Mein letzter Artikel hat sich mit der Aufteilung eines Vermögens in Rubriken beschäftigt und welchen Anteil ich in welche Anlageklasse investiere. Heute möchte ich dir zeigen, wie ich diese Struktur visuell darstelle und welche Schlüsse ich daraus ziehen kann.

 

Eine Möglichkeit herauszufinden, wann du wieviel Geld in welche Anlageklasse investieren kannst, ist die Verwendung einer Vermögenstabelle.

 

Ich verwende die Vermögenstabelle von Alex Fischer von reich-mit-plan. Alex ist sicherlich einer der bekanntesten Finanzblogger in Deutschland. Sein Blog besteht seit 2009. Er hat sich mit 37 Jahren aus seinem Angestelltenverhältnis verabschiedet und lebt mittlerweile finanziell unabhängig. Sparsamkeit, cleveres Ausgabeverhalten, Kreativität beim Generieren von Einnahmen und eine Menge Disziplin haben ihn dieses Ziel erreichen lassen. Davor habe ich höchsten Respekt.

 

Seit 2012 arbeite ich mit seinen Vermögenstabellen. Damals musste ich die Tabellen noch kostenpflichtig bei ihm erwerben. Mittlerweile stellt er die Excel-Dateien kostenlos zur Verfügung, wenn du dich in seinen Newsletter einträgst. Das finde ich mehr als fair. Zumal du durch den Newsletter viele nützliche Informationen vorab bekommst, noch bevor er sie auf seinem Blog oder bei Facebook veröffentlicht. Natürlich kann man mit Grundkenntnissen in Excel selbst eine Vermögenstabelle erstellen. Aber unter Berücksichtigung der eingesparten Zeit, habe ich den Kauf als sinnvolle Investition angesehen. Heute kann ich sagen, dass sie sich absolut gelohnt hat. Auch sein Dividenden-Alarm ist ein wichtiger Eckpfeiler meiner Geldanlage. Aber dies ist ein anderes Thema. Heute soll es zunächst nur um die Vermögenstabellen gehen.

 

Einmal im Monat befülle ich die Tabellen mit meinen eigenen Zahlen und Daten. Sie zeigen mir dann, wieviel Geld ich in welche Anlageklasse investieren soll.

 

 

Antizyklisches Investieren – eine der allerwichtigsten Regeln, die du an der Börse beherzigen solltest!

 

Eine der wichtigsten Grundregeln beim Investment an der Börse ist nicht mit dem Strom zu schwimmen und antizyklisch zu investieren. Du kaufst also dann deine Wertpapiere, wenn die Kurse niedrig sind und die ganze Welt Aktien als Geldanlage verteufelt. Verkaufen solltest du, wenn die Kurse stark gestiegen sind und die Märkte boomen. Genau das fiel mir in der Anfangszeit meiner selbstständigen Geldanlage schwer. Man lässt sich von den Medien und der öffentlichen Meinung beeinflussen. Die Vermögenstabelle hat mir geholfen, meine Emotionen auszublenden und meine Entscheidungen für oder gegen ein Investment anhand rationalerer Kriterien zu treffen.

 

Dazu kommt, dass ich mehrere Depots bei unterschiedlichen Brokern führe. Durch meine regelmäßigen Eintragungen in die Tabelle habe ich einen Gesamtüberblick über mein Vermögen. Die Tabelle gibt es in einer „einfachen“ und einer „komplexen“ Variante. Ich verwende beide, da sie mir unterschiedliche Ansichten und Informationen über mein Vermögen darstellen.

 

Die Vermögenstabellen sind sehr einfach gehalten und enthalten nur die nötigsten Informationen. Wenn mein Vermögen sich verändert, verändert sich die Tabelle. Dies geschieht durch regelmäßige monatliche Einzahlungen, bei Schwankungen der einzelnen Werte oder durch Veränderung der festgelegten Sollwerte.

 

Hier siehst du eine Grafik, wo ich meine persönliche Rubrikeinteilung in die einfache Version der Vermögenstabelle eingetragen habe:

 

 

Vermoegenstabelle-einfach

 

 

In der ersten Spalte habe ich meine Eingaben entsprechend meiner Rubrikeinteilung gemacht: Cash, Aktien, festverzinsliche Werte und Rohstoffe. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, plane ich als nächstes die Eröffnung der Rubrik „Immobilien“.

 

In der zweiten Spalte habe ich meine Sollwerte festgelegt. Die Werte sind dir ebenfalls schon aus meinem letzten Artikel bekannt.

