Dividendenaktien sind der größte und damit wichtigste Baustein meiner Vermögensbildung. Bis zu dreiviertel meiner Aktieninvestments werden auf Grundlage einer Dividendenstrategie getätigt. Warum ich mich so entschieden habe, kannst du im letzten Beitrag nachlesen.

 

Im heutigen Artikel möchte ich euch erläutern, wie und warum ich meine Aktienstrategie um einen zweiten Baustein erweitert habe. Ich habe für mich festgelegt, dass bis zu 25 % meines Kapitals, welches für die Börse vorgesehen ist, in Wachstumsaktien von Top-Unternehmen aus dem Internet- und Technologiesektor investiert werden dürfen.

 

 

Inkonsequenz oder sinnvolle Ergänzung?

 

An mehreren Stellen meiner vergangenen Blogbeiträge habe ich eindringlich darauf hingewiesen, dass es absolut unerlässlich ist, eine Strategie zu verfolgen und dieser konsequent treu zu bleiben. Ist es dann nicht ein Widerspruch, verschiedene Ansätze miteinander zu verbinden?

 

Facebook, Alphabet, Amazon oder auch Netflix bestimmen einen Großteil der Performance des US-Index S&P 500, denn diese vier Unternehmen bringen es gemeinsam auf eine Marktkapitalisierung von etwa 1,4 Billionen Euro. Damit sind die vier etwas größer, als unsere 30 größten deutschen DAX-Unternehmen, die es gemeinsam nur auf 1,2 Billionen Euro bringen. Sie sind aber noch nicht so lange am Markt, um Dividenden zu zahlen.

 

Diese Wachstumsaktien profitieren in hohem Maße von Wachstumstrends wie Online-Shopping, TV-Streaming und Online-Werbung. Facebook und die Google-Mutter Alphabet sitzen auf einer gigantischen Datensammlung, die hinsichtlich der Werbeverwertbarkeit rosige Aussichten versprechen. Mit App-Schwergewichten wie Instagram und Whats-App von Facebook und Onlinediensten wie Youtube und Google Drive von Alphabet verfügen beide über eine überragende Produktpalette. Zudem besitzt Google mit 90 % aller Suchanfragen im Internet quasi ein Monopol. Netflix hat sich als erster Streaming-Anbieter erfolgreich mit eigenen Produktionen von Filmen und Serien zur Kundengewinnung positioniert. Und Amazon gelingt derzeit einfach fast alles und hat als Ziel nichts weniger als die Weltherrschaft ausgerufen.

 

Es gibt in der Regel zwei Phasen im Lebenszyklus eines Unternehmens, in denen keine Dividende gezahlt wird. Eine davon ist der Unternehmensstart, wenn die Firma ihr gesamtes Geld in das eigene Wachstum investiert. Die zweite Phase beginnt, wenn das Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert und das Unternehmen in so großen Schwierigkeiten steckt, dass die Gewinnausschüttung gestrichen werden muss.

 

Diese Unternehmen befinden sich noch in der ersten Phase, in der die Gewinne im Unternehmen für weiteres Wachstum thesauriert werden. Wenn ich mich ausschließlich auf die Dividendenstrategie konzentrieren würde, würden mir die gigantischen Chancen des technologischen Fortschritts und damit der Digitalisierung durch die Lappen gehen. Der digitale Wandel wird oftmals auch als Industrielle Revolution 4.0 bezeichnet. Daran möchte ich einfach mitverdienen. Ich würde diese Wachstumsaktien viel zu spät kaufen können, wenn ich die erste Dividendenzahlung als zwingendes Kriterium für einen Kauf abwarten müsste. Meistens ist ein großer Teil der Kursentwicklung bereits gelaufen, wenn die erste Dividende ausgeschüttet wird. Ich bin davon überzeugt, dass sich hier weiterhin enormes Zukunftspotential befindet und diese Unternehmen irgendwann einen großen Teil des Planeten beherrschen werden. Langfristig gesehen, werden sie wahrscheinlich auch zu verlässlichen Dividendenzahlern – vermutlich sogar zu Dividendenaristokraten.

