erhalten möchtest. Die Kosten für eine stationäre Krankenhauszusatzversicherung liegen je nach Alter zwischen 15 und 80 Euro pro Monat. Diese Art Versicherung ist für mich eine klassische Kann-Versicherung.

 

 

Etwas klarer kann ich mich bei der Zahnzusatzversicherung positionieren. Von der gesetzlichen Krankenkasse kann man bei einem Implantat nur einen geringen Zuschuss erwarten. Der Eigenanteil an den Kosten kann schnell in Richtung mehrerer tausend Euro gehen, wenn man halbwegs hochwertiges Material verarbeiten lassen möchte. Eine Zusatzversicherung für den Zahnersatz ist für vergleichsweise überschaubare Beiträge zu bekommen. Folgst du dem Grundsatz dich zuerst gegen die existenzbedrohenden Risiken abzusichern und anschließend deinen Vermögensaufbau zu schützen, ist eine Zahnersatzzusatzversicherung eine sinnvolle Investition.

 

Diese Versicherungen sind oft mit einer mehrmonatigen Wartezeit verbunden. Von daher ist es wichtig, dass du dich rechtzeitig versicherst und nicht erst wenn schon Beschwerden vorliegen. Heilpraktiker- und Heilmittelzusatztarife sind für mich verzichtbar. Viele Tarifoptionen gibt es nur mit Selbstbeteiligung und die jährlichen Leistungen sind oft nach oben hin begrenzt. Existentielle Risiken werden hier nicht abgesichert.

 

 

Unfallversicherung

 

Anhand deines individuellen Risikos solltest du genau überlegen, ob du eine Unfallversicherung benötigst. Viele Menschen leben in dem Glauben, dass eine Unfallversicherung bei jedem Unfall einen entsprechenden Schutz bietet. In Wirklichkeit werden in erster Linie schwere Unfälle abgesichert. Statistisch gesehen resultieren lediglich aus zwei Prozent aller Unfälle Schwerbehinderungen. Angesichts der Schadenswahrscheinlichkeit sind Unfallversicherungen schlicht zu teuer. Es ist viel wahrscheinlicher durch eine Erkrankung berufsunfähig zu werden. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist in vielen Fällen die bessere Alternative, da sie Unfälle ebenfalls mit abdeckt.

 

Als Extremsportler, Ski- und Snowboardfahrer, Motorradfahrer oder Mountainbiker kannst du guten Gewissens über eine Unfallversicherung nachdenken. Einige Versicherer schließen solche Hobbys allerdings von vornherein aus. Auch bei Senioren können Stürze oft gravierende Folgen haben. Fraglich ist hier, ob man in höherem Lebensalter noch in einer Versicherung aufgenommen wird.

 

Die wichtigste Vereinbarung, die mit der Unfallversicherung getroffen werden muss, ist die Versicherungssumme. Im schlimmsten Fall kannst du nicht mehr Vollzeit arbeiten und das Zuhause muss behindertengerecht umgebaut werden. Du solltest also nicht den Fehler machen und hier an der falschen Stelle sparen.

 

Die Progression bestimmt weiterhin, wie viel Prozent der Versicherungssumme man bei welchem Behinderungsgrad bekommt. Demnach bekommt man mit besonders schweren Behinderungen auch mehr Geld. Um die Versicherungssumme und die Progression festzulegen, solltest du dir vorher darüber Gedanken machen wie viel Geld du einmalig im Falle einer Behinderung benötigst, zum Beispiel für einen behindertengerechten Hausumbau. Laufende Kosten durch Einkommensverlust oder Kinderbetreuung würden wieder über die Berufsunfähigkeitsversicherung getragen.

 

Bei der Tarifauswahl wird eine Gliedertaxe vereinbart. Sie legt fest, welchen Betrag man bei Einschränkungen eines bestimmten Körperteils ausgezahlt bekommt.

 

Viele Versicherungen kürzen ihre Leistung anteilig, wenn eine Vorerkrankung vorliegt die für die gesundheitlichen Folgen eines Unfalls mitverantwortlich ist. Ein guter Tarif kürzt erst wenn die Vorerkrankung zu mindestens 50 % für die Folgen verantwortlich ist. Ein Beispiel wäre jemand, bei dem Osteoporose diagnostiziert wurde und dann eine Wirbelverletzung schlimmer ausfällt als bei einem gesunden Menschen.

 

Unfälle nach Eigenbewegung und erhöhter Kraftanstrengung werden manchmal von den Leistungen ausgeschlossen. Was eine erhöhte Kraftanstrengung ist, ist natürlich Auslegungssache. Um sicher zu gehen, würde ich einen Anbieter wählen, der keinen Ausschluss vornimmt.

