Die Leser meiner Artikelserie zum Aufbau einer Vermögensstruktur wissen, dass ich ca. 60 % meiner Sparrate in Aktien investieren möchte. Wenn man meine Anteile an Unternehmen aus dem Rohstoffsektor hinzurechnet, sind es sogar knapp 70 %.

 

Wer mit seinen Investitionen in Aktien erfolgreich sein möchte, benötigt eine konkrete Zielformulierung und eine Strategie, mit der dieses Ziel erreicht werden kann.

 

 

Große Auswahl an Strategien

 

Seit Jahren gibt es eine Menge an erfolgreichen Aktienstrategien und es kommen immer wieder neue hinzu. Bekannte Investoren haben Einblicke in ihre systematische Herangehensweise bei der Geldanlage gegeben und ermöglichen uns Privatanlegern, von diesen Erfahrungen profitieren zu können.

 

Value-,Trendfolge-, LevermannStrategie, die Strategie der relativen Stärke  oder auch die Dividendenstrategie sind nur einige der bekanntesten Konzepte. Eine Auswahl davon wird in der entsprechenden Podcastfolge von „Der Finanzwesir rockt“ sehr ansprechend erläutert.

 

Wenn ihr noch mehr über die Levermann-Strategie erfahren möchtet, könnt ihr euch gerne mein Interview mit den Aktienassistenten anschauen.

 

Innerhalb der Dividendenstrategie gibt es noch einmal unzählige Ausprägungen und Formen. In diesem Beitrag möchte ich euch einmal vorstellen, wie ich meine persönliche Dividendenstrategie definiere und warum ich mich dafür entschieden habe.

 

Um diese Strategie hat sich in der letzten Zeit ein regelrechter Hype entwickelt und das Internet ist voll von hochwertigen Beiträgen über Dividendenstrategien. Erklärungen, Funktionsweisen und allgemeine Vor- und Nachteile sind bereits von vielen schlauen Menschen ausreichend dargestellt werden. Daher möchte ich mich nachfolgend auf meine persönliche Sichtweise beschränken und nur einige Aspekte ansprechen, die mir besonders wichtig sind. Am Ende dieses Artikels findet ihr eine Auswahl an weiterführenden Beiträgen anderer Finanzblogger, mit denen ihr euch über diese Strategie umfangreich informieren könnt.

 

Nach einer Orientierungsphase nach dem Beginn mit dem eigenständigen Vermögensaufbau, habe ich mich relativ früh auf die Dividendenstrategie festgelegt. Für mich ist sie allerdings ein wenig mehr, als einfach nur Aktien mit hohen Ausschüttungen einzusammeln.

 

 

Am Anfang war das Ziel

 

Mein Ziel ist es, passives Einkommen zu generieren, um stetig unabhängiger von meiner Arbeitskraft, meinem Job und meiner Pension zu werden. Ich möchte mit Hilfe der Dividendenstrategie mein Geld gezielt in Aktien investieren, die eine hohe Dividendenrendite aufweisen. Weitere (vielleicht sogar noch wichtigere) Kriterien für die Auswahl meiner Aktien sind die Zuverlässigkeit der Auszahlungen und ihre jährliche Steigerung. Hierbei konzentriere ich mich hauptsächlich auf hochwertige Qualitätsunternehmen. Dazu zählen Unternehmen mit einer hohen Marktkapitalisierung, die gleichzeitig zu den besten fünf ihrer Branche gehören. Das passive Einkommen soll zudem jährlich kontinuierlich gesteigert werden.

 

 

Warum ich die Dividendenstrategie ausgesucht habe

 

Ich bin nicht der Ansicht, dass die Dividendenstrategie die beste Strategie ist, die es gibt und wende sie auch nicht aus diesem Grund an. Es gibt viele gute und sinnvolle Strategien, mit denen man bei konsequenter und langfristiger Umsetzung erfolgreich sein wird. Für jede benötigt man ein eigenes spezielles Wissensspektrum, gewisse mentale Fähigkeiten und mehr oder weniger viel Zeitaufwand. Aber es ist die Strategie, bei der ich mich am wohlsten fühle und mit welcher ich am besten zurecht komme.