 

Die Istwerte werden vom Excel-Sheet automatisch berechnet. Du erkennst somit, ob du in einer Rubrik zuviel oder zuwenig investiert bist. Die Istwert-Spalte dient dir somit als Orientierung für eine mögliche Ungleichverteilung deines Vermögens.

 

Unter Guthaben zähle ich alle Vermögenswerte in jeder Rubrik zusammen, über die ich zum jeweiligen Eintragungszeitpunkt verfüge und trage sie ein.

 

Die Spalte „verfügbar“ zeigt mir den genauen Betrag an, den ich zuviel oder zuwenig investiert habe.

 

 

Investition der Cashmittel

 

Ich hatte dir bereits erklärt, dass ich einen monatlichen Sparbetrag auf mein Depotverrechnungskonto einzahle. Wenn man also einmal so tut, als würden sich die Vermögenswerte der übrigen Kategorien nicht verändern, würde meine Cashposition mit der Zeit prozentual über den Sollwert hinaus ansteigen und die übrigen Werte unter den Sollwert rutschen. Ist eine gewisse Differenz erreicht, kann ich beginnen, das Geld in die passende Rubrik zu investieren. Trotzdem sollte man in diesem Fall nichts überstürzen. Für mich bedeutet dies erstmal nur, dass ich mir einzelne Anlageklassen genauer anschaue und mir potenzielle Kandidaten für ein Investment aussuche. Habe ich ein passendes Investment gefunden, investiere ich in eine der Rubriken, die unter dem Sollwert liegen. Bei guten Gelegenheiten gehe ich auch deutlich über den Sollwert hinaus. Nach der Investition meiner Cashposition könnte die Vermögenstabelle dann so aussehen:

 

 

Vermoegenstabelle-einfach2

 

 

Die 2000 Euro Bargeld sind nun in Aktien investiert. Die Aktienrubrik ist dadurch übergewichtet. Durch weitere monatliche Einzahlungen und Schwankungen der einzelnen Anlagewerte gleicht sich später alles automatisch wieder an. Meine Aufgabe ist es nur, auf ein gewisses Gleichgewicht zu achten und gegebenenfalls durch Umschichtungen einzugreifen.

 

 

Boomphase an den Aktienmärkten

 

Im folgenden Beispiel gehe ich von einer Boomphase am Aktienmarkt aus. In diesem Fall würden die Werte meiner Aktien ansteigen und durch die monatlichen Einzahlungen würde sich auch mein Cashwert erhöhen. Mittlerweile sind wieder 2000 Euro an Cash aufgelaufen. Durch die Kursgewinne hat sich der Aktienwert auf 75 % erhöht. Gleichzeitig haben meine Rohstoffinvestitionen an Wert verloren, da sie sich oftmals entgegengesetzt zu den Aktienmärkten verhalten und der Istwert sinkt auf 6%.

 

 

Vermoegenstabelle-einfach3

 

 

Auf Grund des Überhang in dieser Rubrik könnte ich nun einen Teil meiner Aktien verkaufen und diesen in Rohstoffe umschichten. Nun wechseln also 4000 Euro aus der Aktienrubrik in die Rohstoffrubrik. Ich hätte die Aktien an einem Hochpunkt verkauft und die Rohstoffe an einem Tiefpunkt gekauft. Gleichzeitig wird die Cashposition ebenfalls in Rohstoffe investiert. Die Aktienwerte sind wieder auf ihrem Sollstand und Rohstoffe überinvestiert. Genau so funktioniert antizyklisches Investieren in Reinkultur.

 

 

Vermoegenstabelle-einfach4

 

 

Börsencrash

 

Genauso verhält es sich im umgekehrten Fall. Nach einer Boomphase kommt irgendwann ein Crash. In diesem Fall würde sich der Istwert der Aktien durch die Wertverluste automatisch absenken. Liegt er deutlich unter meinem Sollwert, beginne ich über Investitionen in diese Anlageklasse nachzudenken.

 

Natürlich sind die Beispielwerte nicht realistisch und übertrieben dargestellt. Ich meine aber, dass der Anschauungseffekt dadurch deutlicher wird.

 

Die komplexe Version der Vermögenstabelle funktioniert ähnlich, ist aber noch detaillierter.  Damit kannst du deine Investments zusätzlich in Themen, Branchen und Regionen unterteilen. Hier ein beispielhafter Aufbau einer Vermögensstruktur zur ersten Seite der Tabelle. Die Einteilung ist wahllos zur Verdeutlichung der Funktionsweise vorgenommen. Hierbei soll es sich nicht um eine Aktienempfehlung handeln. Nestlé als Nahrungsmittelhersteller würde in die Kategorie 6 gehören. Die Aktien von Google in die Kategorie 9.