 

Während einige klassische Unternehmen bereits seit über 100 Jahren eine Dividende zahlen, wurde Apple zum Beispiel erst 1976 gegründet. Der Börsengang fand Ende 1980 statt. Die ersten Anteilsscheine kosteten damals 22 Dollar. Erst nachdem die Finanzreserven im Jahr 2012 auf 100 Mrd. Dollar angestiegen waren, kündigte Apple an, eine Dividende zahlen zu wollen. In diesem Jahr war der Kurs von 420 auf 700 Dollar angestiegen. Das bedeutet, dass es 36 Jahre mit 3081 % Kurswachstum, aber ohne Dividende gegeben hat. Würde ich mich nur auf Dividendenaktien konzentrieren und die Zahlung einer Dividende als Ausschlusskriterium definieren würde, würde ich große Teile der Kursentwicklung einer qualitativ hochwertigen Wachstumsaktie verpassen. In meiner persönlichen Vermögensstruktur wäre Apple also durch die Einführung einer Dividende einfach aus dem Wachstumssektor in den Bereich der Dividendenstrategie gewechselt.

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Beide Seiten der Medaille berücksichtigen

 

Bei meiner Vorgehensweise könnte man als nachteilig ansehen, dass sich mit dieser Kombination keine absolute finanzielle Freiheit durch Dividenden erreichen lassen kann. Der Anteil von ca. 75 % an Dividendenaktien ist einfach zu wenig, um einen passiven Einkommensstrom, von dem man leben könnte , zu generieren. Aber das war nie und ist auch nicht mein Ziel.

 

Mit den bisherigen Kursgewinnen haben diese Wachstumsaktien bereits große Höhen erreicht. Die Fallhöhe wird damit immer bedeutsamer. Als Neuinsteiger in diese Werte, überlegt man es sich besser einmal öfter, ob sich ein Investment noch lohnt. Teilweise weisen die Unternehmen ein extrem hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis auf. Dies gilt insbesondere für Amazon und Netflix. Technologiewerte unterliegen oft relativ hohen Schwankungen. Läuft alles gut, legen diese Aktien meistens überproportional gut zu. In einem schwierigeren Marktumfeld tendieren Investoren eher dazu, sich von riskanten Aktien zu trennen und sich auf defensivere Anlagen zu konzentrieren.

 

Allerdings bin ich der Ansicht, dass man Alphabet, Amazon, Facebook, Netflix & Co nicht nach herkömmlichen Maßstäben bewerten darf. Das Potenzial der Digitalisierung und des Mega-Trends „Internet of Things“ ist in diesem Fall einfach zu enorm. Solange diese Branche wächst, dürfte sich der Kursaufschwung fortsetzen. Konsolidierungsphasen und selbst Korrekturen liegen an der Börse in der Natur der Sache und werden mich daher nicht verunsichern.

 

Das „Internet of Things“ bezeichnet die Vision einer globalen Infrastruktur, die es ermöglicht, physische und virtuelle Gegenstände miteinander zu vernetzen und zusammenarbeiten zu lassen. Dies geschieht mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnik. (Quelle: Wikipedia)

 

 

Klare Abgrenzung zum Strategiehopping!

 

Auf keinen Fall ist es gut und richtig, ständig von einer Strategie zur nächsten zu wechseln. Eine Vielzahl von Ansätzen zu kombinieren und nachzubilden, sollte nicht euer Ziel sein. Auch wenn man auf einmal von einer alternativen Herangehensweise hört oder liest, solltet ihr euch nicht jedes Mal verunsichern lassen.

 

Für mich halte ich es für vertretbar, mich auf eine Aktienstrategie als Eckpfeiler festzulegen und diese um ein bestimmte Elemente einer weiteren zu ergänzen. Das ist meiner Meinung nach aber auch das Maximum. Wenn man es übertreibt, würden die Stärken der einzelnen Strategien durch Unübersichtlichkeit abgeschwächt oder würden sich gegenseitig aufheben. Der Aufwand wäre am Ende im Vergleich zu einer klar definierten Strategie auch viel zu hoch. Irgendwann wäre es auch keine Strategie mehr, sondern nur eine Suppe an Handlungsoptionen, die aus der Schwäche resultieren, eine klare Entscheidung zu treffen!

 

Der Aufstieg von Alphabet und Co steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung des Internets. Die Datenmengen, die heutzutage durchs Netz versandt werden, sind gigantisch. Auch wenn dies alles für uns mittlerweile selbstverständlich erscheint: das World Wide Web ist weiterhin ein Multimilliardengeschäft. Das muss man sich ab und an wieder bewusst machen. Man darf auch nicht vergessen, dass diese Firmen die Gewinner aus dem Platzen der Dotcom-Blase nach der Jahrtausendwende sind und den damaligen Niedergang überlebt haben. Die Top-Unternehmen aus dem Internet- und Technologiesektor haben und werden einfach zu sehr unser tägliches Leben beeinflussen, um daran nicht teilhaben zu wollen.

 

 

Es werden im Durchschnitt jeden Tag über 200 Milliarden E-Mails versendet, fast neun Milliarden YouTube-Videos – 100.000 in jeder Sekunde – aufgerufen und über vier Milliarden Suchanfragen an Google gesendet. Der globale tägliche Datenverkehr beträgt 2,3 Milliarden Gibabyte – das entspricht 1,2 Billionen Büchern (Quelle: Euro am Sonntag).

 

 

Aktiensparplan, ETF-Anlage oder Einzeltitel?

 

Auf Grund der starken Kursgewinne in der Vergangenheit und weil man diese Aktien nicht anhand herkömmlicher Kriterien bewerten kann, ist es hier extrem schwierig die richtigen Zeitpunkte für Ein- und Ausstieg zu finden. Ein Aktiensparplan wäre hier eine der möglichen Lösungen, wenn ihr euch für Investitionen in solche Unternehmen interessiert. So könntet ihr durch regelmäßige Zukäufe vom Cost-Average-Effekt profitieren und müsstet nicht selbst versuchen, den richtigen Zeitpunkt für einen Nachkauf zu treffen.

 

Die Consorsbank bietet zum Beispiel Aktiensparpläne für eine Ordergebühr von 1,5 % pro Sparrate an. Hier findet ihr eine Liste der sparplanfähigen Aktien.

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Natürlich hat sich auch die Finanzindustrie für diesen Mega-Trend bereits einen eigenen Index ausgedacht und die passenden Finanzprodukte erfunden. Eine zweite Möglichkeit wäre daher eine Investition per ETF. Hier würden allerdings laufende Verwaltungskosten fällig. Dafür muss man so die Auswahl der Unternehmen nicht mehr selbst vornehmen.

 

Auch wenn die Gebühren für beide Varianten vergleichsweise gering und somit für mich vertretbar wären, bevorzuge ich die selbstständige Auswahl der Einzeltitel. So kann ich mir sogar diese geringen Gebühren sparen. Ich halte den Aufwand gering, indem ich eine abschließende Watchlist mit den für mich interessantesten Internet- und Technologiewerten erstellt habe. Nur eine sehr begrenzte Anzahl an Unternehmen hat es auf diese Watchlist geschafft. An diese halte ich mich und achte nur auf diese Unternehmen. Alle anderen vernachlässige ich. Von Zeit zu Zeit werde ich die Liste aktualisieren.

 

Welche der Anlageformen für euch in Frage kommt, müsst ihr anhand eurer persönlichen Situation entscheiden. Traut ihr euch die Einzeltitelauswahl zu? Oder seid ihr bereit für diese Leistung gewisse Gebühren zu zahlen? Auch in der eigenständigen Variante kann man regelmäßige Nachkäufe tätigen. Damit die Gebühren nicht eure Rendite fressen, könnt ihr bei kleineren Sparraten statt monatlich besser quartalsweise, halbjährlich oder jährlich zukaufen. Mit diesen Aspekten sollte man sich beschäftigen, wenn man eine Investition in diese Unternehmen in Erwägung zieht.

 

Wie seht ihr das? Sollte man verschiedene Strategien miteinander kombinieren? Oder macht es mehr Sinn sich auf eine einzige Strategie festzulegen? Wie löst ihr die Problematik mit der schwierigen Bewertung dieser Unternehmen? Ich freu‘ mich auf eure Kommentare!

 

 

Bild: © panthermedia.net /andongob

Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

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