 

Weitere Unfallauslöser, die manchmal ausgeschlossen werden, sind Herzinfarkt, Schlaganfall, Insektenstiche oder der Einfluss von Alkohol und Medikamenten. Diese sind hier nur beispielhaft aufgezählt um den Tarifdschungel zu verdeutlichen, den du bei Interesse für eine Unfallversicherung durchforsten müsstest.

 

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass du möglichst viele Risiken mit einbeziehen lassen solltest, um nicht im Falle des Falles mit leeren Händen da zu stehen. Denn dafür ist die Versicherung naturgemäß zu kostspielig. Am Ende der Laufzeit wird bei manchen Tarifen eine Beitragsrückzahlung angeboten, wenn kein keinen Unfall vorgekommen sein sollte. Die Beiträge hier sind jedoch um ein Vielfaches höher als ohne diese Garantie. Dabei fallen die Rückzahlungen oft enttäuschend niedrig aus.

 

Bei der Absicherung von Kindern, wenn nach einem Unfall dauerhafte Schäden zurückbleiben, hätte man Anspruch auf verschiedene Unterstützungsleistungen. Hier solltest du berücksichtigen, dass die Versicherungssumme entsprechend hoch gewählt wird, da die Kosten für ein behindertes Kind ein Leben lang anfallen. Wenn du später für dein Kind eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, kannst du die Unfallabsicherung reduzieren oder ganz kündigen.

 

Eine Unfallversicherung wird von mir nicht als überflüssige Versicherung eingestuft, da es Personengruppen gibt, für die eine solche Versicherung einen Sinn ergeben könnte. In vielen Fällen ist man mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung genügend abgesichert. Eine dahingehende Absicherung von Kindern erachte ich dagegen als nützlich, da sie wenig kostet und im Bedarfsfall viel bringen kann.

 

 

 

Risikolebensversicherung

 

Der Unterschied zur Kapitallebensversicherung liegt bei der Risikolebensversicherung darin, dass kein Sparplan eingerichtet wird. Aus diesem Grund sind die Beiträge bei letzterer deutlich geringer. Stirbt der Versicherungsnehmer während der vereinbarten Laufzeit, zahlt die Risikolebensversicherung die Versicherungssumme an die Hinterbliebenen. Stirbt er nicht, ist das eingezahlte Geld weg. Wenn man lediglich eine große laufende Finanzierung absichern möchte, kann man eine kostensparendere Variante mit jährlich fallender Deckungssumme abschließen.

 

Bei Familien wird oftmals nur der Hauptverdiener abgesichert. Ein Aspekt, der hierbei nicht bedacht wird ist, dass es beim Tod des Partners sein kann, dass der Hauptverdiener zur Kinderbetreuung seine Arbeitszeit reduzieren muss. In solchen Fällen kannst du über eine verbundene Risikolebensversicherung nachdenken. Hier sind beide Lebenspartner mitversichert. Wie bei vielen anderen Versicherungen auch, sind die Beiträge günstiger je jünger du den Vertrag abschließt.

 

 

 

Kfz-Kaskoversicherung

 

Die Leistungen der Kaskoversicherung beziehen sich nur auf Schäden an deinem eigenen Auto. Der Worst Case wäre also ein Totalschaden in Verbindung mit dem Neukauf eines Autos.

 

Die Teilkaskoversicherung erstattet unverschuldete Schäden z.B. durch Brand, Diebstahl, Unwetter, Glasbruch und Wildunfälle.

 

Eine Vollkaskoversicherung übernimmt selbstverursachte Schäden. Das bedeutet, dass du bei einem durch dich verursachten Verkehrsunfall auch den Schaden an eurem eigenen Auto erstattet bekommst. Lässt sich ein Verursacher bei einer Fahrerflucht nicht ermitteln, bekommst du ebenfalls Geld von der Versicherung.

 

Grundsätzlich gilt bei der Entscheidung, ob eine Kaskoversicherung sinnvoll ist: Je neuer und hochwertiger ein Fahrzeug, desto eher sollte man darauf nicht verzichten. Bei kreditfinanzierten Autos wäre eine Vollkaskoversicherung für mich ein Muss. Anderenfalls kann es passieren, dass du jahrelang Raten für ein Auto zahlst, dass es auf Grund eines Totalschadens gar nicht mehr gibt. Wenn du dann noch auf ein Auto angewiesen bist, zahlst du im schlimmsten Fall sogar zwei Fahrzeugfinanzierungen gleichzeitig. Kommt das Auto in die Jahre, kannst du darüber nachdenken aus der Kaskoversicherung auszusteigen und die eingesparten Prämien für mögliche Reparaturen auf das Reservekonto einzuzahlen.