 

Vermoegenstabelle komplex

 

 

Erst kürzlich hat Alex ein Update der komplexen Version der Vermögenstabelle vorgenommen. Du kannst jetzt einfach auf der zweiten Seite deine konkreten Wertpapiere eintragen und das Excel-Sheet summiert die Werte anhand der Kategorienummer und stellt diese auf der ersten Seite dar.

 

 

 

Unabhängigkeit von der öffentlichen Meinung durch eine selbst geschaffene Faktenlage

 

 

Diese Artikelüberschriften haben unsere Medien in Zeiten fallender Märkte in den letzten Monaten formuliert:

 

 

DAX im Sinkflug: Das sollten Anleger jetzt tun!“ (Focus, 20.08.2015)

Börsen-Crash in Asien: DAX fällt unter 10000 Punkte!“ (Welt, 24.08.2015)

Schlechtester Jahresstart seit 28 Jahren. DAX geht nach China-Crash tiefrot ins neue Jahr!“ (Der Aktionär, 04.01.2016)

Schwarzer Freitag an der Wall-Street: Brexit-Votum schockt DAX!“ (n-tv, 24.06.2016)

 

 

In meiner Anfangszeit an der Börse haben mich solche Nachrichten schwer verunsichert. Ich begann zu zweifeln, ob meine Anlageentscheidungen noch richtig waren oder ich lieber aussteigen soll, bevor es zu spät ist. Manchmal habe ich auf Grund solcher Nachrichten Aktienanteile zu Tiefstpreisen verkauft und Verluste eingefahren. Nach der nächsten Erholungsphase habe ich mich dann geärgert, die Nerven verloren zu haben.

 

Anhand der Vermögenstabellen habe ich eine Faktenlage geschaffen, die mir als Anhaltspunkt dient, welche Entscheidung in welchen Marktphasen die richtige sein könnte. Mittlerweile interessieren mich solche Schreckensnachrichten nicht mehr. Sie verursachen keine Emotionen mehr bei mir. Ich bin in jeder Marktphase in der Lage die richtigen Entscheidungen zu treffen. Natürlich sind die Vermögenstabellen kein pauschaler Schutz gegen Verluste. Ich möchte auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Werte der Tabellen niemals alleiniges Entscheidungskriterium für oder gegen eine Anlage sind. Aber sie geben mir Halt und machen mich unabhängiger von Emotionen.

 

Die regelmäßigen Eintragungen kosten mich ca. 15 Minuten Zeitaufwand pro Monat. Die Fehlentscheidungen, die ich durch diese Arbeit bereits vermieden habe, lässt sich als Stundenlohn leider nicht beziffern. Ich bin aber sicher, dass ich diesen in meinem Beruf nicht erreichen würde.

 

Falls du die Vermögenstabellen auch einmal ausprobieren möchtest, gelangst du hier zum Download-Bereich von reich-mit-plan. Einfach in den Newsletter eintragen und die Downloadlinks werden dir umgehend an deine E-Mail-Adresse gesandt.

 

Mich interessiert auch, wie du deine Vermögensstruktur visualisierst? Nach welchen Kriterien wählst du deine Geldanlage aus? Ich stelle hier lediglich meinen bisherigen Weg dar, möchte ihn aber nicht als das alleinige Nonplusultra verkaufen. Mich interessieren auch die Wege meiner Besucher. Vielleicht hast du sogar den ein oder anderen Tipp für mich, wie ich meinen Vermögensaufbau weiter optimieren kann. Man lernt nie aus. Über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen.

 

 

Bild: © panthermedia.net /Olivier26

Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss

Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Alle Beiträge dienen lediglich der Information oder der Unterhaltung. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Bei den hier erläuterten Anlageentscheidungen handelt es sich um meine subjektive Meinung. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen. Du handelst eigenverantwortlich und auf eigene Gefahr. Vor einer Anlageentscheidung empfehle ich dir die Inanspruchnahme einer professionellen Beratung.

Artikelserie Vermögensstruktur

Artikel 1/4 – Aufbau einer Vermögensstruktur

Artikel 2/4 – Wie du deinem Vermögen eine Struktur verleihen kannst

Artikel 3/4 – So sieht meine eigene Rubrikeinteilung aus

Artikel 4/4 – Wie mich ein kostenloses Excel-Sheet vor teuren Fehlentscheidungen bewahrt

%d Bloggern gefällt das: