In einem der letzten Artikel habe ich dir dargelegt, warum ich mich dafür entschieden habe, aktiv und nicht passiv zu investieren. Es braucht aber kein passiver Investor auf Grund meiner Argumente ein schlechtes Gewissen bekommen. Für mich ist das der absolut richtige Weg, jedoch kann für dich ein passives Investment durchaus die bessere Lösung sein. Wichtig ist es, Entscheidungen treffen zu können und nicht ständig zwischen den Ausrichtungen hin und her zu wechseln. Heute möchte ich schildern, worauf du dich einlässt, einlassen solltest und was du mitbringen musst, wenn du aktiver Investor sein willst.

 

 

Aktiver Investor zu sein, ist ein langwieriger Prozess

 

Wenn ich eine Sprache, ein Instrument oder eine andere Fähigkeit lernen möchte, muss ich mir mich ernsthaft darauf einlassen, dass es sich dabei um einen Entwicklungsprozess handelt. Ich muss mich regelmäßig mit dem Thema beschäftigen und auch die erforderliche Zeit dafür freischaufeln. Genauso ist es beim aktiven Investieren auch.

 

Wenn ich ab morgen für zwei Wochen in einem Fitnessstudio ein wenig vor mich hin trainiere und danach damit aufhöre, wird das weder langfristig meine Gesundheit verbessern, noch werde ich in fünf Jahren eine bessere Figur haben als heute. Eine weitere Parallele zum Fitnesstraining ist, dass hier auch nicht das Ziel sein muss, den besten Körper der Welt heranzuzüchten. Es ist völlig in Ordnung einfach immer ein bisschen besser werden zu wollen. Das ist ambitioniert genug. Stillstand ist ein mächtiger Gegner. Genauso ist es beim Aufbau eines Aktiendepots auch.

 

Als aktiver Investor muss ich auch bereit sein Rückschläge hinzunehmen, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und mutig und entschlossen weiter zu machen. Nur so kann ich mich immer wieder verbessern.

 

 

Zeitlicher Aufwand

 

In der Dividendenstrategiegruppe bei Facebook posten ab und an einige von uns ihre persönlichen Portfolios und erläutern die enthaltenen Aktien mit kurzen Begründungen. Dort finden sich manchmal Investitionsgründe wie:

 

Adidas – stellen tolle Schuhe her und bald ist WM,

Nestlé – gefressen wird immer,

Procter & Gamble – mein Kind trägt Pampers,

Coca Cola – Dividendenaristokrat, Pflichtbeimischung.

 

Dazu kann ich nur sagen: Das reicht nicht aus! Es reicht auch nicht einen Artikel in „Der Aktionär“ oder „Boerse-Online“ gelesen zu haben. Ich kann mich nicht nur für ein Unternehmen entscheiden, weil ich ein Produkt mag. Umgekehrt darf ich es auch nicht meiden, nur weil ich ein Produkt nicht gut finde.

 

Als aktiver Investor muss ich eine Menge an Informationen sammeln, lesen und analysieren. Ich muss herausarbeiten, warum ein Unternehmen in zehn Jahren besser da stehen wird als heute. Ganz zum Schluss muss ich überprüfen, ob der aktuelle Preis für die Aktie zu hoch, fair oder günstig ist.

 

 

Wirtschaftliches Verständnis entwickeln und eigene Meinung bilden

 

Die Rendite einer Aktie besteht aus der Kursentwicklung und der Dividende. Die Kursentwicklung hängt langfristig immer von der Gewinnentwicklung ab. Diese Zusammenhänge muss ich verstehen. Ich muss einen Investment Case formulieren können und in der Lage sein, einen Preis zu definieren, ab wann eine Aktie für mich interessant wird.

 

Ich kann erst dann einen größeren Betrag aktiv in Einzelaktien investieren, wenn ich in der Lage bin, eine eigene Meinung zu bilden. Wenn ich jedoch vor einem Investment noch auf einen Impuls aus einer Facebookgruppe, von einem Influencer, aus einem Blog oder einer Zeitschrift angewiesen bin, dann bin ich einfach noch nicht so weit. Dann muss ich weiter daran arbeiten und kann vorerst passiv Investieren.

 

Um meine Fähigkeiten zu entwickeln, sollte ich bereit sein etwas Geld in Literatur zu investieren, die mich nach vorne bringt. Wenn ein hochwertiges Buch dazu beiträgt, dass du zukünftig mehr richtige als falsche Entscheidungen treffen kannst, wird das automatisch dein Lehrgeld minimieren. Das Geld, das du für das Buch ausgegeben hast, wird um ein vielfaches zurück in deinen Geldbeutel fließen. Ich habe dir hier einmal drei Bücher für den Einstieg in das aktive Investieren herausgesucht, die ich mit gutem Gewissen empfehlen kann:

Robert G. Hagstrom stellt Warren Buffetts Investment-Methode vor und verdeutlicht sie anhand vieler Beispiele. Alle wichtigen Käufe in der Karriere von Buffett werden skizziert und analysiert. Auch ganz normale Investoren können so von der Erfahrung und den Erfolgen des größten Investors aller Zeiten profitieren.

Durch diesen Ratgeber lernst du den spannenden Alltag des erfahrenen und souveränen Kapitalisten kennen. Du lernst, vor welchen Problemen und Entscheidungen er täglich steht und wie er seine Chancen zur maximalen Selbstoptimierung nutzt, um Vermögen aufzubauen. Auch als Einsteiger kannst du die Grundlagen der Aktienbewertung und Börsenpsychologie lernen, wenn du nur engagiert genug bist.