 

Auch hier gibt es den Schadensfreiheitsrabatt. Es kann Sinn machen, bei kleineren Schäden zu überlegen, ob eine Erstattung aus eigener Tasche günstiger wäre. Hierzu vergleicht man die Schadenssumme mit der Prämienerhöhung durch den Verlust der Schadensfreiheitsrabattstufe. Im Gegensatz zur Kfz-Haftpflichtversicherung, wo die Versicherungen dazu verpflichtet sind einen Antragsteller zu versichern, kann dir bei mehreren Schäden innerhalb kurzer Zeit die Kaskoversicherung wieder entzogen oder schon beim Abschluss verweigert werden.

 

 

 

Hausratversicherung

 

Eine Hausratversicherung kümmert sich um Schäden an Möbeln, Kleidung sowie Haushalts- und Arbeitsgeräten. In Ergänzung zur Wohngebäudeversicherung umfasst die Hausratversicherung Einrichtungsgegenstände, die nicht fest mit dem Gebäude verbunden sind. Bargeld, Wertpapiere und viele andere Wertsachen sind oft nur bis zu einer bestimmten Obergrenze mit versichert.

 

Um dir die aufwendige Erstellung einer Inventarliste zu sparen, kannst du eine Quadratmeterpauschale wählen. Hier wird ein bestimmter Betrag pro Quadratmeter Wohnfläche als Versicherungssumme festgelegt. Bei dieser Variante solltest du darauf achten, dass die Versicherung den Unterversicherungsverzicht bestätigt. Dies hat zur Folge, dass die Versicherung keine prozentualen Kürzungen der Deckungssumme vornehmen kann, falls der tatsächliche Wert deines Hausrates die angegebene Versicherungssumme übersteigt. Eine Inventarliste ist nur bei sehr hochwertigem Hausrat zu empfehlen.

 

Als Faustregel gilt: je wertvoller die Wohnungseinrichtung ist, umso sinnvoller ist eine Hausratversicherung. Absolut überflüssig ist der Einschluss von Glasbruch. Sollte tatsächlich mal eine Fensterscheibe kaputt gehen, werden dich die Kosten nicht arm machen. Wirklich teures Glas wie zum Beispiel Photovoltaikmodule müssen sowieso nochmal separat versichert werden.

 

 

 

Rechtschutzversicherung

 

Zu diesem Bereich bin ich leider selber hin und hergerissen, ob man eine Rechtschutzversicherung haben sollte oder nicht. Damit du dir eine eigene Meinung bilden kannst, solltest du ein paar grundsätzliche Dinge wissen. Wer vor Gericht verliert, zahlt alle Anwalts- und Gerichtskosten. Der Rechtschutz übernimmt aber das Kostenrisiko im Prozess.

 

Im Bedarfsfall kann sie sehr nützlich sein, allerdings werden viele Risiken von vornherein ausgeschlossen und sind nicht mit abgedeckt. In arbeitsrechtlichen Streitigkeiten oder im Bereich Mietrecht sind Mitgliedschaften in Gewerkschaften oder Mieterschutzvereinen manchmal die bessere Alternative, da hier in der Regel kostenlose Rechtsvertretungen bereits in den Mitgliedsbeiträgen enthalten sind. Teilst du deiner Versicherung einen entsprechenden Fall mit, wird diese zunächst prüfen, ob eine Klage eine realistische Erfolgsaussicht hat.

 

Der Bereich, wo statistisch gesehen in Deutschland die meisten Rechtsstreitigkeiten anfallen, sind Scheidung und Erbrecht. Für diese Bereiche gibt es keinen Rechtschutz. Selten findet man einen Anbieter der bei Kapitalanlagen oder Baurecht für die Kosten aufkommt.

 

Aus eigener beruflicher Erfahrung kann ich berichten, dass sich z.B. in Verkehrsrechtssachen manche Rechtsanwälte erst Minuten vor der Hauptverhandlung erstmals mit ihren Mandaten treffen und sich über den Sachverhalt informieren bzw. eine Strategie festlegen. In der Hauptverhandlung habe ich mich mehrfach über das äußerst passive Verhalten von manchen Anwälten gewundert, obwohl man mit den richtigen Maßnahmen deutlich mehr für den Mandanten hätte herausholen können.

 

Ich persönlich habe bislang auf eine Rechtschutzversicherung verzichten können. Der Start dieses Blogs hat mich jedoch dazu bewogen, diese Einschätzung nochmals zu überdenken. Eine endgültige Entscheidung zu diesem Thema habe ich für mich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht getroffen.

 

Der letzte Artikel dieser Serie behandelt die Versicherungen, die verzichtbar sind.

 

 

Bild: © panthermedia.net/alphaspirit

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