 

Üblicherweise schwanken Aktien mit höheren und kontinuierlichen Ausschüttungen weniger stark als Nichtzahler. Bei Abwärtsbewegungen des Marktes wirken die Dividendenzahlungen wie ein kleines Polster. Sofern das an der Börse möglich ist, bieten mir Dividendenunternehmen also ein gewisses Maß an Sicherheit. Hierbei ist erst einmal zweitrangig, ob es sich vielleicht nur um ein subjektives Empfinden handelt, weil ja die Dividende bereits vom Kurs abgezogen wurde. Bei der Geldanlage geht es auch darum, bei Schwankungen ruhig schlafen zu können. Die Lebensqualität bleibt also hoch. Die Abgrenzung zum Selbstbetrug ist mir dabei durchaus bewusst.

 

Qualitativ hochwertige Unternehmen, die seit vielen Jahren an der Börse gehandelt werden, bieten mir zudem auch eine objektive Sicherheit. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie auch noch in den kommenden Jahren existieren und gutes Geld verdienen werden. Wenn bereits seit vielen Jahren Dividenden ausgeschüttet werden, kann ich davon ausgehen, dass das auch in Zukunft so sein wird.

 

Eine kontinuierliche Dividendenpolitik ist für mich zunächst einmal ein Zeichen von Stärke. Das gilt natürlich nur, wenn die Dividende aus dem laufenden Gewinn gezahlt wird und nicht aus der Substanz eines Unternehmens. Wird über einen sehr langen Zeitraum regelmäßig ein Teil des Gewinns ausgeschüttet, ist das ein Nachweis für ein bewährtes und nachhaltiges Geschäftsmodells.

 

Die Konzentration auf Aktien von hoher Qualität erlaubt es mir, mit relativ geringem zeitlichen Aufwand langfristiges Buy-and-Hold zu betreiben und nicht täglich Börsenkurse beobachten zu müssen. Auch wenn die tägliche Überwachung meiner Ergebnisse anfangs noch spannend war, ist mein Interesse an dieser Arbeit mit der Zeit geschwunden und mehr und mehr zur lästigen Pflicht geworden. Nach Festlegung auf diese Strategie war ich darauf zum Glück nicht mehr angewiesen.

 

Unter allen Zahlen, Daten und Fakten einer Bilanz, ist die Dividende die ehrlichste Kennzahl. Sie kann nicht manipuliert werden und zeigt daher einen wesentlichen Teil der Unternehmensentwicklung zuverlässig an. In Zeiten von Dieselskandalen & Co auch nicht so ganz unwichtig.

 

Gewinnbeteiligungen aus solchen Unternehmen sind recht gut planbar. Das gilt besonders für nichtzyklische Aktien. Ich habe kein schlechtes Gefühl, mehrere Wochen in den Urlaub zu fahren und in dieser Zeit Börsenthemen komplett zu ignorieren.

 

Mit der Dividendenstrategie kann ich laufende passive Einnahmen generieren. Jeder Rückfluss auf mein Verrechnungskonto ist gut für die Moral und sorgt für Motivation. Jede Erhöhung der Dividende bereitet mir Freude. Diesen psychologischen Aspekt darf man nicht unterschätzen.

 

Sie ist weiterhin ein hervorragendes Mittel um die Rentenlücke zu schließen. Die Einnahmen fließen automatisch auf mein Konto, ohne das Anteile verkauft werden müssten. Dies vermeidet weitere Gebühren. Ich kann Altersvorsorge betreiben und muss nicht meine Vermögenssubstanz angreifen.

 

 

Welche Nachteile der Dividendenstrategie nehme ich bewusst in Kauf?

 

Natürlich ist es nicht möglich über Nacht reich zu werden. Aber eine solche Strategie gibt es sowieso nicht. Geduld und Durchhaltevermögen sind gefordert. Am Anfang stellen sich die ersten kleineren positiven Ergebnisse ein, die sich durch den Zinseszinseffekt zu einer gewaltigen Lawine entwickeln und bei langfristiger und beharrlichen Anwendung zu tollen Erfolgen führen.

 

Viele vermeintliche Nachteile der Dividendenstrategie, die in von Kritikern aufgeführt werden, sind in meinen Augen keine wirklichen Nachteile. Die Tatsache, dass hohe Dividendenrenditen nicht per se schon ein gutes Zeichen sind oder dass sich der Aktienkurs bei Auszahlung um die Höhe der Dividende verringert, gehören für mich in die Kategorie „Dinge, die man wissen und beachten sollte“.