Der Finanzanalyst Till Schwalm zeigt mit “Einfach Investieren”, wie jeder Privatanleger von den erfolgreichen Strategien von Warren Buffett & Co. profitieren kann. Er erläutert die Grundlagen, gibt konkrete Tipps und hilft bei den ersten Schritten an der Börse. Die Grundlagen des Value Investing kompakt für Einsteiger aufbereitet.

Wie ist das Management aufgestellt?

 

Ich muss mich als aktiver Investor auch mit dem Management eines Unternehmens beschäftigen. Um nachzuvollziehen, wie es das Unternehmen führt, durchforste ich Aktionärsbriefe, Analysten-Calls oder Youtube-Videos. Wenn ich dadurch das Geschäftsmodell verstehen lerne, kann ich auch herausfinden, ob die Aktie zu mir passt oder nicht.

 

Ein guter CEO sieht sich zuerst als Dienstleister der Eigentümer eines Unternehmens. Er arbeitet für die Aktionäre. Diese Sichtweise ist in Nordamerika eher verbreitet als in Deutschland. Für die Aktionäre zu arbeiten bedeutet aber mehr als nur die Wünsche der Investoren zu erfüllen. Ein Unternehmen leiten und Wert schaffen kann nur, wer Eigenschaften mitbringt, die sich nicht so einfach messen lassen – strategischen Weitblick, Authentizität und langfristiges Denken. Und die Anleger sind sicherlich nicht die einzige Interessengruppe, um die sich ein CEO kümmern muss. Den erfolgreichsten Unternehmen gelingt es, zu ihren Kunden, Mitarbeitern und den Gemeinden, in denen sie ihr Geschäft betreiben, starke Bindungen aufzubauen.

 

Wenn ich zum Beispiel in Amazon investiere, darf ich mich nicht über ausbleibende Gewinne ärgern. Deshalb ist Amazon nicht automatisch ein schlechtes Unternehmen und Jeff Bezos kein schlechter CEO. Er nimmt auf Gewinne im jetzigen Stadium der Unternehmensentwicklung einfach keine Rücksicht, sondern investiert sie sofort wieder in weiteres Wachstum um den Effekt zu potenzieren. Er steuert das Unternehmen im Gegensatz zu vielen anderen nach Free-Cashflow. Solche Eigenheiten eines Unternehmens muss ich erkennen und damit umgehen.

 

Ich muss meine Investments regelmäßig evaluieren um herauszufinden, ob die Kriterien für einen Kauf bzw. ein Halten immer noch gegeben sind. Deshalb sollte ich die Anzahl der verschiedenen Unternehmen in meinem Depot auch nach oben begrenzen, da es sonst zu aufwendig und unübersichtlich wird.

 

 

The Circle of Competence

 

Die Lehre vom „Circle of Competence“ geht auf Warren Buffett zurück und lässt sich leicht mit: „Fokussieren statt verzetteln“ zusammenfassen.

 

Ich kann mich ruhig zunächst in meinem eigenen Circle of Competence bewegen. Diese Einstellung steht genau im Gegensatz zu meinem sonstigen Bestreben mich stetig weiter zu entwickeln und ist auch konträr zu meinem inneren Drang keine Chancen verpassen zu wollen. Deswegen ist das auch gar nicht so leicht. Aber es ist elementar für einen aktiven Investor genau zu wissen, wie der eigene Kompetenzkreis definiert wird.

 

Wenn ich in der Telekommunikationsbranche arbeite, kannst ich zunächst die Unternehmen in dieser Branche kennenlernen und ein Investment erwägen. Wenn ich mich in der Freizeit für Autos interessiere, ist die Automobilbranche sicherlich einen Blick wert. Es macht vielmehr Sinn zuerst das Potenzial seines eigenen Circle of Competence auszuschöpfen. Warum solltest ich mich direkt von Null an in den Bereich Biotech einarbeiten, wenn ich erst einmal gar keinen Bezug dazu habe? Es gibt so viele Privatanleger, die noch nicht gut mit den Grundlagen des Vermögensaufbaus vertraut sind, aber schon viel Geld in Zertfikate und Optionen investieren. Der Sinn dahinter erschließt sich mir nicht.

 

Es spricht natürlich nichts dagegen den Kompetenzkreis zu erweitern, jedoch sollte jedem aktiven Investor klar sein, dass es unmöglich ist, sich in allen Bereich gleich gut auszukennen. Ich kenne mich im Bereich Aktien, Anleihen, P2P-Kredite und institutionelle Altersvorsorge gut aus, muss aber zum Beispiel regelmäßig passen, wenn ihr mich nach Kryptowährungen fragt. Das ist für mich auch völlig in Ordnung. Das muss man sich nur erstmal eingestehen.

 

 

Fazit:

 

Man muss kein fertig ausgebildeter Investor sein um aktiv an der Börse zu investieren. Es ist ein fortwährender Prozess, wo man immer neue Dinge dazu lernt. Und man lernt hauptsächlich durch gesammelte Erfahrungen und durch Verluste. Wer sich Schritt-für-Schritt immer weiter vorantastet wird weniger Fehler machen und weniger Verluste erleiden, als man als Anfänger oft befürchtet. Voraussetzungen sind ein klein wenig Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen und an der Wissenserweiterung und auch die Bereitschaft nicht nur Geld, sondern auch Zeit zu investieren.

 

Dafür winken mit der Zeit überdurchschnittliche Renditen und ein Erfahrungsschatz, den einem niemand mehr nehmen kann.

 

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Bild: © panthermedia.net / everythingposs

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