 

Allerdings gibt es einen Nachteil, den man nicht ignorieren sollte: den sofortigen Steuerabzug! Sofern man den Freibetrag von 801 Euro für Alleinstehende bzw. 1602 Euro bei Verheirateten überschreitet, wird bei jeder Dividendenauszahlung automatisch die Abgeltungssteuer abgezogen. Das Geld ist sofort weg, kann nicht wieder reinvestiert werden und unterliegt damit auch nicht dem Zinseszinseffekt. Bei einer Buy-and-Hold-Strategie, die sich auf Kursentwicklung fokussiert, kann die Steuerbelastung auf später verschoben werden, da die Steuer auf Kursgewinne erst beim Verkauf der Anteile fällig wird. So können sich die Kursgewinne vollständig zum Vorteil des eigenen Vermögens entwickeln. Oftmals unterliegt man im Alter einer geringeren Besteuerung, als als lediger Junggeselle mit gutem Gehalt. Man darf also nicht vergessen, dass die Dividendenstrategie den Vermögensaufbau bremsen kann.

 

Ich kann jeden verstehen, der sich aus diesem Grund für eine andere Strategie entscheidet. Es ist durchaus sinnvoll darüber nachzudenken, ob man als junger Mensch nicht besser auf eine andere langfristige Strategie zum Beispiel mit Hilfe von Wachstumswerten setzen sollte, um auch wirklich jeden Euro dem Zinseszinseffekt zu unterwerfen. Im späteren Verlaufe eines Anlegerlebens könnte man immer noch auf die Dividendenstrategie umschwenken, wenn regelmäßige passive Einnahmen im Alter wichtig sein sollten.

 

 

Am Ende des Tages…

 

Eine Dividende zu zahlen, muss man sich als Unternehmen leisten können. Wenn ihr die Zuverlässigkeit der Zahlungen beachtet, die kontinuierlichen Erhöhungen berücksichtigt und ein Auge darauf habt, dass die Auszahlungen aus dem laufenden Gewinn erfolgen, sortiert ihr als Anleger schon einmal viele schlechte Unternehmen aus. Eine gewisse Unternehmensqualität ist damit bereits gegeben. Und das ist ja auch schon etwas wert.

 

Ich finde es optimal, wenn ein junges Unternehmen in der Wachstumsphase sämtliche Gewinne in weiteres Wachstum investiert und erst einmal keine Dividende zahlt. Wenn sich dann das Wachstum irgendwann abschwächt, sollte das Unternehmen einen Teil der Gewinne an die Aktionäre auszahlen. So ist aus meiner Sicht eine optimale Performance gewährleistet, denn einerseits wird weiterhin mit Augenmaß in weiteres Wachstum investiert und andererseits ist es mir lieber, wenn der Gewinn unter den Anlegern verteilt wird, als das man ihn für Manager-Boni oder wirtschaftlich ungünstige Investitionen ausgibt.

 

Die Dividendenstrategie ist nicht von Natur aus schon die „Champions League“ des Vermögensaufbaus. Aber sie ist die „Europa League“. Mit Hilfe von selbst definierten Bedingungen, unter Berücksichtigung von euren persönlichen Bedürfnissen, kann sie zu einer sehr guten Strategie zum Vermögensaufbau für Privatanleger werden.

 

Mein Beitrag ist bewusst keine flammende Huldigung dieser Strategieart geworden, denn jedes Konzept hat seine Vor- und Nachteile. Die perfekte Strategie gibt es nicht. Es kommt auch auf persönliche Empfindungen an. Es ist wichtiger, dass man an seine Strategie glaubt, sie konsequent befolgt und nicht ständig auswechselt. Für viele Menschen ist der Schritt an die Börse ein Riesenschritt. Wenn regelmäßige Dividendenzahlungen ein subjektives Sicherheitsempfinden auslösen und es dazu führt das man ruhiger schläft, ist das in meinen Augen wichtiger, als das letzte Prozentpünktchen an Rendite. Wie man die Dividendenstrategie konkret mit Leben füllen könnte, werdet ihr bald auf diesem Blog erfahren.

 

Im kommenden Beitrag erkläre ich zunächst, warum ich nicht ausschließlich auf Dividendenaktien setze, sondern meine Strategie um weitere Aspekte ergänze.

 

Für welche Strategie habt ihr euch entschieden? Welche Kriterien haben dafür den Ausschlag gegeben? Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

Bild: www.pixabay.com

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Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

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